About Time (Alles eine Frage der Zeit)

„It was the Titanic of play openings but with no survivors. No women, no children, not even Kate Winslet, all dead. „

Ich mag ja Richard Curtis Filme, spätestens seit Love Actually. Und Filme mit Bill Nighy, spätestens seit Love Actually. Und Zeitreise-Filme, spätestens seit… nein nicht Love Actually, sondern eigentlich schon immer. Was soll da also schiefgehen, wenn Regisseur und Drehbuchschreiber Curtis mit Nighy in einer Hauptrolle einen Zeitreisefilm dreht.

Nun, nicht viel. About Time ist einerseits genau so wie man das erwartet, eine nette fluffige romantic comedy mit britischem Humor und einem time travel twist. Und andererseits dann wieder ganz anders als ich gedacht habe. Die Story dreht sich um den schüchternen Tim (Domhnall Gleeson), dem sein Vater (Bill Nighy) eines Tages eröffnet, dass die Männer in seiner Familie in die Zeit zurückreisen können. Natürlich nutzt Tim diese Fähigkeit vor allem, um endlich seine Traumfrau kennenzulernen:  Wenn etwas beim ersten Kennenlernen nicht auf Anhieb gelingt, springt Tim kurz in der Zeit zurück, um Schritt für Schritt das perfekte Date zu erreichen. Das erinnert stark an 50 First Dates oder Groundhog Day. Und ganze Zeit wartet man dann auch auf die übliche Plot-Dramatik, dass der Protagist nach Eroberung seiner großen Liebe einen Fehler macht, der alles gefährdet, dass seine Zeitsprünge alles nur noch schlimmer machen und er lernt, dass man das Schicksal nicht überlisten kann, blablablala.

About Time bricht mit diesen Sehgewohnheiten, erspart sich den üblichen rom-com Spannungsbogen. Die Geschichte kommt ganz ohne wilde Story Twists aus, sondern verläuft verblüffend gemächlich die über zwei Stunden Spielzeit, ohne den Zuschauer zu langweilen oder mit derben Comedy-Einlagen bei Laune halten zu müssen.

Curtis hält sich nicht lange mit den Feinheiten von Zeitreisemechanik auf. Warum die Männer der Familie die Fähigkeit haben, in der Zeit zurückzureisen und Dinge zu verändern, was die genauen Gesetzmäßigkeiten oder Regeln dahinter sind, interessiert ihn nicht. Nur soviel „You can’t kill Hitler or shag Helen of Troy„: sprich: man kann nur sein eigenes Leben zurückwandern. Das ist einer der wenigen Schwachpunkte der Geschichte. Zeitreisen sind ein kompliziertes Thema, und es gibt nur wenige Filme, die dieses Sujet wirklich sauber, logisch und halbwegs widerspruchsfrei in den Griff bekommen. Man kann man sich den Spaß an About Time einfach verderben, in dem man sich auf die zahlreichen Ungereimtheiten und Logiklöcher stürzt, aber damit hat man den Kern des Films verfehlt.  Die Zeitreisethematik steht hier überraschenderweise nicht im Zentrum, sondern nur ein bequemes plot device,  um die eigentliche Story voranzutreiben.

Am Schluß schrammt die Geschichte dann sehr hart an der Kitschgrenze vorbei, und die schlichte Botschaft wird nochmal herausposaunt, ohne viel Energie auf Subtilität zu verschwenden. Aber das ändert nichts daran, dass About Time den Zuschauer zwei Stunden lang in seinen Bann zieht und fesselt.

Die großartigen Schauspieler, allem voran die bezaubernde Rachel Mc Adams, tun ihr übriges dazu. Auch Domhnall Gleeson (der Bill Weasley aus den letzten Harry Potter Filmen) macht seine Sache hervorragend, er wirkt in vielen Szenen wie eine jugendliche Ausgabe von Hugh Grant, auch wenn die beiden optisch eher wenig Gemeinsamkeiten haben. Bill Nighy als präsente Nebenfigur ist natürlich auch wie immer große Klasse, auch wenn er wie immer mehr Bill Nighy spielt als eine Rolle.

Großes, unaufgeregtes Kino, das trotz Sci-Fi Ansatz erstaunlich lebensnah und echt wirkt.

About Time, Großbritannien 2013, deutscher Kinostart: 17.10.2013
9/10 Punkte
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