Volver – Zurückkehren

“Geister weinen nicht”

Pedro Almodóvars Volver erzählt von starken Frauen, dem vordergründigem Alltag einer spanischen Kleinstadt und den dunklen Geheimnissen, die hinter der Fassade liegen – von Schuld, Wiedergutmachung und Vergebung.

Raimunda (Penélope Cruz) ist unglücklich verheiratet mit dem arbeitslosen Paco, der ein Auge auf Raimundas Tochter Paula geworfen hat. Als Raimunda eines Tages nach Hause kommt, findet sie Paco tot in ihrer Küche vor – Paula hat ihn im Affekt erstochen, nachdem er zudringlich geworden war. Raimunda beschließt, die Leiche verschwinden zu lassen, und muss von nun an die Spuren der Tat verwischen – im wahrsten Sinne des Wortes: als sie die Leiche in der eigenen Küche entdeckt nimmt sie als erstes den Feudel in die Hand, um – ganz die reinliche Hausfrau – erstmal um die Leiche herumzuwischen und die Blutlache zu beseitigen. Aber darüber hinaus muss sie von nun an auch ihr Leben selbst in die Hand nehmen.

Raimundas Schwester Sole (Lola Dueñas) hat es mit einem anderen Toten zu tun. Ihr erscheint der Geist der verstorbenen Mutter Irene (Carmen Maura). Irene macht für eine Tote einen äußerst vitalen Eindruck, zieht in Soles Wohnung ein und arbeitet von nun an versteckt als russische Aushilfe in ihrem Frisiersalon.

Schließlich gibt es noch die krebskranke Augusta, deren Mutter seit dem Tod von Raimundas und Soles Eltern vor vielen Jahren spurlos verschwunden ist und die vor ihrem eigenen Tod sicherstellen will, dass es ihrer Mutter gut geht. Sie beschließt, den Geist von Irene zu befragen, um Gewißheit über ihre Mutter zu erlangen.

Die verschiedenen Handlungsstränge wirken anfangs sehr verworren, und Almodovar läßt den Zuschauer lange im Unklaren darüber, was real ist und was Illusion. Ich hatte befürchtet, dass diese Ambivalenz bis zum Schluss bestehen bleiben wird, um der Geschichte vermeintliche Tiefe und Doppelbödigkeit zu geben, aber überraschenderweise klärt sich am Ende alles auf und macht Sinn.

Volver – zu deutsch: Zurückkehren – bezieht sich übrigens nicht nur auf die Geschichte, sondern auch auf ihre Hauptdarstellerin Penélope Cruz. Nach mehr oder minder erfolgreichen Hollywood Produktionen wie Vanilla Sky oder Banditas kehrt sie zum spanischen Autorenkino und ihrem Entdecker Almodóvar zurück. Cruz spielt überzeugend, wirkt aber mit ihrer modelhaften Ausstrahlung und dem ihr anhaftenden Hollywood Glamour immer ein wenig deplatziert im tristen Vorortgeschehen in der spanischen Provinz, die ansonsten von sehr alltäglich aussehenden Figuren bevölkert ist.

Almodóvars 16. Film gilt wohl als sein zugänglichster, dennoch ist er anfänglich recht zäh und es dauert, bis die Geschichte auf ihren eigentlichen Kern kommt. Der Schluss versöhnt allerdings, da er die verworrenen Fäden zu einem intelligenten Ende zusammenführt.

Volver, Spanien 2006 – deutscher DVD-Start: 12.03.2007
5/10 Punkte
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