The Brave One (Die Fremde in dir)

“Es gibt viele Arten zu sterben, die Aufgabe ist rauszufinden wie man lebt”

Die erfolgreiche Radiojournalistin Erica Bain steht kurz vor der Hochzeit mit ihrem Freund David (Naveen Andrews). Alles scheint perfekt, bis die beiden bei einem Spaziergang im Central Park brutal überfallen werden. David wird getötet, und Erica überlebt nur schwer verletzt.

Regisseur Neil Jordan findet sehr direkte, aber effektive Bilder, um die völlige Zerstörung des Lebensglücks durch den aus dem nichts kommenden Überfall plastisch zu machen: erotische Szenen zwischen Erica und David werden vermischt mit Bildern aus der Intensivstation; was in der einen Szene noch ein zärtlicher Liebhaber ist, ist in der nächsten nur noch ein geschundener Leichnam.

Erica verwandelt sich durch den Verlust in einen anderen Menschen, in eine Fremde, die ihre Emotionen verliert und selber zur Gewalt greift. Eine Waffe ist schnell besorgt, und diese Waffe bewahrt sie dann auch schon kurze Zeit später davor, Opfer des nächsten Überfalls zu werden. Diese Szene hätte die amerikanische Waffenlobby auch nicht effektiver kontruieren können. Das perfide daran ist, dass Regisseur Neil Jordan die Story gut rüberbringt und man ihm die recht dreiste Manipulation des Zuschauers durchgehen lässt.

Die Idee des Durchschnittsbürgers, der zum brutalen Rächer wird, ist nicht wirklich neu – in Falling Down hat das z.b. Michael Douglas schon recht überzeugend dargestellt. Und auch für Jodie Foster ist die Rolle des wehrlosen Opfers, das das Heft des Handelns selbst in die Hand nimmt, nicht unbekannt. Schon in David Finchers unterschätztem Panic Room spielte Foster einen ähnlichen Part.

Jordan verpackt die schlichte Grundidee in einen gradlinig und intelligent gemachten Thriller. Die schauspielerische Leistung ist durchweg gut, neben Foster überzeugt Terrence Howard als desillusionierter Polizist, der Erica auf der Spur ist. “The Brave One” manipuliert den Zuschauer noch nicht mal subtil, sondern mit dem Holzhammer – die Sympathien sind klar verteilt: Die Protagonistin, völlig aus der Bahn geworfen durch den Überfall und Mord an ihrem Freund, greift zum einzig sinnvoll erscheinenden Mittel, der Selbstjustiz. Das ist zwar ziemlich fragwürdig, aber dafür zumindest gut erzählt.

The Brave One (Die Fremde in Dir), USA 2007 – deutscher Kinostart: 27.09.2007
8/10 Punkte
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