Surviving Christmas (Wie überleben wir Weihnachten?)

“Most Americans feel that in order to stand being around their family, for even one or two days, they need to swill as much alcohol as humanly possible” – mehr Alkohol wäre für den Genuss dieses Films bestimmt auch besser gewesen.

Surviving Christmas hat eigentlich alle Zutaten für einen netten Weihnachtsfilm: zwei attraktive Hauptdarsteller (Ben Affleck, Christina Applegate), eine simple aber viel Situationskomik versprechende Ausgangsidee (reicher Schnösel mietet sich eine Familie, um Weihnachten zu feiern), und ein Soundtrack mit den üblichen Feiertags-Hits (”Have yourself a merry little christmas”, usw). Kurzum, ein absehbar flacher aber unterhaltsamer Streifen für verregnete Advent-Nachmittage, so zumindest die Erwartung.

Zu Beginn läßt sich auch alles ganz amüsant an, der Film nimmt sich selbst nicht allzu ernst und erlaubt sich sogar die eine oder andere subversive Szene (z.B. die Omi, die nach dem Lebkuchenbacken den Gasherd nochmal aufdreht, um den Kopf reinzustecken). Drew (Ben Affleck), ein neureicher Werbe-Yuppie, hat keine richtigen Freunde oder Familie, und selbst seine zickige Freundin will mit ihm nicht über Weihnachten auf die Fidschis fliegen, sondern lieber mit den Eltern unterm Tannenbaum feiern. Einsam und am Boden zerstört macht er sich auf die Suche nach seinem alten Elternhaus, das mittlerweile von der bodenständigen Famile Valco bewohnt wird. Kurz entschlossen bietet Drew der Familie 250.000 Dollar, um mit ihnen im trauten Familienkreis die Feiertage zu verbringen und als “Sohn” aufgenommen zu werden. Natürlich verläuft das Fest nicht so harmonisch wie erhofft, natürlich verliebt sich Drew in die hübsche aber kratzbürstige Tochter des Hauses (Christina Applegate), und natürlich kommt es zu großen Mißverständnissen, als Drews Freundin auf einmal samt Eltern vor der Tür steht. Das wäre alles gar nicht so schlimm, eine vorhersehbare Story ist in diesem Genre quasi Standard. Aber Regisseur Mike Mitchell hat das ganze so seelenlos und unstimmig inszeniert, dass die Geschichte zu keinem Zeitpunkt fesselt.

Ben Afflecks komödiantisches Talent ist reichlich begrenzt, seine Performance schwankt zwischen over-acting und under-performing. Christina Applegate ist zwar hübsch anzusehen, kann damit ihrer Klischee-Rolle aber auch keine Tiefe geben. Einzig James Gandolfini (”The Sopranos”) als grimmiger Vater füllt die ihm zugewiesene Rolle mit ein wenig mehr Leben aus. Das Drehbuch wirkt, als habe eine Gruppe von Gagschreibern im Nachhinein nochmal versucht, an das karge Storygerüst wahllos “humorige” Szenen dranzuklatschen. Tatsächlich gibts immer wieder den einen oder anderen Lacher, aber das Ganze wirkt extrem unrund und zusammengestoppelt und ist meilenweit entfernt von der Leichtigkeit und Wärme andere Weihnachtsfilme wie Love Actually. Ein Grundproblem ist, dass der Film sich nicht entscheiden kann, subversive Komödie oder rührselige Familienschmonzette zu sein. Beides wäre für sich genommen ja ok, aber diese halbgare Mischung aus beidem ist schlecht verdaulich.

Surviving Christmas (Wie überleben wir Weihnachten?), USA 2004 – deutscher Kinostart: 16.12.2004
3/10 Punkte
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