Disturbia

“That’s either the creepiest… or the sweetest thing I have ever heard.” – Ashley

Regisseur D.J. Caruso macht aus einer ungewöhnlichen Kombination von Genres einen durchaus unterhaltsamen Mix. Nachdem der Zuschauer in den ersten Minuten einen brutalen Verkehrsunfall zu sehen bekommt, bei dem der Vater des Hauptdarstellers ums Leben kommt, geht Disturbia die nächste Dreiviertelstunde als locker und leicht inszenierte Teen-Story weiter: Kale (Shia LaBeouf) ist nach dem Tod des Vaters aus der Bahn geworfen worden und wird nach einem tätlichen Angriff auf seinen Lehrer zu drei Monaten Hausarrest per Fußfessel verurteilt. Da seine Freunde in den Ferien sind, vertreibt er sich zunächst mit Computerspielen, Trash-TV und Junk-Food die Zeit, bis seine Mutter (Carrie-Anne Moss, die Trinity aus The Matrix) schließlich der Verwahrlosung ein Ende setzt, sein X-Box Live Abo kündigt und den Fernseher sperrt. Allem elektronischen Spielzeug beraubt, sucht sich Kane einen anderen Zeitvertreib und fängt an, die hübsche Nachbarstochter Ashley (Sarah Roemer) zu beobachten, und zögerlich mit ihr anzubandeln. Doch auch die anderen Nachbarn beginnen ihn zu interessieren, v.a. der undurchsichtigen Mr. Turner (David Morse), der der Beschreibung eines gesuchten Serienkillers erstaunlich nahe kommt. Gemeinsam mit Ashley und seinem Kumpel Ronnie (Aaron Yoo) macht sich Kale daran, das Geheimnis des Nachbarn genauer zu erforschen.

Bis hier hin fühlt sich Disturbia eher wie eine Teenager-Romanze à la “The Girl next Door” an, die sich vor allem um Kale, seine Strategien gegen die Langeweile des Hausarests und die aufkeimende Beziehung zu Ashley dreht. Aber nachdem aus der spielerischen Observation des Nachbarn auf einmal blutiger Ernst wird, entwickelt sich der Film recht unvermittelt zu einem veritablen Schocker. Der zwielichtige Mr. Turner mit schütterem Haar ist dabei ganz deutlich von Hannibal Lecter inspiriert, wie auch sonst im Film recht dreist aus allen möglichen Vorbildern geklaut (oder sagen wir, zitiert) wird. Schon das Setting eines ans Haus gefesselten Voyeurs ist von Hitchcocks “Fenster zum Hof” inspiriert. Die blutigen Thriller-Szenen im zweiten Teil wirken dann wie aus Scream, Sieben oder Schweigen der Lämmer zusammengestückelt, bleiben aber dabei jederzeit spannend und gut getimed.

Erstaunlicherweise funktionieren beide Teile des Films für sich genommen sehr gut, und auch die Kombination der Elemente ist effektiv. So wird man als Zuschauer in der ersten Hälfte mit den Beziehungsspielchen zwischen Kale und Ashley regelrecht eingelullt, um dann vom plötzlichen Wechsel ins Slasher-Genre umso mehr überrumpelt zu werden. Ein gutes Beispiel dafür, wie man aus vielen geklauten Bausteinen etwas sehenswertes Neues schaffen kann.

Disturbia, USA 2007 – deutscher Kinostart: 20.09.2007
7/10 Punkte
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