Little Children

“Beauty is overrated, Sarah”

Facettenreicher Film über eine amerikanische Vorstadt-Gesellschaft und ihre Abgründe.

Little Children beginnt wie eine Desperate Housewives-Folge. Eine Gruppe von Müttern trifft sich täglich am Spielplatz, um den neuesten Tratsch aus dem Viertel auszutauschen und als tägliches Highlight einem gut gebauten Vater anzuschmachten, der regelmäßig mit seinem Sohn auf den Spielplatz kommt. Sarah (Kate Winslet) ist diesem festgefahrenen Leben als Hausfrau und Mutter unzufrieden und sieht in Brad, dem Spielplatz-Vater (Patrick Wilson), die Chance, aus ihrem frustrierenden Alltag auszubrechen. Kate Winslet, die für die Rolle der Sarah ihre fünfte Oscar-Nominierung bekommen hat, spielt glaubhaft die Verwandlung der verhärmten Hausfrau zur leidenschaftlichen Liebhaberin, die sich der Doppelmoral ihres Umfeldes entziehen will.

Parallel zu American Beauty-artigen Hauptplot wird die Geschichte von Ronny (Jackie Earle Haley) erzählt, einem verurteilten Pädophilen , der nach der Entlassung zurück zu seiner Mutter gezogen ist. Die amerikanische Praxis, solche Straftaten und Straftäter öffentlich zu machen, verhindert ein normales Leben für ihn. In seinem Viertel hängen von nun an überall Steckbriefe mit seinem Konterfei, sobald er ins Schwimmbad geht, holen die besorgten Mütter ihre Kinder aus dem Becken und alarmieren die Polizei. Man beginnt, Mitleid Ronny zu haben und die Story versteht es, in Zwischentönen zu malen – Ronny hat keinen sexuellen Mißbrauch begangen, sondern “nur” Exhibitionismus in Gegenwart von Kindern. Ein Ex-Cop hingegen, der ein “Comittee of Concerned Parents” gegründet hat und es es sich zur Aufgabe gemacht hat, den Kinderschänder auf Schritt und tritt zu bewachen, hat selber einen schwarzen Fleck auf seiner Weste: im Einsatz hat er einen unschuldigen 13jährigen Jungen erschossen.

Um diese beiden Erzählstränge herum rankt Regisseur Todd Field merkwürdige Geschichten aus der amerikanischen Vorstadt: ein nachts trainierendes Hobby-Baseballteam, dass von einem Rollstuhlfahrer angeführt wird; ein Hausfrauen-Buchclub, der die sexuellen Praktiken von Madame Bovary diskutiert (”Is he tying her up or something?”) oder die gruselige Szene eines ersten Dates, bei dem die schüchterne und verstörte Frau gerade beginnt, Vertrauen zu fassen bis sie sieht, dass der Mann neben ihr im Auto gerade onaniert.

Gute Schauspieler, intelligentes Drehbuch, irritierende Geschichte – sehenswert.

Little Children, USA 2006 – deutscher Kinostart: 26.04.2007
8/10 Punkte
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