American Gangster

“They stop bringing dope into this country, and about a hundred thousand people are gonna be out of a job.”

American Gangster erzählt die Geschichte von Frank Lucas (Denzel Washington), einem Schwarzen aus Harlem, der Anfang der 70er zum Drogenkönig von New York avanciert und sogar die italienische Mafia für sich arbeiten läßt. Auf der anderen Seite steht Polizist Richie Roberts (Russell Crowe), der als unbestechlicher Drogenfahnder nicht nur alles daran setzt, den in der Öffentlichkeit unscheinbaren Lucas dingfest zu machen, sondern auch noch gegen Korruption in den eigenen Reihen kämpfen muss (am Ende der auf wahren Begebenheiten beruhenden Geschichte werden zwei Drittel von New Yorks Drogenfahndern wegen Bestechlichkeit verhaftet oder suspendiert).

Zwar lässt Regisseur Ridley Scott schon in der ersten Szene, in der Lucas einen Gegner mit Benzin überschütten lässt und kaltblütig anzündet, keinen Zweifel daran, dass Lucas ein skrupelloser Killer ist. Im weiteren Verlauf wird Lucas dann aber über weite Strecken als “Gentleman-Gangster” in feinem Zwirn dargestellt, der zu Thanksgiving Truthähne an Harlems Unterschicht verteilen lässt, sich ansonsten elegant durch die Szenen bewegt, und nur in “berechtigten” Situationen Gewalt anwendet. Die Leute, die er umbringt, haben es auch nicht besser verdient, so scheint es. Denzel Washington spielt Lucas als eine Identifikationsfigur mit Prinzipien und Werten, was bei einem Verbrecher, der seine Millionen auf Kosten tausender Drogentoter gemacht hat, zumindest fragwürdig erscheint. Scott zeigt in einer kurzen Szenenfolge zwar, was der Stoff bei den Süchtigen anrichtet (sehr plakativ mit toter Junkiemutter und schreiendem Baby), aber das bleibt ein kurzes Schlaglicht in den zweieinhalb Stunden Gangsterepos, die Drogenszene wirkt ansonsten eher wie Modeerscheinung der 70er wie Schlaghosen oder Vokuhila-Frisuren. Zur Glorifizierung des Gangsters passt, dass der echte Frank Lucas angeblich dem Filmteam in beratender Funktion zur Seite stand (ein lesenswertes Portrait des echten Frank Lucas, das auch als Vorlage für die Verfilmung diente, erschien 2000 im New York Magazine)

Auf der Positivseite steht, dass Ridley Scott über die ganzen 157 Minuten halbwegs zu unterhalten weiß. Die Geschichte braucht anfangs etwas, um in Bewegung zu kommen, aber trotz einiger Längen kommt nicht wirklich Langeweile auf. Man fragt sich aber bei einigen Szenen, warum diese denn nun so unabdingbar gewesen sind (die ganze Backstory um die geschiedene Ehefrau von Detective Roberts und den Sorgerechtsprozess z.B.), während man über den Kern der Geschichte, den Aufstieg von Lucas als Boss der Drogenbosse, in den ganzen zweieinhalb Stunden erstaunlich wenig erfährt. Anfangs ist er nur der Fahrer einer mittleren Kiezgröße, aber alleine durch die Idee, Heroin in Soldatensärgen direkt aus Vietnam zu importieren, ist er auf einmal superreich und die schwarze graue Eminenz in New Yorks Unterwelt.

Dennoch, Scott weiss zu unterhalten, und die teilweise etwas holprige Story in eine glaubwürdige Atmosphäre einzutauchen: New Yorks Straßen sind von 70er Jahre Schlitten bevölkert, frisuren- und klamottentechnisch könnte alles auch eine Folge von “Shaft” sein, alles wirkt sehr authentisch und ist mit passendem R’n’B Soundtrack unterlegt. Auch die Figuren sind gut besetzt, in den Nebenrollen gefällt vor allem Josh Brolin als schmieriger und korrupter Detective Trupo. Wer auf Mafia-Epen wie Scarface oder Once upon a Time in America steht, wird auch an American Gangster Gefallen finden.

American Gangster, USA 2007 – deutscher Kinostart: 15.11.2007
6/10 Punkte
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