Made of Honor (Verliebt in die Braut)

“Du bist die schlechteste Brautjungfer der Welt” … und der Film dazu ist auch nicht viel besser.

Neben Katherine Heigl ist Patrick Dempsey der zweite große Publikumsliebling aus der Erfolgserie Grey’s Anatomy, der seinen Serienruhm mit Kinofilmen, bevorzugt aus dem seichten romantic comedy Fach, in bare Münze umwandelt. Nach dem Disney Weihnachtsfilm Enchanted spielt er in Made of Honor einmal mehr den attraktiven Frauenschwarm. Seine Figur Tom, ein bindungsunwilliger trendiger Großstadtyuppie, der durch die Erfindung von Kaffeekragen reich geworden ist, wirkt wie eine Kopie von Hugh Grant in About a Boy, nur diesmal von London nach New York verpflanzt. Tom hat eine Affäre nach der anderen, und dabei feste Regeln für seine wechselnden Flirts aufgestellt, um sich ja nicht festzulegen. Einzige Konstante ist seine beste Freundin Hannah (Michelle Monaghan), die er noch aus College-Zeiten kennt und mit der er seitdem eine platonische Beziehung führt (Harry & Sally lassen grüßen).

Es kommt wie es in solchen Filmen kommen muss: Hannah lernt auf einer Schottlandreise ihren Traumprinzen kennen und will ihn heiraten. Erst jetzt wird Tom klar, dass er in Wirklichkeit unsterblich in Hannah verliebt ist und nur sie will. Um die Hochzeit noch zu vereiteln, geht er auf Hannahs Wunsch ein, die erste Brautjungfer (maid of honor) zu werden.

Regisseur Paul Weiland erzählt die Geschichte in genretypisch in Hochglanzbildern. Schauplatz ist New York, natürlich die Edel-Variante: Man wohnt in unbezahlbaren Lofts mit Dachterasse, speist in edlen Restaurants und fährt im offenen Roadster durch Manhattan. Da dieses Yuppy-New York Setting schon für zu viele Sex & The City Folgen und rom coms als Kulisse dienen musste, entschließt Weiland sich, zur Mitte des Films die Handlung nach Schottland zu verlegen. Natürlich auch hier die Hollywood-Variante: Der zukünftige Gatte (Kevin McKidd) entstammt einer alten schottischen Adelsfamilie, die auf einem mittelalterlichen Schloß residiert und eine große Whiskey-Brennerei besitzt. Man fährt mit einer Kolonne von Land Rovern durch die malerische schottische Landschaft, und vor der Hochzeit gibt es natürlich noch ein Fest mit Highland Games, komplett mit Burgfräulein-Kostümen, Kilts und Baumstamm-Werfen.

Obwohl Made of Honor eine britische Koproduktion ist, und Regisseur Weiland früher mal Mr. Bean Folgen verantwortet hat, ist der Humor-Faktor arg begrenzt. Ein paar Slapstick-Einlagen, einige wenige zündende One-Liner – das hat man in Genre-Vorbildern wie Notting Hill schon deutlich amüsanter gesehen. Aber Patrick Dempsey ist auch nicht Hugh Grant.

Ganz bemerkenswert ist der Soundtrack: Wenn die schottischen Highland-Spiele beginnen, ertönt “Two Tribes” von Frankie Goes to Hollywood, ein Basketballspiel wird mit Snaps “The Power” unterlegt, und in einer dramatischen Geständnisszene erklingt “Stop Crying Your Heart Out” von Oasis. Umso erstaunlicher, dass es wohl keine Pläne gibt, den Soundtrack auch als CD zu veröffentlichen.

Das alles ist zwar nach dem Standard rom-com Bauplan fließbandproduziert, aber routiniert gemacht und daher über weite Strecken zumindest ganz erträglich. Einen Punktabzug gibt es aber wegen des unfassbar vorhersehbaren Endes, komplett mit Showdown vor dem Traualtar (”wer etwas gegen diese Ehe einzuwenden hat, möge es jetzt sagen oder für immer schweigen..”). Dass man so etwas heute noch völlig ironiefrei bringt, hätte ich nicht für möglich gehalten.

Achso, falls noch Zweifel über das Zielpublikum bestehen: Bei Amazon gibt es auch eine “Strumpfband-Edition” der DVD, damit man das wichtigste Utensil für die eigene Hochzeit schon mal parat hat.

Made of Honor (Verliebt in die Braut), USA, Großbritannien 2008 – deutscher Kinostart: 15.05.2008
4/10 Punkte
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3 Gedanken zu „Made of Honor (Verliebt in die Braut)“

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