Eastern Promises (Tödliche Versprechen)

“Sometimes, death and birth go together”

David Cronenbergs Weihnachtsfilm ist der brutale Gegenentwurf zur gleichzeitig erschienenen Disney- Familienunterhaltung “Verwünscht”. Schon in den ersten fünf Minuten ist klar, wo die Reise hingeht: Ein Mann wird beim Friseurbesuch auf brutale Weise hingerichtet, und Cronenberg hält voll drauf, wenn dem Mann die Kehle durchgesäbelt wird. Da werden eingefrorene Leichen mit dem Fön wieder aufgetaut, Finger abgeknipst, Augen ausgestochen. Aber für Cronenberg, seit 80er Jahre Reißern wie “The Fly” bekannt für explizite Darstellungen, sind die Gewaltszenen kein Selbstzweck, sondern bebildern glaubhaft eine relevante Handlung.

Im vorweihnachtlichen London bricht die hochschwangere Prostiuierte Tatiana in einer Apotheke zusammen. Die junge Frau stirbt bei der Geburt im Krankenhaus. Anhand ihres auf russisch geschriebenen Tagebuchs versucht die Hebamme Anna (Naomi Watts) die Angehörigen der Toten zu finden. Bei der Suche entdeckt sie die traurige Lebensgeschichte von Tatiana, die als Zwangsprostituierte für die russische Mafia arbeiten musste.

Cronenberg mischt sehr plakativ aber auch effektiv die naiven Tagebucheinträge von Tatiana, die sich auf ein neues Leben im fernen London freut, mit der harten Realität der Zwangsprostitution und Gewalt, in die sie hineingeraten ist. Er entwirft dabei ein glaubwürdiges Panorama der russischen Unterwelt, mit dem Paten Semyon (Armin Müller-Stahl), seinem größenwahnsinnigen Sohn Kirill (Vincent Cassel) und dem wortkargen Hitman Nikolai (Viggo Mortensen). Kirill und Nikolai wirken dabei wie eine düstere Version von Vincent und Jules aus Pulp Fiction, nur dass diese beiden keine lockeren Sprüche über Quarterpounder austauschen.

Der Film wird getragen von der brillianten schauspielerischen Leistung von Viggo Mortensen, der auch schon in Cronenbergs letztem Streifen “A History of Violence” die Hauptrolle hatte. Mortensen nimmt man den undurchsichtigen Hitman (”I’m just a driver”) in jeder Szene ab. Auch Vincent Cassel als verwöhnter psychopatischer Sohn des Mafia-Paten spielt überzeugend. Naomi Watts wirkt schauspielerisch diesmal etwas blass, darf dafür aber in schönstem südenglischen Akzent sprechen, was sie in Hollywood ansonsten selten macht. Dafür wirkt Armin Müller-Stahls pseudo-russischer Akzent für deutsche Ohren ein wenig zu familiär.

Eine sehr emotionale Geschichte, packend erzählt und in drastischer Bildsprache umgesetzt. Sehenswert.

Eastern Promises (Tödliche Versprechen), UK/ Kanada/ USA 2007 – deutscher Kinostart: 27.12.2007
8/10 Punkte
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