1 1/2 Ritter – Auf der Suche nach der hinreissenden Herzelinde

“Das sollte ein Scherz sein” – “Kam aber nicht an”. Ein Filmdialog, der vermutlich auch häufiger im Zuschauerraum zu hören war.

Man sollte ja eigentlich ausreichend gewarnt sein, wenn in einem Film Thomas Gottschalk, Johannes Heesters, Roberto Blanco und Helmut Markwort (!) mitspielen. Aber nach dem überraschend guten Keinohrhasen (und dem auch ganz okayen One Way) hat Regisseur, Produzent und Hauptdarsteller Til Schweiger einen Versuch gut gehabt. Leider ein Fehlversuch.

1 1/2 Ritter ist eine klassische deutsche Komödie im schlechtesten Sinne, ganz im Stil von 7 Zwerge, Supernasen oder alter Otto-Filme (wobei man Otto mit diesem Vergleich fast Unrecht tut). Die “Story” ist an Einfallslosigkeit kaum zu überbieten. Ritter Lanze und Prinzessin Herzelinde sind verliebt, aber der verarmte König (Thomas Gottschalk) bestimmt, dass Herzelinde den fiesen, aber reichen Graf Luipold (Udo Kier) heiraten soll. Herzelinde will nicht, und wird darauf von einem schwarzen Ritter entführt. Und Lanze macht sich auf den Weg, seine Herzelinde zu befreien. Wie auch immer, die Geschichte soll ja auch nur der Aufhänger sein für ein Feuerwerk von Gags und guter Laune.

Tja, aber mit dem Feuerwerk hapert es leider ein wenig. Der Humor, oder was man dafür hält, bewegt sich auf unterstem Zoten-Niveau. Ein Großteil der Gags besteht darin, dass die Protagonisten in dem mittelalterlichen Setting modernen Slang sprechen und Popkultur zitieren. So will Herzelinde auf ein Konzert der New Kids on the Block (die statt mit Slips mit Keuschheitsgürteln beworfen werden – lustig!), oder die Ritter kehren im “McSpieß Ride-In” ein…. . Was genau daran witzig sein soll, hat sich mir leider nicht erschlossen Alberner Brachialhumor auf Supernasen-Niveau mit Zoten, Kotz- und Rülpswitzen ist ja prinzipiell ok, aber lustig sollte er zumindest sein. Konsequent allerdings, das in dieser Hommage an schlimmste deutscher Komödien der vergangenen Jahrzehnte wenigstens eine Nebenrolle für Diddi Hallervorden vorgesehen ist, man bekennt sich zumindest zu seinen Wurzeln.

Die Produktion ist in Kontrast zum dünnen Inhalt erstaunlich professionell. Wie schon bei Keinohrhasen sind Ausstattung, Kamera, Beleuchtung und Soundtrack auf hohem Niveau und für deutsche Verhältnisse bemerkenswert. Schade, dass das Geld für vernünftige Gag- und Drehbuchschreiber dann nicht mehr gereicht hat.

Wie schon in Der Rote Baron nimmt man Til Schweiger seine Rolle in keiner Sekunde ab, sondern denkt die ganze Zeit, was für eine dämliche Perücke der Schweiger doch auf hat. Schweiger kann halt nur eine Rolle gut, und dass ist die Rolle “Til Schweiger”, die in der Lindenstraße und in deutschen Beziehungskomödien oft erstaunlich gut funktioniert, in historischen Rollen aber völlig deplaziert wirkt. Sein Sidekick Rick Kavanian versucht die pointenarmen Dialoge mit launigem türkischen Akzent aufzuheitern, was ja immer ein beliebtes Stilmittel für minderbegabte Comedians ist. Deutlich besser ist Julia Dietze als Herzelinde, die, obwohl von Knallchargen umgeben und mit einer Klischee-Rolle bedacht, die schmerzhaft banalen Szenen ein wenig erstrahlen läßt. Zumindest solange sie ihre dümmlichen Texte nicht sprechen muss. Einen breiteren Publikum ist sie bislang vor allem durch die McDonalds Werbung bekannt geworden, die übrigens um einiges lustiger ist als… ach, lassen wir das. Erstaunlich gut macht seine Rolle übrigens Thomas Gottschalk. Sicher nicht oscar-reif, aber der Rolle zumindest angemessen, und besser als so manche Wetten Dass Moderation. Und Helmuth Markwort als Chefredakteur der “Schild-Zeitung” hat den besten Gag, wenn er die von ihm bekannte inszenierte Redaktionskonferenz persifliert: “Die 100 besten Quacksalber, die 100 besten Schmiede, ich will Fakten, Fakten, Fakten”. Und Udo Kier ragt als einziger Schauspieler mit Format aus dem gesamten Cast meilenweit heraus.

Das Timing ist schlecht und macht die Pointenarmut umso offensichtlicher. Mit gut 100 Minuten ist der Spaß auch deutlich zu lang. Noch ärgerlicher allerdings, dass so ein anspruchsloser Dreck auch noch mit Steuergeldern subventioniert wird. Aber nun ist wenigstens klar, warum Schweiger keine Pressevorführungen wollte. Hätte ich an seiner Stelle auch nicht gewollt.

1 1/2 Ritter – Auf der Suche nach der hinreissenden Herzelinde, Deutschland 2008 – deutscher Kinostart: 18.12.2008
1/10 Punkte
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