Knocked Up (Beim ersten Mal)

“If you saw that on television you would laugh.”

Die sicherste Methode für einen finanziell erfolgreichen Hollywood Hit? Piraten, Superhelden und ein großes Produktionsbudget? Vielleicht, sicherer ist aber folgendes Rezept: Man nehme die heißeste Nachwuchs-Schauspielerin der gerade angesagtesten TV-Serie, nehme einen routinierten Regisseur, der für seine bescheidenen Produktionsbudgets bekannt ist, und schneidere eine bewährte Komödie drumherum, mit Romantik und Liebe für die weiblichen Zuschauer und leicht schrägem Humor für die männlichen Begleiter. Fertig ist “Knocked up”, der schon am Startwochenende seine Produktionskosten von rund 30 Mio Dollar locker wieder eingespielt hat, während Pirates of the Carribean 3 das auch nach einem Monat noch nicht geschafft hat (ok, nimmt man die weltweiten Einspielergebnisse dazu, war Pirates 3 sicher auch kein Fehlinvestment).

Star des Films ist Katherine Heigl, besser bekannt als blonde Nachwuchsärztin Izzy Stephens aus der Serie Grey’s Anatomy. Heigl spielt die ehrgeizige Fernsehjournalistin Alison, die nach einem One Night Stand mit dem Loser Ben (Seth Rogen) schwanger wird. Ben passt so gar nicht in den Lebensentwurf von Alison, er hat weder Geld noch Job, wohnt mit seinen Kumpels in einer WG und vertreibt sich die Zeit mit Kiffen, Filmegucken und einem Internet-Projekt namens fleshofthestars.com, das zu jeder Schauspielerin auflistet, in welchem Film sie wie lange nackt zu sehen ist (eine Idee, die vermutlich einen belastbareren Business Plan hätte als so manche Web 2.0- Wundertüte – wobei, auch nur geklaut, das gibts nämlich tatsächlich schon online). Ben fühlt sich natürlich nicht reif für die Vaterrolle, versucht aber dennoch, das Beste aus der Situation zu machen, und die beiden beschließen, für das kommende Baby eine Beziehung wenigstens mal auszuprobieren. Der Rest des Films handelt im wesentlichen davon, wie Ben lernt, Verantwortung zu übernehmen und Alison durch die Höhen und Tiefen der Schwangerschaft zu begleiten.

Bens freakige WG-Kumpel liefern dabei nette Zitate und Anspielungen aus den letzten Jahrzehnten Filmgeschichte, wobei sie als Film-Nerds nicht gerade die charmantesten Identifikationsfiguren für Cineasten bieten. Die Dialoge erinnern teilweise an Clerks und bewegen sich auf ähnlichem Niveau wie die legendäre Frage, ob auf dem halbfertigen Todesstern bei Star Wars zum Zeitpunkt der Zerstörung nicht noch ne Menge unschuldige Handwerker gearbeitet haben müssten.

Als Gegenentwurf zur wenig traumhaften Ausgangssituation von Alison und Ben ist die Bilderbuchfamilie von Alisons Schwester Debbie (Leslie Mann) angelegt: Wohlhabend, erfolgreich, gutaussehend, zwei wohlerzogene Kinder. Aber natürlich ist hinter der perfekten Fassade auch nicht alles im Reinen, Debbies Mann Pete ist depressiv und Debbie vermutet, dass ihr Mann sie betrügt. Die beiden dienen Alison letztlich als warnendes Beispiel dafür, wohin eine konventionelle Beziehung führen kann.

Für Drehbuch und Regie verantwortlich ist Judd Apatow, der schon mit “40 Year Old Virgin” eine an den Kinokassen erfolgreiche Komödie abgeliefert hat. Apatow wollte nach dem Erfolg von “Virgin” wohl kein Risiko eingehen und hat aus dem Cast gleich ein paar Schauspieler mitgenommen (Seth Rogen, Paul Rudd, Leslie Mann), selbst “Virgin” Hauptdarsteller Steve Carell hat einen Cameo-Auftritt. Apatows Ansatz, eine klassische romantic comedy mit subversivem Humor und grasrauchenden Freaks etwas aufzubrechen klingt ganz spannend, ist aber so neu auch nicht – ein ähnliches Konzept hatte z.B. der nicht ganz so erfolgreiche Catch and Release, in dem Kevin Smith den Pothead spielte. Was den “romantischen” Part angeht ist bei Knocked up das Problem, dass die Chemie zwischen Heigl und Rogen an keiner Stelle stimmt – es bleibt von Beginn an unverständlich, was Alison an Ben findet, und auch wenn Ben sich im Laufe des Films Mühe gibt, in die Vaterrolle reinzuwachsen, bleibt er doch eine ziemlich peinliche Figur. Dazu kommt, dass Apatow das Timing schlecht im Griff hat, so zieht sich die Geschichte an einigen Stellen arg in die Länge.

Dennoch rettet eine gute Portion schräger Humor und absurder Dialoge über die Längen der fast 130 Minuten Spielzeit hinweg. Dazu packt Apatow noch eine Reihe von Cameos wie James Franco (aus Spiderman 3 und Flyboys) oder in Deutschland eher unbekannte Gesichter aus Saturday Night Live (Kristen Wiig, Bill Hader) und American Idol (Ryan Seacrest). Überhaupt ist der Film bis in die Nebenrollen besetzt mit überraschenden Gesichtern, z.B. gibts ein Wiedersehen mit Harold “Ghostbusters” Ramis, der Bens Vater spielt (und mit einem für die USA recht provokanten Tip zum Drogengebrauch aufwartet: “no pills no powders, if it grows in the ground, it’s probably ok”). Speaking of Ghostbusters, einen Mini-Auftritt hat auch Catherine Reitman, Tochter von Ghostbusters Produzent Ivan.

Doch trotz des interessanten Cast bleibt die darunterliegende Geschichte im Kern eine sehr vorhersehbare romantic comedy Story. Umso erstaunlicher, dass der Film bei Kritikern und Kinobesuchern in den USA so überraschend gut abgeschnitten hat. Keine Frage, Knocked Up ist nette Unterhaltung, aber weder besonders originell noch temporeich, und auch der etwas … äh… ungewöhnliche Soundtrack, der von den B’52s (Rock Lobster) über Britney Spears bis zu den Scorpions (!) reicht, deutet nicht gerade auf einen Kassenschlager hin.

Knocked Up (Beim ersten Mal), USA 2007 – deutscher Kinostart: 23.08.2007
6/10 Punkte
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3 Gedanken zu „Knocked Up (Beim ersten Mal)“

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