In the Valley of Elah (Im Tal von Elah)

“They shouldn’t send heroes to places like Iraq – everything there is fucked up”

Paul Haggis, den ich seit dem Meisterwerk L.A. Crash sehr schätze, hat auch in seinem neuen Film nicht nur Regie geführt und produziert, sondern auch das Drehbuch geschrieben. Die Geschichte basiert auf mehreren wahren Begebenheiten im Umfeld des Irak-Krieges, die Haggis geschickt zu einer Fabel von Verlust der Unschuld zusammenwebt.

Der junge Soldat Mike Deerfield ist von seinem Einsatz im Irak zurückgekehrt und dann plötzlich verschwunden. Sein Vater Hank (Tommy Lee Jones), ein alter Vietnam-Veteran, macht sich auf die Suche nach ihm. Hank ist ein Patriot, Ex-Militärpolizist, und hat bereits einen Sohn verloren, der während des Militärdienstes umgekommen ist. Zusammen mit der Polizistin Emily Sanders (Charlize Theron) versucht Hank das Verschwinden von Mike aufzuklären und stößt dabei auf Widerstände bei den Armeebehörden.

Die Geschichte erinnert zunächst stark an Eine Frage der Ehre und ähnliche Militär-Justizdramen: Auch hier geht es um ein vertuschtes Verbrechen unter Soldaten, auch hier versuchen die Protagonisten über weite Strecken des Films, die Mauer des Schweigens zu durchbrechen und die Wahrheit herauszufinden, auch hier werden sie scheinbar behindert durch eine Verschwörung bis in die oberen Ränge. Letzlich nimmt die Geschichte aber dann doch eine ganz andere Wendung.

Hank finded das Handy seines Sohnes in der Kaserne. Die Daten auf dem Handy sind weitgehend zerstört, aber Hank beauftragt einen Hacker, der die Fotos und Videos rekonstruieren soll. Passend für die Dramaturgie des Filmes kann der Hacker aber nur nach und nach die Videos wiederherstellen, so dass wir den Film über immer wieder einzelne Szenen aus dem Irak sehen, die mehr und mehr Licht ins Dunkel bringen. Das wirkt genauso konstruiert wie es sich anhört, hier hätte sich das Drehbuch besser einen nicht ganz so platten Kniff einfallen lassen.

Der Film hat ein sehr ruhiges Erzähltempo, einzig die pixeligen Videoszenen aus dem Irak haben ein wenig Action-Charakter. Haggis lässt sich und seinen Protagonisten viel Zeit, auf die Spur der Ereignisse im Irak und danach zu kommen. Streckenweise zu viel Zeit, die Geschichte hat ein paar Längen und Haggis läßt die Zuschauer sehr lange im Dunkeln tappen, während die Ermittlungen nur zäh vorangehen. Er schafft es jedoch, über weite Strecken eine sehr dichte Atmosphäre zu erhalten und seine Figuren äußerst authentisch wirken zu lassen. Das liegt nicht zuletzt and der hochkarätigen Besetzung: Neben Tommy Lee Jones (für seine Rolle Oscar-nominiert), und Charlize Theron (die ich mit dunklen Haaren kaum wiedererkannt habe) sieht man auch in den Nebenrollen bekannte Gesichter wie Susan Sarandon, James Franco oder Josh Brolin, der scheinbar nur noch prolligschmierige Typen mit Schnurrbart spielen darf.

In the Valley of Elah ist als einer der großen Anti-Irak-Filme angekündigt worden. Haggis beschäftigt sich aber weniger mit der Frage, ob der Irak-Krieg richtig oder falsch ist, sondern zeigt viel allgemeiner, was der brutale Kriegsalltag, der ganz anders ist als die saubere Propaganda mit wehenden Fahnen und heroischen Einsätzen, aus jungen unvorbereiteten Soldaten macht.

Das Tal von Elah ist nicht im Irak, sondern der biblische Ort, an dem David den Riesen Goliath besiegt hat. Die Parabel steht hier nicht für den Sieg des Kleinen über den Großen, sondern für den verantwortungslosen König, der den jungen unschuldigen David in eine viel zu große Rüstung steckt, und in einen Kampf gegen einen übermächtigen Gegner schickt.

Krieg ist die Hölle, und wer dort einmal war, kommt nicht mehr als normaler Mensch zurück. Diese Aussage ist zwar ein krasser Gegensatz zur amerikanischen Irak-Kriegspropaganda vom sauberen Krieg, aber ist nicht spezifisch gegen den Irak-Krieg gerichtet. Sie gilt letztlich für jeden Krieg, und sei er noch so gerechtfertigt. Denn in jedem Krieg sterben Unschuldige, ist die Kriegsführung auch auf Seiten der “Guten” nicht immer sauber und tun Soldaten Dinge, die sie später bereuen. Das ist zwar alles richtig, aber in dieser Verallgemeinerung dann auch wieder arg beliebig. Dennoch hat der Film in Amerika viel Wirbel verursacht, und sei es nur deswegen, weil der Kanadier Haggis zum Schluß das Sakrileg begeht, die amerikanische Flagge auf den Kopf zu stellen.

In the Valley of Elah (Im Tal von Elah), USA 2007 – deutscher Kinostart: 06.03.2008
7/10 Punkte
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