The Departed (Departed – Unter Feinden)

“When I was growing up, they would say you could become cops or criminals. But what I’m saying is this. When you’re facing a loaded gun, what’s the difference? “

Ich nehme mir eigentlich nach jedem neuen Scorsese Film vor, nie wieder etwas von diesem Regisseurs anzuschauen. Zu sehr habe ich mich schon bei GoodFellas, Casino, Aviator oder Gangs of New York über langatmige Erzählweise, wirre Story und unfokussierte Dramaturgie aufgeregt – und schlicht gelangweilt. Aber irgendwie schafft es Scorsese dann doch immer wieder, mein Interesse zu wecken. Diesmal vor allem durch einen überragenden Cast: Für The Departed hat Scorsese neben den Hauptdarstellern Matt Damon und Leonardo DiCaprio gleich noch die Haudegen Jack Nicholson, Martin Sheen und Alec Baldwin verpflichtet (unter “ferner liefen” dann auch noch “Marky” Mark Wahlberg, der für seine Nebenrolle sogar eine Oscar-Nominierung erhielt). Und diesmal ist das Ergebnis sogar ganz passabel, auch wenn Scorsese sich mal wieder nicht bremsen konnte und zweieinhalb Stunden Spielzeit verbraten hat.

Die Story (übrigens ein Remake des asiatischen Thrillers “Internal Affairs”) ist in ihrer Konstruiertheit erstaunlich effektiv: Sie erzählt die parallele Geschichte zweier Polizisten, der eine als Undercover-Agent in der Mafia eingeschleust, der andere als Mafia-Spitzel bei der Polizei. Es entwickelt sich ein Katz und Maus Spiel zwischen Loyalität, Mißtrauen und Verrat, in dem jeder dem anderen auf die Schliche kommen will. Zum Schluß gibts ein paar Ungereimtheiten (warum etwa muss der Mafiaboss persönlich eine Drogenlieferung abholen, wo er weiß, dass die Polizei ihm dicht auf den Fersen ist), aber das ganze bleibt spannend und wird packend erzählt, nicht zuletzt durch einen sehr kompromisslosen Showdown, bei dem die meisten Protagonisten das Zeitliche segnen.

Überragend spielt Leonardo DiCaprio den verbissenen Undercover-Cop, dagegen fällt Matt Damon erstaunlicherweise ein wenig ab, vor allem wenn er zur Mitte des Films die innere Zerrissenheit des Charakters darstellen soll. Gewohnt souverän agieren Baldwin und Sheen, während Nicholson mal wieder eine sehr typische Jack Nicholson Rolle spielt, mit einer perfekten Gratwanderung zwischen Exaltiertheit, komödienhafter Überzeichnung und Glaubwürdigkeit. So lässig kann das außer ihm wohl niemand.

Aber es wäre kein Scorsese-Film, wenn es nicht auch etwas zu meckern gäbe: Der Schnitt ist katastrophal. Das ganze wirkt, als habe jemand blind die Filmrolle zerschnitten und die Teile dann hastig wieder zusammengeklebt. Das Stilmittel parallel zusammengeschnittener Szenen der Gegenspieler DiCaprio und Damon ist zwar nicht einfallsreich, aber dramaturgisch zumindest noch ganz passend. Die vielen harte Übergänge hingegen, die uninspiriert eingestreute Szenen und Mätzchen wie beschleunigte Wiedergabe wirken extrem beliebig und stören den Erzählfluss. Unglaublich, dass es dafür den Oscar gegeben hat, hier galt vermutlich die Maxime “Hauptsache unkonventionell”. Zum Ausgleich hat Michael Ballhaus für das Mafiaepos extrem stylische Bilder eingefangen, auch wenn sich die Szenen manchmal ein wenig zu sehr in der Inszenierung von Gegenlicht oder im Wasser spiegelnden Neonreklamen gefallen. Alles in allem auf jeden Fall sehenswert, zweieinhalb Stunden Unterhaltung auf hohem Niveau.

The Departed (Departed – Unter Feinden), USA 2006 – deutscher Kinostart: 07.12.2006
7/10 Punkte
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