Spider-Man 3

“Wo kommen diese Typen nur immer her” – Peter Parker, das Rätsel aller Superheldenfilme zusammenfassend.

In Spider-Man 3 entdeckt Luke Skywalker Peter Parker die Dunkle Seite der Macht.

Superheldenfilme sind nicht gerade mein Genre. Die ganzen Marvel- und DC-Comics hab ich nie gelesen, wer genau Magneto, Hulk, Elektra, Lex Luthor oder Catwoman sind, muss mir der Film jeweils schon selbst erklären. Die Verfilmungen sind dann in der Regel cgi-lastige Special Effects Orgien, die die dürftige Handlung überdecken sollen und in der Regel von recht eindimensionalen …äh… comichaften Charakteren bevölkert sind. Etwas aus der Reihe fällt dabei Spiderman. Der erste Teil erklärt auch Marvel-Laien nachvollziehbar, wie alles begann, und Peter Parker, von Tobey Maguire als Günther Jauch der Superhelden verkörpert, ist ein glaubwürdiger Charakter. Maguire zeigt dabei eine perfekten Kombination von Selbstironie und Ernsthaftigkeit. Sowohl den verschmitzt-naiven Peter, als auch den Superhelden Spiderman nimmt man ihm ab.

Damit im dritten Teil keine Langeweile aufkommt, darf Spiderman diesmal auch gleich gegen drei Bösewichte ankämpfen: seinen früheren Freund Harry (James Franco), der den Tod des Vaters rächen will; Sandman (Thomas Haden Church), der in seinem früheren Leben Parkers Onkel Ben umgebracht haben soll; und schließlich Venom (Topher Grace), der als Anti-Spiderman in schwarzen Batman-Outfit durch die Häuserschluchten springt.

Hauptbösewicht Sandman ist ein aus Sandkörnern zusammengesetzter CGI-Traum. Wirklich beeindruckend, wie in einer anfänglichen Szene Sandman aus einem Haufen Kies entsteht, und sich im komplett aus Sand bestehendem Gesicht ohne explizite Augen, Mund und Nase trotzdem klar die Emotionen der Figur erkennen lassen. In späteren Szenen erinnern die Sandman-Effekte allerdings ziemlich stark an den aus flüssigen Metall bestehenden T1000 aus Terminator 2 – damals war das ein Meilenstein des Effektkinos, aber das ist nun auch schon über 15 Jahre her.

Wirklich positiv überrascht hätte mich die Geschichte, wenn Sandman, wie es zunächst aussieht, tatsächlich zur Hälfte des Films eliminiert wird. Aber – und das ist nicht wirklich ein Spoiler – natürlich taucht er zum unvermeidbaren Finale nochmal wieder auf. Überhaupt ist das ein Problem der Superheldenfilme: Bösewichte werden nie, nie, nie einfach mal besiegt, sie kommen immer mindestens noch 2-3mal aus dem sicher geglaubten Tod wieder zurück, um dann auch nochmal im nächsten Teil der Saga wieder aufzutreten (selbst der – wirklich tote – Goblin-turned Norman Osborn aus Teil 1 und 2 darf hier in Form von Willem Dafoe nochmal zu einem Kurzauftritt erscheinen, um seinem Sohn ins Gewissen zu reden).

Neben den diversen Herausforderungen durch Goblins und Sandmänner hat Spiderman diesmal aber auch mit sich selbst zu kämpfen. Er ist mittlerweile ein Star, für den in New York Paraden abgehalten werden und für den es eine regelrechte Merchandising-Industrie gibt (zwinker-zwinker) . Dieser Rummel steigt Parker zu Kopf und führt zu Anflügen von Größenwahn – hey, wer hätte das nicht als Superheld. Dazu kommt, dass Parker erfährt, dass der Mörder seines Onkels noch frei herumläuft, und die Mischung aus Rachegelüsten und Größenwahn verändert sein Ego dermaßen, dass er seinen eigenen Idealen untreu wird und die dunkle Seite der Superkräfte entdeckt. Schade, dass der Film es noch für nötig befindet, eine “schwarze Masse aus dem Weltraum” zu erfinden, die von Spiderman Besitz ergreift, um seine Charakterwandlung zum bösen Spiderman zu erklären – diese Wandlung war auch schon ohne dieses story device ganz glaubhaft rübergebracht. Andererseits hätte man ohne das schwarze Zeugs nicht die Entstehung von Bösewicht Venom erklären können… anyway.

Ganz auf die schauspielerische Leistung von Maguire wollten sich die Produzenten übrigens wohl nicht verlassen: um sichtbar zu machen, dass man es nicht mehr mit dem netten, sondern mit dem bösen Peter Parker zu tun hat, hat er in jeder “bösen” Szene statt braver Günter Jauch Frisur einen Hitler-Haarschnitt strähnigen Scheitel im Gesicht.

Den Actionszenen sieht man an, dass die Produzenten im dritten Teil noch mal einen draufsetzen wollten: Alles ist noch rasanter, noch bunter, noch schneller. Die Kamera stürzt sich mit Spiderman durch die Hochhaus-Schluchten und dreht sich um alle erdenklichen Achsen, überall blitzt und explodiert es. Aber wenn man nicht gerade der Unreal-Tournament Generation angehört, die alle Pixelbewegungen in jeder Millisekunde erfassen kann, ist das alles ein wenig zuviel des Guten – es ist im rasanten Pixelbrei teilweise kaum noch zu erkennen, wer da gerade wen mit Spinnenfäden oder Kürbis-Bomben beschießt. Glücklicherweise sind die Effekt-Szenen nicht der allein tragende Teil der Geschichte, ebenso im Vordergrund steht die Entwicklung der Charaktere, nicht nur von Spiderman, sondern auch von den Bösewichten Harry und Sandman. Denn merke: Auch Bösewichte sind nur Menschen, die meistens nur Banken überfallen, um ihre totkranke Tochter zu retten. Aber letztlich, und das ist die Moral von Spiderman 3 (und ca. 3000 anderen Hollywood-Schinken), hat doch jeder die Wahl, sich zwischen Gut und Böse zu entscheiden.

Eine ganz clevere Vermarktungsstrategie für den neuen Spiderman war übrigens, statt wie üblich eine Vorpremiere in wenigen ausgesuchten Kinos zu machen, den Film einfach quasi flächendeckend schon einen Tag früher starten zu lassen, indem selbst das Dorfkino um die Ecke schon vorab eine Kopie bekam. Bei angeblich 300 Millionen Produktionskosten will man wohl kein Risiko eingehen.

Spiderman 3, deutscher Kinostart: 01. Mai 2007 (bzw. “Vorpremiere” schon am 30.04.07)
7/10 Punkte
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2 Gedanken zu „Spider-Man 3“

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