(500) Days of Summer

“Just ‘cause some cute girl likes the same bizzaro crap you do – that doesn’t make her your soul mate”

(500) Days of Summer erzählt über einen Zeitraum von fünfhundert Tagen die Beziehung von Tom und Summer. Summer ist das, was man gemeinhin als Traumfrau bezeichnet: Wo immer sie ist, verdreht sie den Männern den Kopf und sorgt für dramatische Umsatzsteigerungen in den Geschäften, in denen sie arbeitet. Tom ist ein Durchschnittstyp, kein Womanizer, aber auch kein Slacker, der nichts mit Frauen anzufangen weiss. Als Summer in seiner Firma anfängt, ist er sofort fasziniert von ihr, und nach einigem Hin- und Her schafft er es tatsächlich, Summer für sich zu gewinnen. Aber schon zu Beginn macht der Off-Sprecher klar, dass wir hier keine klassische romantic comedy mit Happy End sehen, in der Tom und Summer sich am Ende das Ja-Wort geben: “You should know up front, this is not a love story”. Der Zuschauer wird vielmehr Zeuge einer sehr wechselhaften und unausgewogenen Beziehung zwischen den beiden, die leider so gar nicht den romantischen Wunschvorstellungen entspricht. Ein wenig erinnert die Dramaturgie vom Scheitern einer Beziehung an The Break-Up (Trennung mit Hindernissen), allerdings verzichtet (500) Days of Summer im Gegensatz zum Jennifer Aniston Streifen auf die üblichen chick-flick Späßchen und geht deutlich authentischer und ernsthafter an die Sache.

Die Geschichte wird nicht linear erzählt, sondern springt immer wieder hin und her zwischen den 500 Tagen Beziehungschaos. Was zunächst wie ein bemühtes Regiemätzchen wirkt, das den Erzählfluß abwürgt, stellt sich in der rasanten Gegenüberstellung von vorher/nachher als sehr effektive Erzählmethode heraus: Wenn etwa das Pärchchen am Anfang der Beziehung noch gemeinsam unbeschwert bei Ikea herumalbert, und Tom mit denselben Späßchen einige Monate später nur noch genervte Blicke erntet. Wie in einem Puzzle reihen sich heitere und tragische Momente der Beziehung aneinander und fügen sich zu einem geschlossenen Bild.

Großartig und on spot besetzt sind die beiden Hauptdarsteller: Joseph Gordon-Levitt hat schon in The Lookout gezeigt, dass er die feine und glaubwürdige Charakterzeichnung beherrscht. Hier ist er als regular guy, der auf seine Traumfrau trifft und nicht mehr von ihr loskommt, eine glaubwürdige Identifikationsfigur. Zooey Deschanel schafft es, diese Traumfrau, die die Männer in ihren Bann zieht aber selbst nicht weiss, was sie will, perfekt und ungekünstelt zu verkörpern. Was genau in der verschlossenen Summer vor sich geht, erfahren wir bis zum Schluß allerdings kaum, der Film lebt und leidet mit Tom, dessen Motive, Ängste und Hoffnungen ungeschönt offengelegt werden.

Die Dialoge sind intelligent und witzig, ohne für einen lauen Gag oder eine humorige Szene gleich Glaubwürdigkeit oder Authentizität aufs Spiel zu setzen. Regisseur Marc Webb, der eigentlich aus der Musikvideo-Ecke kommt, hat die Inszenierung immer wieder mit Gimmicks und Spielereien aufgehübscht: Mal sieht man eine Szene parallel im Splitscreen als Wunschvorstellung und als Realität, mal erscheint der Protagonist als Hauptdarsteller von europäischen Arthouse-Filmen in schwarzweiss auf der Kinoleinwand, mal werden harry&sally-artige Interview-Statements zum Thema Liebe eingespielt, mal steigt das gesamte Ensemble spontan in eine Musicalnummer ein (was – inkl. Zeichentrickelementen – sehr ähnlich aussieht wie bei Disneys Enchanted, hier aber viel besser funktioniert). Das alles kommt aber nicht als bemühtes “kreatives” Aufbrechen konventioneller Erzählstrukturen rüber, sondern passt fast immer wunderbar in die Story und unterstützt den Erzählfluss statt ihn zu zerstören.

Der Soundtrack wimmelt von folkingem Singer/Songwriter Geschrammel mit Frauenstimme (Carla Bruni, Feist, Regina Spektor), das passt sehr gut, drängt sich aber an einigen Stellen ein wenig zu sehr in den Vordergrund mit der Botschaft “Kauf! Den! Soundtrack!”. Eine schöne Pointe ist, Patrick Swayzes Heuler “She’s like the Wind” als romantisches Thema zu nehmen – und den Protagonist sich darüber beschweren zu lassen, dass ihm dieser Kitschsong jetzt dauernd im Ohr liegt, seit er auf seine große Liebe getroffen ist.

Bei aller Authentizität kann sich auch (500) Days of Summer den gängigen Genre-Klischees nicht ganz verschließen: Tom hat seine beruflichen Träume als Architekt für einen Brot-und-Butter Job aufgegeben – Teil seiner Selbstfindung nach der Trennung ist es dann natürlich, diese Baustelle in seinem Leben anzugehen und erfolgreicher Architekt zu werden. Seine besten Freunde wirken wie aus dem rom-com-Baukasten geklaute Standardfiguren. Und auch das Ende ist – bei allem Mut zur Tragik, die der Film zeigt – natürlich nicht so trostlos, wie es anfangs angekündigt wird. Aber das ist Mäkeln an Details, insgesamt ist (500)Days of Summer damit immer noch meilenweit entfernt vom üblichen Beziehungseinerlei im Kino und aufrichtiger und intelligenter als das meiste, was ansonsten im rom-com Bereich verkauft wird.

(500) Days of Summer, USA 2009 – deutscher Kinostart: 22.10.09
10/10 Punkte
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