Catch and Release (Lieben und lassen)

„I love natural disasters. I want people to die in them. I am genuinely disappointed when the death toll is low.“

Kurz vor der Hochzeit stirbt Fast-Ehemann Grady beim Jungesellenausflug mit seinen Freunden. Seine Verlobte Gray (Jennifer Garner) erfährt nach seinem Tod, dass Grady ein dunkles Geheimnis hatte.

Der Film beginnt mit einer gruseligen Beerdigungsfeier, bei der noch die Hochzeitstorte im Kühlschrank steht und der Blumenschmuck für die Hochzeit angeliefert wird, während sich die Trauergemeinde bereits versammelt hat. Nach und nach erfährt Gray, dass ihr Verlobter ein Doppelleben geführt hat: Er hatte ein Vermögen auf dem Konto, von dem sie nichts wußte, und seit Jahren eine Affäre mit einer Masseuse (Juliette Lewis), der er jeden Monat Geld für das gemeinsame Kind überwiesen hatte. Da die Hochzeit noch nicht stattgefunden hat, erbt Gray nichts, und zu guter letzt fordert die Fast-Schwiegermutter auch noch den Verlobungsring zurück, da er ein Erbstück der Familie sei, zu der sie ja jetzt doch nicht dazugehöre.

Das Setting läßt ein schnulziges Rührstück vermuten, und in der Tat wird zu Beginn kräftig auf die Tränendrüse gedrückt. Die anfänglich melancholische Stimmung des Films wechselt aber, als Gray in die alte WG ihres Verlobten zieht, da sie sich die schicke gemeinsame Wohnung alleine nicht leisten kann. Neben Gradys alten Mitbewohnern Sam und Dennis quartiert sich hier nach der Beerdingung auch Gradys mysteriöser Freund Fritz ein (Timothy Olyphant), auf den Gray in Folge ein Auge wirft. Spätestens hier wandert die Geschichte dann wieder auf bewährten romantic comedy Pfaden und läßt die tragische Ausgangssituation hinter sich.

Vor allzu triefender Hollywood-Melancholie rettet auch Kevin Smith. Smith spielt Samuel, den hemdsärmeligen Freund von Grady, der meist in Bademantel und mit Bierflasche in der Hand tiefsinnige Sprüche von sich gibt, die er von den Verpackungen “spiritueller” Kräuter-Tees abliest. Smith, der von sich behauptet, eigentlich nicht schauspielern zu können, und daher in seinen eigenen Filmen die Rolle des schweigenden und keine Miene verziehenden “Silent Bob” übernimmt, beweist hier das Gegenteil: Gerade durch seine unkonventionelle Art durchbricht er die oft sehr glatte Inszenierung von Regisseurin Susannah Grant, und erinnert streckenweise an Jeff Bridges in The Big Lebowski.

Jennifer Garner als trauernde Witwe, die ihr Leben neu sortieren muss, ist wie immer nett anzusehen. Um dem Anspruch gerecht zu werden, die neue Julia Roberts zu werden, muss sie aber vor allem erstmal wieder ein paar Kilo zunehmen, in einigen Einstellungen wirkt sie arg magersüchtig. Juliette Lewis spielt großartig das etwas billiges Blondchen mit New Age Einschlag, mit dem Grady eine jahrelange Affäre hatte. Man fragt sich, ob Frau Lewis in Wirklichkeit auch ein wenig neben der Spur ist, wo sie immer so überzeugend leicht debile Charaktere verkörpert.

Die Geschichte nimmt einige durchaus überraschende Wendungen, auch wenn zum Schluss alles ein vorhersehbares Ende findet. Alles in allem nicht die Neuerfindung der romantic comedy, aber durchaus unterhaltsam inszeniert.

Catch and Release (Lieben und lassen), USA 2006 – deutscher Kinostart: 26.04.2007.
5/10 Punkte
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2 Gedanken zu „Catch and Release (Lieben und lassen)“

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