Accepted (S.H.I.T. – Die High-School GmbH)

“Do you know what makes a great college: Rejection. The exclusivity of any university is judged primariliy by the amount of students it rejects.”

Als ich das deutsche Filmplakat zu Accepted im Kinofoyer gesehen hatte, dachte ich, wer um Gottes Willen schaut solche Filme. Ich gehöre ja eigentlich nicht zu denen, die sich immer und schon aus Prinzip über deutsche Filmtitel-Übersetzungen aufregen (obwohl es da schon einige merkwürdige bis hochpeinliche gibt), aber der Dämel-Titel “S.H.I.T – Die Highschool GmbH” hat wirklich jede Motivation, einen solchen Film zu schauen, im Keim erstickt. Zum Glück bin ich bei den Fünf Filmfreunden über eine überraschend positive Kritik gestolpert, so dass mir diese kleine Perle doch nicht entgangen ist.

Accepted (wie der Film im Original erfrischend unpeinlich heißt) ist eine klassische amerikanische Highschool/College-Komödie im Stil von 80er Jahre Werken wie Breakfast Club oder Ferris macht blau. Bartleby Gaines (Justin Long), ein netter aber erfolgloser Highschool-Absolvent, hat von allen Colleges Absagen bekommen. Um seine Eltern nicht zu enttäuschen, erfindet er kurzerhand das “South Harmon Institute of Technology” (abgekürzt S.H.I.T – daher der deutsche Titel) und schreibt sich selbst eine Studien-Zusage. Briefpapier und Uni-Website sind schnell gefaked – problematisch wird das ganze erst, als der Vater tatsächlich die 10.000 Dollar Studiengebühren überweist und seinen Sohn höchstpersönlich in South Harmon abliefern will. Bartleby macht also mit seinen Freunden das nächstliegende, er sucht sich ein leerstehendes Gebäude, und mit ein wenig Farbe und Schriftzug über der Tür ist das virtuelle South Harmon Institute tatsächlich greifbar.

Das ganze eskaliert, als auf einmal hunderte Neu-Studenten vor Bartlebys Schein-College stehen, die alle über die Website dank Sofort-Zusage (”acceptance is just a click away”) auf die Uni aufmerksam geworden sind, und auch schon brav die Studiengebühren überwiesen haben. Diese Studenten sind wie Bartleby von den Elite-Unis abgewiesen worden und sehen in der scheinbaren Zusage von South Harmon ihre große Chance, doch noch etwas sinnvolles mit ihrem Leben anfangen zu können. Bartleby bringt es nicht übers Herz, diese Illusionen zu zerstören und macht aus der Not eine Tugend: Er improvisiert einen echten College-Betrieb. In Ermangelung von echten Lehrern dürfen die Studenten kurzerhand selbst bestimmen, was auf dem Lehrplan steht: Rock’n’Roll-Kurse, Skateboard-Unterricht und Seminare im Nichtstun. Selbst das Playstation-Spielen wird zur Lernform erhoben, wenn Bartleby den pädagogischen Wert des Abschießens von Aliens erklärt: “We ARE learning here, pal. – we are learning the dire cost of civilization when diplomacy fails. we are learning political science now”.

Accepted hat alle klassischen Elemente einer College-Komödie: Eine Gruppe von sympathischen Losern, die von den Highschool Barbies ignoriert werden, und die es am Ende doch allen Kens zeigen, weil sie zusammenhalten. Ein böser Gegenspieler, der den Traum der Freunde zunichte machen will (in diesem Fall der Dean des echten Harmon-College, unterstützt von einer fiesen Studentenverbindung), und natürlich eine Liebesgeschichte zwischen dem Hauptdarsteller und der blonden Traumfrau (Blake Lively), die sich zwischen symphatischen Verlierer und schmierigem College-Hero entscheiden muss. Die Story ist nicht wirklich überraschend und hat riesige Löcher, und natürlich darf auch die typische inspirational speech des Hauptdarstellers am Ende nicht fehlen (”Bleibt euch selbst treu, lasst euch nicht verbiegen… blahblah”), aber das ganze ist charmant vorgetragen mit der richtigen Portion Augenzwinkern und Selbstironie.

Accepted kennt seine Vorbilder und spielt damit: So ertönt neben alten Cure und Ramones Songs auf der College Party ein Remix von “Don’t You forget about me”, im Original der Simple Minds auf dem Soundtrack von DEM 80er Jahre Highschool-Film “The Breakfast Club”. Und wer weiß, vielleicht dachte der deutsche Titel-Übersetzer ja auch, mit S.H.I.T eine clevere Anspielung auf die 80er Komödie L.I.S.A. gemacht zu haben… whatever

Spritzige Dialoge, gutes Timing, und stimmiger Soundtrack machen aus dem Film eine nette Komödie, die über die 90 Minuten gut unterhält. Unter der Oberfläche ist dabei durchaus auch eine Portion Kritik am amerikanischen Bildungssystem enthalten, die die fehlende Chancengleichheit anspricht, durch die vor allem reiche Kindern mit Beziehungen die besten College-Plätze bekommen, während der Rest durch das Netz fällt. Natürlich bleibt das ganze vor allem eine nette Komödie und kein Autorenfilm mit Botschaft, aber gerade durch die unverkrampfte Art kommt die Aussage überzeugender daher als bei manch pseudo-anspruchsvollem, mit falschem Pathos aufgeladenen Drama wie Club der Toten Dichter.

Accepted (S.H.I.T. – Die High-School GmbH), USA 2006 – deutscher Kinostart: 31.05.2007
7/10 Punkte
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