Reign over Me (Die Liebe in Mir)

“Remembering… I don’t like remembering”

Ich mag Adam Sandler vor allem deshalb nicht, weil er mir schon zu oft die trottelige Comedy Rolle gegeben hat, die ich auch schon bei Ben Stiller nicht mehr ertrage. Neben Komödien wie The Wedding Singer oder Click! versucht Sandler aber auch immer wieder mit ernsthafteren Rollen sein Image aufzupolieren. Wobei das nicht unbedingt besser ist…

In Reign over Me spielt er Charlie Fineman, ein Mann dessen Familie bei dem Anschlag auf das World Trade Center ums Leben gekommen ist. Fineman ist dadurch komplett aus der Bahn geworfen worden, hängt nur noch in seinem Apartment herum und spielt Computerspiele, oder irrt durch die Straßen von New York. Er hat seine Kommunikation mit der Außenwelt auf Autisten-Niveau heruntergeschraubt und gibt vor, niemanden mehr zu kennen und nie eine Familie gehabt zu haben.

Alan Johnson (Don Cheadle), ein College-Freund von Charlie, trifft ihn zufällig auf der Straße und versucht, Charlie wieder zurück ins Leben zu holen. Alan hat eigentlich eine Bilderbuchfamilie und -karriere, fühlt sich aber eingesperrt in seiner Situation – für ihn ist das Wiedersehen mit seinem alten Freund und die Aussicht, ihm zu helfen, ein willkommener Ausbruch aus seiner Routine. Statt mit seiner Frau und seiner Familie Gesellschaftsspiele zu spielen, geht er mit Charlie nächtelang in Mel Brooks Kinomarathons, spielt Computerspiele oder geht auf Rockkonzerte, „to get stuck in Charly world”.

Nach einigem Zögern öffnet sich Charly immer mehr Alan gegenüber. Alan hat ihn seit dem College nicht gesehen und kannte daher seine Familie nicht, stellt daher auch keine Fragen – Alan ist “the one guy he figures would just let him be”. Aber – die Hobbypsychologen unter uns ahnen es schon – natürlich muss der traumatisierte Charly sich den verdrängten tragischen Ereignissen stellen, um geheilt zu werden.

Vermutlich war Reign over Me Adam Sandlers großer Versuch, einen Oscar zu bekommen, denn den bekommt man in der Regel, wenn man Diktatoren oder Verrückte spielt. Aber er nuschelt sich so aufgesetzt verwirrt durch die Szenen, dass man selbst Tom Hanks seinen Forrest Gump eher abnahm (und der war schon schlimm genug). Regel Nummer eins auf der Schauspielschule scheint zu sein, bei Verrückten immer mit dem Oberkörper nach vorn und nach hinten zu wippen, das kann Sandler ganz großartig. Eine glatte Fehlbesetzung, die gerade durch den ansonsten hochkarätigen Cast um so mehr auffällt, allem voran den großartigen Don Cheadle, aber auch die sehr gute Besetzung der Nebenrollen (Donald Sutherland, Liv Tyler, oder John de Lancie, den Q aus Star Trek.) Zu Sandlers überdrehtem Spiel kommen leider auch nocht ein paar klischeehafte Spleens, die die Drehbuchautoren Charlie angedichtet haben, um seine Verrücktheit zu demonstrieren: Charlie läuft immer mit Kopfhörern rum, jeder muss die Schuhe ausziehen, wenn er seine versiffte Wohnung betritt, Charlie fährt mit einem merkwürdigen motorisierten Scooter durch die Gegend, fragt jeden den er begegnet komische Quizfragen, usw. usw. – überall steht in großen Lettern “Achtung, Gemütszustand nicht normal” drauf, als wenn man nicht darauf vertrauen wollte, dass Sandlers overacting die Botschaft eh schon mit dem Holzhammer an die Zuschauer bringt.

Schade, denn ansonsten hat die Story viel Tiefe und eine Ernsthaftigkeit, die man bei Hollywood-Produktionen oft vermisst. Der Film setzt auf große Emotionen, ohne dabei peinlich oder auf eine verlogene Weise rührselig zu werden. Das ganze ist umgesetzt in stimmigen Bilder und passender Musik, bei der mich sogar Bruce Springsteen nicht gestört hat. Den alten The Who Song “Love, Reign O’er Me”, auf den sich der Filmtitel bezieht, gibt es in einer hörenswerten Coverversion von Pearl Jam. Leider sind weder Pearl Jam noch Springsteen auf dem offiziellen Soundtrack enthalten, sondern nur der Instrumental-Score von Rolfe Kent.

Eine sehr amerikanische Geschichte über ein sehr amerikanisches Thema. Mit einem anderen Hauptdarsteller wäre das vielleicht sogar großes Kino geworden.

Reign over me (Die Liebe in mir), USA 2007 – deutscher Kinostart: 16.8.2007
5/10 Punkte
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