Enchanted (Verwünscht)

“Forget about happily ever after, it doesn’t exist.”

Enchanted ist die gefühlt 1000ste Version des alten fish-out-of-water Prinzips, bei dem eine Person durch Zeitreise, Magie oder ähnliche story devices einer für sie ungewohnten Umgebung ausgesetzt wird, um aus den den daraus resultierenden Mißverständnissen komisches Potential zu schöpfen. Diesmal sind es märchenhafte Disney-Zeichentrickfiguren, die plötzlich in die reale Welt gelangen (also ungefähr die gegenteilige Variante von A-has Take on Me Video).

Der Film beginnt mit einem selbst für Disney-Verhältnisse völlig überzogen kitschigem Zeichentrick-Intro über eine schöne Jungfrau und ihren Prinzen. Die Jungfrau Giselle ist eine übersteigerte Mischung aus Schneewittchen, Cinderella, Arielle und Pocahontas, die naturverbunden mit den Tieren des Waldes Lieder singt und auf die Begegnung mit ihrer großen Liebe wartet. Die kommt in Gestalt von Prinz Edward, und schon steht eine märchenhafte Hochzeit an. Doch natürlich gibt es auch eine böse Gegenspielerin in Form der Königin Narissa, die Giselle aus dem Weg räumen will, damit ihr Stiefsohn Edward ihr nicht den Thron streitig machen kann. Giselle wird in ein magisches Portal gestoßen und taucht plötzlich auf dem New Yorker Time Square in der Realwelt auf. Der Rest des Films dreht sich darum, wie Giselle und die ihr in die Realwelt folgenden Figuren im echten New York zurechtkommen, wo es ja bekanntlich kein “happily ever after” gibt und das Leben ein wenig komplizierter ist als in Disneys Zeichentrickwelt.

Ganz lustig ist das Eichhörnchen, das in der Realwelt nicht mehr die Sprache der Menschen spricht, und sich daher mit ergreifenden pantomimischen Darbietungen verständlich machen muss. Oder die Tiere, die der holden Giselle auch in der Realwelt auf Zuruf zur Hilfe kommen, um etwa in der Wohnung Ordnung zu schaffen. Nur dass dies in New York keine niedlichen Rehe sind, sondern eine Horde Kakerlaken, Ratten und Mäuse. Ansonsten mäandert die Story vor sich hin. Giselle darf in New York natürlich auf einen attraktiven Mann treffen (Patrick Dempsey), dem sie nach anfänglichen Schwierigkeiten näherkommt. Hat man sich an den unspektakulären romantic comedy plot gegen Ende so halbwegs gewöhnt, gehts dann zum Schluß allerdings nochmal völlig mit den Drehbuchautoren durch – die böse Königin erscheint als groteskes CGI-Monster und sorgt für einen völlig überdrehten und unpassenden show down.

Bei der schauspielerischen Leistung kann man Amy Adams (Giselle) und James Marsden (Prinz Edward) zumindest zu Gute halten, dass das hölzern-übersteigerte Spiel zu den scherenschnittartigen Zeichentrick-Figuren passt, die sie verkörpern sollen. Einzig Susan Sarandon als böse Königin zeigt etwas mehr schauspielerische Tiefe. Patrick Dempsey sollte sich allerdings dringend mal auf andere Rollen verlegen als auf den immer gleichen charming sunny boy – verglichen mit seinem engen Charakter-Korsett ist ja selbst Hugh Grant ein chamäleon-gleicher Mime mit erstaunlicher Bandbreite.

Der Film hat seine Momente, wenn etwa Giselle in New York in eine ihrer aus der Zeichentrickwelt bekannten Musical-Nummern verfällt und schließlich der ganze Central Park mit einsteigt. Das Setting hätte auch durchaus Potential zu einer netten Geschichte gehabt, aber letztlich fehlte Disney hier schlicht der Mut zu subversivem Witz a la Shrek oder von Pixar-Produktionen, um der antiseptischen Story wirklich Leben und Humor einzuhauchen. Und was immer an Potential doch noch ausgeschöpft wurde, wird letztlich durch das groteske Ende wieder zunichte gemacht.

Enchanted (Verwünscht), USA 2007 – deutscher Kinostart: 20.12.2007
2/10 Punkte
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