Postal

“Sie haben sicher schon davon gehört, dass meine Filme mit Nazi-Gold finanziert sind. Was soll ich sagen, es ist wahr” – Uwe Boll als Uwe Boll

Über Uwe Boll ist schon viel geschrieben worden, seine Videospielverfilmungen sollen unterirdisch sein, und die Finanzierung seiner Projekte dubios. Ich hatte bislang noch keinen seiner Filme gesehen, aber die Ankündigungen zu Postal hatten mich neugierig gemacht.

Schon die ersten fünf Minuten zeigen, wo die Reise hingeht: Terroristen, die sich im 9/11 Flieger über die Anzahl der Jungfrauen streiten, die sie im Himmel erwartet (”es waren hundert als ich unterschrieben hab”), entscheiden sich schließlich, umzukehren. Pech nur, dass sie gerade in diesem Moment von den Passagieren überwältigt werden und dadurch doch noch in das World Trade Center rasen.

Postal ist ein einziger respektloser Tabubruch. Die Story, wenn man denn hier von einer sprechen kann, ist ein wenig von Falling Down geklaut: Der Dude (Zack Ward), ein white trash Loser, der gewissenhaft und anständig versucht, durch sein tristes Leben zu kommen, erlebt einen Schicksalsschlag nach dem anderen, bis er schließlich ausrastet (”going postal”, wie man in den USA sagt, in Anlehnung an dort häufiger amoklaufende Postboten). Es folgt eine absurde Nummernrevue, unter anderem mit einem starbucks-trinkenden Osama Bin Laden, Nazi Chicks in knappen Bikinis, einem korrupten amerikanischen Sektenprediger, rassistischen schwarzen Polizisten, blutigen Kämpfen um ein paar Plastikpuppen und einen “Little Germany” Freizeitpark, komplett mit “Hasselhoff’s Sausage Haus” und Dr. Mengele’s Erste-Hilfe-Station.

Die alberne Späßchen und grotesken Situationen erinnern stark an alte Zucker/ Abrahams/ Zucker Filme, ohne allerdings nur halb so lustig zu sein. Mag sein, dass das ganze durch die billige deutsche Synchro verliert und im Original nicht ganz so albern ist, aber das wage ich zu bezweifeln.

Das schauspielerische Niveau ist unterirdisch. In dieser Laienspielschar fällt selbst Schwarzenegger-Wannabe Ralf Moeller nicht weiter unangenehm auf. Tiefpunkt ist Uwe Boll selber, der einen kurzen Auftritt als Uwe Boll hat.

Ein paar Gags ziehen aber dann doch, z.b. eine wilde Schießerei auf dem Arbeitsamt, die der Dude nutzt, um den Toten die Wartenummern zu entreissen und schneller an den Schalter zu kommen. Oder die Kaffeekette “Grind Zero”. Oder eine Katze, die kurzerhand als Schallschutzdämpfer für eine Pistole dient.

Gags über Behinderte und Ausländer, Kinder, die im Kugelhagel sterben, und nicht zuletzt Witze über 9/11, inkl. Bildern der einschlagenden Flugzeuge ins World Trade Center, mehr Tabubruch geht wohl kaum. Man merkt jeder dieser Szenen an wie Boll überlegt haben muss “ok, womit kann ich noch provozieren”.

Boll vergißt nicht, auch sich selbst und sein Image durch den Kakao zu ziehen. Das allerdings so dermaßen brachial und aufgesetzt, dass es es weniger unter Selbstironie fällt als unter eitle Koketterie nach dem Motto “Schaut mal, ich kann auch über mich selbst lachen”. So darf z.B. der Erfinder des Computerspiels “Postal”, auf dem der Film lose basiert, in einer Szene auf Boll losgehen und brüllen “Boll, was zum Henker hast mit mit Postal gemacht”. Boll antwortet: “Ich weiß überhaupt nicht was dein Scheiß-Problem ist, der Film ist super” und erschießt ihn in der folgenden Szene.

Das alles ist trashig und albern, und die Tabubrüche zu kalkuliert. Aber die wenigen Gags, die funktionieren, in der Regel böse Geschmacklosigkeiten wie überfahrene Kinderwagen, oder spontane Hinrichtungen, sorgen zumindest für einen gewissen Unterhaltungswert. Schön auch die grotesk übersteigerte inspiration speech am Schluß, in der der Dude alle verfeindeten Fraktionen, Taliban, Sektenmitglieder, Bürgerwehr und Polizei davon überzeugen will, sich zu versöhnen: “Lasst uns versuchen, etwas gemeinsames zu finden” – “Oh ja, wir alle hassen die Juden” . Ansonsten wird viel geschossen und wahllos gemordet, und am Ende regnet es Gedärme vom Himmel. Lecker.

Postal, USA 2007 – deutscher Kinostart: 18.10.2007
4/10 Punkte
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