The Good Shepherd (Der Gute Hirte)

“We Italians, we got our families, and we got the church; the Irish, they have the homeland, Jews their tradition; even the niggers, they got their music. What about you people, Mr. Wilson, what do you have?” –
“The United States of America. The rest of you are just visiting.”

Epische Spionagestory um die Gründung der CIA und einen Agenten, der als Überzeugungstäter beginnt und dann immer mehr in die moralischen Fallstricke des Agentenlebens gerät.

Die Geschichte entwickelt sich sehr zäh und wird bemüht kompliziert in mehreren ineinander verschachtelten Rückblenden erzählt. Der Film beginnt mit der vom CIA gesteuerten Invasion in der kubanischen Schweinebucht, die unter anderem durch einen Verrat in den eigenen Reihen scheitert. Agent Edward Wilson (Matt Damon) versucht, die undichte Stelle in der CIA zu finden. Einen Schnitt weiter sehen wir, wie Wilson zu Studentenzeiten von General Sullivan (Robert de Niro) für den Geheimdienst angeworben wird. Kurze Zeit später befinden wir uns in der Kindheit Wilsons und erfahren vom tragischen Schicksal seines Vaters, um dann wieder weiterzuspringen ins Großbritannien während des zweiten Weltkrieges, wo Wilson seine ersten Agentenjobs wahrnimmt. Das hin und her geht bis zum Ende weiter. Da sich die Macher wohl selbst unsicher waren, ob jemand bei diesen Zeitsprüngen noch durchblickt, hat man ein einfaches Erkennungsmerkmal eingebaut: In jungen Jahren trägt Matt Damon eine unscheinbare Brille. In dem Teil, der Jahrzehnte später spielen soll, obwohl Damon keinen Tag älter aussieht, trägt er eine 60er Jahre gerechte dicke Hornbrille.

Agent Wilson gerät im Laufe der Geschichte immer tiefer in eine Zwickmühle zwischen seiner Loyalität dem Land und dem Geheimdienst gegenüber und der Beziehung zu seinem Mentor, seinen engsten Freunden und seiner Familie, die schließlich in einen klassischen Vater-Sohn-Konflikt führt. Diese Entwicklung wäre ein durchaus packendes Motiv für einen spannungsgeladenen Spionagethriller. Regisseur Robert de Niro verschenkt diese Möglichkeit jedoch durch allzu bemühte regietechnische Wendungen. Die vielen Zeit- und Ortssprünge zusammen mit einem großen Inventar an Haupt- und Nebenfiguren machen die Sache unübersichtlich und teilweise schwer nachvollziehbar. Es wirkt, als solle um jeden Preis Gradlinigkeit vermieden werden, um eine “anspruchsvollere” Dramaturgie zu erzeugen, die aber nur ermüdend wirkt. Dazu trägt auch die um mindestens eine halbe Stunde überzogene Spielzeit von fast 170 Minuten bei.

Auf der Habenseite ist die hochkarätige Besetzung zu vermelden: Neben Hauptdarsteller Damon und de Niro selbst sind die Figuren bis in die Nebenrollen prominent besetzt. Wilsons Frau wird von Angelina Jolie dargestellt, Alec Baldwin gibt einen knorrigen FBI-Agenten, Joe Pesci darf mal wieder einen italienischen Mafiosi spielen, und Martina Gedeck hat als deutsche Mätresse von Wilson ein Gastspiel. Auch produktionstechnisch bewegt sich The Good Shepherd auf hohem Niveau – die Jahrzehnte zwischen zweitem Weltkrieg und Kuba-Krise sind ausstattungsmäßig aufwändig in Szene gesetzt, und die Requisite hat sich alle Mühe gegeben, die jeweiligen Epochen authentisch nachzustellen. Das alles sorgt zumindest für ein paar Schauwerte, die über die langatmige Dramaturgie etwas hinwegtrösten.

The Good Shepherd (Der gute Hirte), USA 2006 – deutscher Kinostart: 15.02.2007
5/10 Punkte
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