Juno

“I stick the baby in a basket and send it your way – like Moses in the reeds”

Die 16jährige Juno ist schwanger. Eine Abtreibung kommt nicht in Frage, und so sucht sie über eine Zeitungsanzeige die perfekten Adoptiveltern. Diese scheint sie zu finden in Vanessa und Mark, einem gutsituierten Paar, das selber keine Kinder bekommen kann. Im Laufe der Schwangerschaft kommen sich Juno, Vanessa und Mark näher, und die Geschichte entwickelt sich etwas anders als geplant.

Regisseur Jason Reitman inszeniert das nicht ganz triviale Thema einer Teenie-Schwangerschaft nicht als zentnerschweren Problemfilm, sondern als locker-leichte Komödie. Die Dialoge sind alle ein wenig zu cool und pointiert, um echt zu wirken. Vor allem Protagonistin Juno kann kaum einen Satz sprechen, ohne einen ironischen Unterton oder abgeklärten Spruch einzubauen. Dieser sehr trockene Humor ist zwar streckenweise ganz witzig und sorgt für eine Menge zitierfähiger Dialogfetzen, nervt aber zusehends.

Was schade ist, denn jenseits der launigen Sprüche nimmt Film sein Thema durchaus ernst und erzählt die Geschichte sehr intelligent und ohne die üblichen Klischees zu bedienen. Immer wenn man befürchtet, dass die Story eine allzu platte Wendung nimmt, entscheidet sich Juno dann zum Glück nicht für diese Alternative. Bis zum Ende bleibt die dialoglastige Geschichte überraschend und wird schnörkellos und mitreissend erzählt, ohne auf Knalleffekte setzen zu müssen.

Ellen Page bringt die forsche Juno McGruff sehr symphatisch rüber. Gerade wenn sie im Verlauf der Geschichte auch mal eine andere Facette zeigen darf als die abgeklärte coole Teenagerin, wirkt sie sehr überzeugend. Ob es dafür aber gleich eine Oscar-Nominierung hätte sein müssen, sei mal dahin gestellt – die hätte ich eher Jennifer Garner als supporting actress gegeben. Garner ist diesmal nicht als Superheldin, CIA-Agentin oder weibliche Symphatie-Hauptrolle unterwegs, sondern spielt die leicht hysterische Möchtegern-Adoptivmutter, und trifft dabei die richtige Mischung aus Verzweiflung, Blasiertheit und unterdrückten Emotionen. Etwas blass wirkt dagegen Jason Bateman als ihr Mann Mark, der der Adoption etwas reservierter gegenübersteht.

Der Soundtrack besteht aus sehr eigenwilliger Klampfenmusik die klingt, als wenn sie die kleine Tochter des Regisseurs mal eben auf der Gitarre live eingespielt und -gesungen hat (tatsächlich war es nicht die Tochter von Jason Reitman, sondern Kimya Dawson). Das ist manchmal ganz passend, aber dauerhaft etwas anstrengend. Nichtsdestotrotz – ein absolut sehenswerter Film.

Juno, USA 2007 – deutscher Kinostart: 20.03.2008
8/10 Punkte
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