John Rabe

“China ist der Markt der Zukunft – das bereuen wir noch in 100 Jahren” – John Rabe, sehr weitblickend.

Routiniert erzähltes Historien-Biopic um den “chinesischen Oskar Schindler”. Nanking, 1937: John Rabe ist Statthalter für Siemens in China. Die Japaner sind das Land einmarschiert und drohen, auch Nanking zu besetzen. Um sich selbst und die Bevölkerung zu schützen, entschließen sich die in der Stadt verbliebenen Ausländer unter der Führung von John Rabe, eine Schutzzone einzurichten, in der keine Kriegspartei Zutritt hat und in der die Zivilisten unbehelligt bleiben sollen. Diese Aktion rettet in der Folgezeit tausenden Menschen das Leben.

Die Effekte für die Kriegsszenen sind für eine deutsche Produktion auf erstaunlich hohem Niveau. Überraschend direkt und brutal werden dabei auch die japanischen Kriegsgräuel inszeniert. Damit kein Zweifel besteht, dass die zugrundeliegende Geschichte sich tatsächlich ereignet hat, werden immer wieder Dokumentarszenen in die Handlung hineingeschnitten, die im Wochenschau-schwarzweiß die Echtheit der Ereignisse bestätigen sollen.

Die Besetzung ist solide: Ulrich Tukur mimt John Rabe als Held wider Willen durchaus glaubwürdig, und harmoniert gut mit seinem Counterpart Steve Bushemie, als zynischer englischer Arzt Robert Wilson, der zusammen mit Rabe die provisorische Stadtverwaltung übernimmt. Etwas unscheinbar bleibt Daniel Brühl als deutscher Botschaftsmitarbeiter Dr. Georg Rosen.

Die sehr konventionelle Inszenierung verläßt sich vor allem auf die aufwändige Ausstattung und eine gradlinige Erzählweise. Trotz der unverkennbar angestrebten Heldenverehrung des “guten Deutschen von Nanking”versucht der Film aber zumindest, die Person John Rabe halbwegs differenziert nachzuzeichnen. Rabe ist überzeugter Nazi und Parteimitglied. Um gegen die japanischen Gräueltaten zu intervenieren, wendet er sich konsequenterweise erstmal in einem Brief an den Führer. Er wird zwar als gutmütiger Gutsherr gezeigt, der über seine Schäfchen wacht, der aber auch keinen Zweifel an der Überlegenheit der westlichen Herrenmenschen läßt: “Chinesen sind wie Kinder, die muß man erziehen”.

Die Dramaturgie ist an einigen Stellen, etwa bei der improvisierten Wahl Rabes zum Stadtverwalter, ein wenig arg hollywoodesk geraten, und gerade am Ende wird nochmal sehr dick aufgetragen, um die Story zu einem Melodram zu verdichten. Bezeichnend für die weniger um historische Glaubwürdigkeit als um spielfilmreife Inszenierung bemühte Regie ist eine symbolgetränkte Szene, in der sich die chinesische Belegschaft unter einer riesigen Hakenkreuzflagge verbirgt, um sich vor den angreifenden japanischen Fliegern zu schützen. Das ist zwar in der einen oder anderen Form so tatsächlich passiert, Regisseur Florian Gallenberger orientiert sich bei der Umsetzung aber eher an Hollywood-Kino als an deutschen Dokudramen. Die dramaturgische Zuspitzung verhindert leider nicht, dass der Film einige Längen hat, nimmt dem ganzen aber eine Menge Authentizität.

John Rabe, Deutschland, Frankreich, China 2009 – deutscher Kinostart: 2.4.2009
5/10 Punkte
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