John Rambo

“Fuck the world”

War Rambo Teil 1 noch eine durchaus kritische und differenzierte Auseinandersetzung mit dem amerikanischen Post-Vietnam Trauma, glitt das Ganze in Teil 2 in ein unreflektiertes patriotisches Action-Spektakel ab, um dann im 3. Teil nur noch üble Kalter Kriegs Propaganda zu werden, bei der der heroische amerikanische Held den unterdrückten Taliban (!) beim Kampf gegen die bösen Russen hilft. Die spannende Frage war, in welche Richtung Stallone seinen Helden 20 Jahre danach führt, um die Geschichte abzuschließen. Seinem zweiten Alter Ego Rocky hat Stallone 2006 ja ein erstaunlich würdiges Finale gesetzt, und so konnte man vermuten, dass auch für Rambo kein einfacher Aufguß des plumpen 80er Jahre Action-Kinos folgt, sondern Stallone (der diesmal das Drehbuch selbt verfasst hat) auch hier einen etwas differenzierteren Abschluss findet.

Aber weit gefehlt…

Gleich zu Beginn wird klargemacht, dass hier nicht allzuviele Grautöne gemalt werden, sondern klares Schwarz und Weiß vorherrscht. Eine Collage von Nachrichtenbildern führt uns die Bösewichter vor Augen und zeigt einen Zusammenschnitt von Unterdrückung, Folterungen und Ermordungen des Militärregimes in Burma. Und damit jeder versteht, mit was für Bösewichten wir es hier zu tun haben, werden wir in der ersten Filmszene Zeuge, wie das burmesische Militär brutal eine Gruppe von Zivilisten hinrichtet.

Die Guten sind auf der anderen Seite eine Gruppe christlicher Helfer aus den USA, die dem unterdrückten burmesischen Volk Lebensmittel und Bibeln bringen wollen, damit es ihnen besser geht (nein, das denke ich mir gerade nicht aus). John Rambo, der an der Grenze zu Burma ein friedfertiges Leben als Fischer und Schlangenjäger führt, erklärt sich widerwillig bereit, die Gruppe nach Burma zu bringen. Dort werden die Helfer vom burmesischen Militär gefangengenommen, und so begleitet Rambo einen Trupp von Söldnern in den burmesischen Dschungel, um die Missionare zu retten.

Was folgt, ist sehr schnörkelloses Action-Kino nach dem bekannten Muster “Kleines Trüppchen heroischer Kämpfer gegen Hundertschaften militärischer Übermacht”. Durchaus rasant inszeniert, und äußerst gewalttätig. Der Splatter-Faktor ist hoch – Es explodiert allerorten, Gedärme fliegen durch die Luft, Köpfe rollen, Beine werden weggesprengt. Beim großen Showdown wird das Schlachtfest dann nochmal auf die Spitze getrieben – soviel Blut war selten auf der Leinwand (und wenn man der IMDB glauben darf, hat Teil 4 mit einem “kill count” von 236 auch mehr Tote als seine Vorgänger, und damit eine Quote von 2,59 Toten pro Filmminute).

Die Dialoge schwanken zwischen unfreiwillig komisch und groteskem Pathos. Da sagt die blonde Missionarin mal völlig ironiefrei “We are here to make a difference, we believe all lifes are special”, und der stoische John Rambo antwortet philosophisch “Live your life, cause you have a good one”. Zum Glück ist auch dieses Sequel nicht wirklich dialoglastig, sondern führt handfestere Argumente ins Feld.

Die Produktion ist sehr solide, so billig die Dialoge sind, so professionell ist das ganze in Szene gesetzt. Die Bildsprache knüpft an die bekannten Elemente aus den ersten Teilen an: Der stoische Held blickt voller Weltschmerz in den Dschungel; schmiedet das glühende Eisen am Amboss; geht mit Pfeil und Bogen auf die Jagd; setzt mit dem Zippo ein Boot in Flammen. Hier wird nochmal eine Ikone des 80er Jahre Kinos von allen Seiten beleuchtet.

Der große Abschluß der Saga wie bei Rocky war das jedoch nicht – eher die konsequente Weiterführung der actionlastigen Vergangenheit. Die Story endet zwar mit einer versöhnlichen Szene, die Rambos Leidensweg zu einem beschaulichen Ende bringen soll und ihn dorthin führt, wo er seit Teil 1 eigentlich hin will. Dieser Schluß wirkt aber angesichts des gerade erst abgeschlossenen Gemetzels eher unpassend und drangeklatscht. Ein glaubwürdige Charakterentwicklung macht Figur Rambo in diesem Film auf jeden Fall nicht durch. Daher würde auch im Gegensatz zu Rocky bei Rambo ein weiteres Sequel nicht wirklich überraschen.

Für Freunde von unprätentiöser Action-Ballerei, die auch mal 90 Minuten das Gehirn ausschalten können und vor expliziter Gewaltdarstellung nicht zurückschrecken, ein passabel inszeniertes Schlachtfest. Wer mehr erwartet, wird enttäuscht sein.

Kleines Detail am Rande: Schön zu sehen, dass die christlichen burmesischen Rebellen Bundeswerkparkas mit schwarzrotgoldenem Aufnäher tragen

Rambo (John Rambo), USA 2007 – deutscher Kinostart: 14. Februar 2008
6/10 Punkte
Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s