Che: Part One (Che – Revolucion)

“Was ist das für ein Gefühl, ein Symbol zu sein?”

Che Guevara ist neben Nike und Mickey Mouse wohl weltweit das am meisten verkaufte T-Shirt-Logo. Und ganz ähnlich wie bei Nike und Disney wissen die meisten T-Shirt-Träger auch bei Che gar nicht so genau, was eigentlich dahinter steckt, sondern verbinden die Marke eher diffus mit Sportlichkeit und Athletik Revolution, Gerechtigkeit und dicken kubanischen Zigarren.

Dabei hat Hollywood immer mal wieder versucht, Licht ins Dunkel der Geschichte zu bringen, schon 1969 durfte Omar Sharif die Lebensgeschichte von Ernesto Guevara de la Serna – oder für Freund kurz “Che” – auf die Leinwand bringen (was in meiner jugendlichen Erinnerung gar nicht so schlecht gelungen war, aber für die Mitgliedschaft in der Liste der 50 schlechtesten Filme aller Zeiten gereicht hat). Zuletzt hat gar ein kleiner Motorrad-Trip Ches durch Südamerika gereicht, um daraus 2004 einen abendfüllenden Film zu machen.

Benicio del Toro war das alles nicht genug, mit dem Zweiteiler “Che- Revolucion” und “Che – Guerilla” wollte er die Mutter aller Che-Filme erschaffen. Zugleich als Hauptdarsteller und Produzent hat del Toro angeblich die letzten Jahre zusammen mit Regisseur Steven Soderbergh damit zugebracht, alle Überlebenden von damals zu treffen, alle Originalschauplätze anzuschauen und alle historischen Quellen zu sichten, um eine historisch korrekte Biographie abzuliefern.

Teil 1 der Saga handelt von der Beteiligung Ches an der kubanischen Revolution. Ches Guerilla-Kampf in Bolivien folgt in Teil 2.

Der Film fängt angestrengt dokumentarisch an und springt wild zwischen den Jahrzehnten hin- und her: Eine große Karte von Kuba, Batistas Machtergreifung, ein Interview mit Guevara Jahre später nach der erfolgreichen Revolution, dann wieder zurück zu den Anfängen von Castro und Guevara in Mexiko. Und weiter vorwärts in den Guerilla-Kampf auf Kuba. Im weiteren Verlauf wird die Darstellung des Guerilla-Kampfes immer wieder unterbrochen von halbdokumentarischen schwarz-weiß-Szenen aus Ches New York Reise acht Jahre später. Das ganze hin- und her wirkt extrem bemüht, ohne dass die Geschichte dadurch verständlicher würde.

Die zugrundeliegende Geschichte hätte genügend Material gegeben für eine spannende mitreissende Handlung, aber der Film verzettelt sich in Details und wirkt streckenweise wie eine lose Aneinanderreihung von Szenen ohne roten Faden. Es ist leider nicht der – wie einige Kritiken bemängelte – sozialistische Rambo geworden, sondern ein ziemlich langatmiges Biopic. Erst mit dem großen Showdown in Santa Clara im letzten Viertel des Films kommt ein wenig Spannung auf, wenn auch äußerst hölzern inszeniert, um dann sehr abrupt, fast mit einem Cliffhanger, zu enden: Die Ankunft der siegreichen Rebellen in Havanna wird dem Kinobesucher vorenthalten, weiter geht es dann in Teil Zwei.

Auch die schauspielerische Leistung ist eher halbgar, so wirkt Demián Bichir als Fidel Castro wie die Karikatur eines leicht größenwahnsinnigen Anführers, wild gestikulierend und mit wirrem Blick. Auch zahlreiche Nebendarsteller wirken teilweise wie aus einer Laienspielgruppe verpflichtet. Etwas überzeugender ist Benicio Del Toro als Che, dessen Figur aber bedingt durch das konfuse Skript auch arg blutleer bleibt.

Ebenso ärgerlich ist die apologetische Verklärung Ches als großen Revolutionär, der in Wirklichkeit nicht davor zurückschreckte, junge Weggefährten wegen kleinster Vergehen hinrichten zu lassen. Che der Held, der sich aufopfernd um Verwundete kümmert oder die Dorfbewohner medizinisch versorgt und dafür seine eigenen Ambitionen zurückstellt. Che der strenge aber gerechte Anführer, der für seine Soldaten da ist. Che, der auch mal selbst zur Panzerfaust greift, wenn sein Kamerad zweimal das Ziel verfehlt (und selbst natürlich sofort einen Volltreffer landet). Che, der den ungebildeten Guerilleros Lesen und Schreiben beibringt. Die Hinrichtungen in den eigenen Reihen sind zwar auch ein Thema, aber der Film läßt keinen Zweifel daran, dass hier die richtigen zu Tode gekommen sind. Und die Rechtfertigung dazu darf Che dann auch noch passenderweise selbst geben, in einer nachgestellten Rede vor der UN.

Interessanterweise hat diese Revolutionsverklärung selbst im Mutterland der Revolution keinen rechten Anklang gefunden. Das offizielle kubanische Blatt “Granma” (ja, heißt wirklich so) befand die Person des Fidel Castro als nicht mit der nötigen Tiefe dargestellt. Und Fidel Castro selbst trägt auch keine Che-T-Shirts, sondern lieber Adidas.

Wer die Ereignisse der kubanischen Revolution ein wenig mitreissender und atmosphärisch dichter erleben will, dem sei statt Soderberghs Werk eher “Havanna” mit Robert Redford ans Herz gelegt – hier allerdings nicht aus der Perspektive der Guerillakämpfer, sondern aus der eines dekadenten amerikanischen Glücksspielers erzählt.

Che: Part One (Che – Revolucion), USA, Frankreich, Spanien 2008 – deutscher Kinostart: 11.06.2009
2/10 Punkte
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