Wo ist Fred?

“Wer ist für dieses Geschöpf Gottes zuständig?” – “Der Behindi-Service”

Nachdem ich Till Schweigers letzten auf Hollywood-Niveau produzierten Thriller One Way überraschend gut fand, hab ich den Schweiger-Film “Wo ist Fred” im Kino trotzdem ignoriert. Dämlicher Titel und infantiles Plakat sahen mir dann doch zu sehr nach klassischer deutscher Komödie im schlechtester Tradition aus. Und was soll ich sagen: ich hatte recht. Dabei spielen neben Schweiger die aktuellen Publikumslieblinge Alexandra Maria Lara und Christoph “Stromberg” Maria Herbst mit, und in einem guten deutschen Film darf natürlich auch Jürgen Vogel nicht fehlen (hat der Junge eigentlich auch mal Urlaub?).

Die Story ist recht simpel und folgt dem Standardbauplan einer Komödie: Fred (Till Schweiger) muss einen handsignierten Basketball von Alba Berlin besorgen, um beim verzogenen Sohn seiner zukünfigen Frau zu punkten. Ein solcher Ball wird stets am Ende des Spiels in die Behindertentribune geworfen, also setzt sich Fred in einen Rollstuhl und simuliert zusammen mit seinem Freund Alex (Jürgen Vogel) den Behinderten. Natürlich geht das ganze schief und Fred muss die folgende Woche für einen Imagefilm weiter den Behinderten mimen, um endlich an den ersehnten Ball zu kommen. Der Imagefilm wird gedreht von der süßen Denise (Alexandra Maria Lara), und Fred verstrickt sich immer tiefer in seine Lügengeschichte, um bei ihr nicht aufzufliegen (ratet mal, wer am Ende mit wem zusammenkommt…).

Die Story ist von Anfang bis Ende vorhersehbar und ohne jede Überraschung. Angeblich war das Script mal für Jim Carrey geschrieben worden, aber auch der hätte die seichte Geschichte durch verstärkten Grimasseneinsatz kaum retten können (was für ein Gegensatz – Schweiger hat eigentlich nur zwei Geschichtsausdrücke drauf: Schweiger grinsend und Schweiger stoisch).

Das einzige, was wirklich funktioniert, sind die Slapstick-artigen Szenen, in denen Fred im Rollstuhl das Altbau-Treppenhaus runterrast, oder von Alex durch die Gegend getragen wird und dabei jede Mauer mitnimmt. Ansonsten wird die Geschichte zum Ende hin immer peinlicher und läßt kein Klischee einer Verwechslungskomödie aus, etwas wenn Fred auf einmal noch seinen Zwillingsbruder erfindet, um das Lügengebäude aufrecht zu erhalten. A propos Klischee: Die unvermeidliche Geständnisszene, in der Fred alles aufklärt und Denise melodramatisch seine Liebe gesteht, hat man so oder ähnlich schon gefühlte 1000 mal gesehen.

Alexandra Maria Lara als gutherzige und naive Denise bleibt ganz erheblich unter ihren schauspielerischen Möglichkeiten, aber vermutlich sind Komödien einfach nichts für sie. Die sind schon eher was für Christoph Maria Herbst, aber auch er gibt den renitenten Rollstuhlfahrer Ronny ohne zündenden Witz. Till Schweigers Rolle beinhaltet zum Glück, dass er durch die simulierte Behinderung die Hälfte des Films nicht sprechen darf, insofern kann da nicht mehr allzuviel anbrennen. Einzig Jürgen Vogel macht, was er immer macht: er spielt souverän sich selbst.

Die Macher haben vermutlich darauf spekuliert, dass mit dem Tabubruch “Spaß mit Behinderten” eine gewisse Publicity generiert wird (BILD fragt schockiert: “Darf man über Behinderte lachen?”). Das Problem ist: Natürlich darf man über Behinderte Witze machen, nur witzig sollten sie dann schon sein.

Wo ist Fred, Deutschland 2006 – deutscher DVD-Start: 14.05.2007
3/10 Punkte
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