28 Weeks Later

“Welcome back to Britain”

Mit “28 Days Later” hat Regisseur Danny Boyle (Trainspotting, Sunrise) 2003 erfolgreich versucht, dem trashigen Zombie-Genre neue Impulse zu geben und einen “modernen” Genre-Thriller zu machen, der ohne halb verweste langsam rumtorkelnde Monster auskam. Die Zombies in diesem Film waren keine lahmen Untoten, sondern von einem Wut-Virus infizierte Menschen, die, einmal infiziert, wie auf Speed Jagd auf gesunde Menschen machten und innerhalb von 28 Tagen ganz London dahingerafft haben.

Teil 2 setzt nahtlos da an, wo Teil eins aufgehört hat: Wir sehen zu Beginn eine halbwegs friedliche Idylle einer Gruppe von Leuten, die sich in einem Cottage verschanzt und vor den Infizierten Schutz gefunden haben, darunter Don (Robert Carlyle, der Begbie aus Trainspotting) und seine Frau Alice (Catherine McCormack). Man wartet natürlich nur darauf, dass jeden Moment die Zombies Infizierten in diesen friedliche Rückzugsort einfallen, und genauso passiert es auch. Alle werden niedergemetzelt, alleine Don gelingt die Flucht vor der Zombiehorde, seine Frau läßt er zurück.

Was schon im ersten Teil fasziniert hat, waren die Szenen einer vom Virus entvölkerten Großstadt, und auch der Nachfolger 28 Weeks Later spielt mit diesem Szenario eines menschenleeren Landes: Großbritannien ist von Virus dahingerafft worden, die Infizierten verhungert, und Londons Wahrzeichen wie Tower Bridge, Wembley Stadion oder der Swiss-Re-Tower sind verlassen. Nach 28 Wochen beginnt eine von Amerikanern geleitete NATO-Truppe mit der Wiederansiedlung auf der Britischen Insel. Auf der Londoner Isle of Dogs hat das Militär den “District One” eingerichtet, in dem – abgetrennt vom Rest der Stadt und scharf bewacht von den US-Truppen – der Wiederaufbau der Zivilisation beginnen soll.

Don hat als einer der wenigen die vorangegangenen Wochen überlebt. In District One empfängt seine Kinder Tammy (Imogen Poots) und Andy (Mackintosh Muggleton), die während des Seuchenausbruchs im Ausland waren, und versucht, mit ihnen wieder ein normales Leben aufzubauen. Zunächst erscheint alles friedlich, doch – wie könnte es anders sein – der Virus ist noch nicht besiegt und beginnt plötzlich, sich mit rasender Geschwindigkeit im District One auszubreiten.

Danny Boyle hat diesmal nur produziert und die Regie dem Spanier Juan Carlos Fresnadillo überlassen. Während im ersten Teil die klaustrophobische Stille einer menschenleeren Großstadt weite Teile des Films prägte, hat Fresnadillo den zweiten Teil deutlich mehr auf Action ausgelegt: Wackelige Handkamera, harte Schnitte, hektische Verfolgungsjagden und Schießereien. Das ganze diesmal nicht in der B-Movie Optik des ersten Teils (der mit 5 Millionen Pfund eine echte low budget Produktion war), sondern durchaus auf Hollywood-Niveau. War allerdings in Boyles erstem Teil der Splatter-Faktor durch die schnellen Schnitte vergleichsweise gering und die Grusel-Atmosphäre auch ohne Blutorgien präsent, konnte sich Fresnadillo in Teil 2 einige sehr explizite Szenen nicht verkneifen. Schade, das wäre eigentlich unnötig gewesen, da der Film auch so über weite Strecken eine beklemmend finstere Stimmung erzeugt und bis zum Schluß ein rasantes Tempo hält.

Wie bei Romeros Land of the Dead kann man auch bei 28 Weeks Later eine Menge Gesellschaftskritik in das Blutgemetzel reininterpretieren. Die Bilder der amerikanischen Besatzungstruppen in Großbritannien, die vom allmächtigen Beschützer der Zivilbevölkerung zum Todeskommando degenerieren, drängen einen Vergleich mit dem aktuellem Weltgeschehen geradezu auf. Doch auch wenn einige Deutungsmuster sehr naheliegen, sollte man die Allegoriensuche nicht überstrapazieren. Letztlich ist das hier kein Autorenfilm, sondern ein düsterer Endzeit Grusel-Schocker, wenn auch ein sehr guter. Das Ende ist übrigens sehr stilecht und läßt viel Raum für Teil 3.

28 Weeks Later, Großbritannien 2007 – deutscher Kinostart: 30.08.2007
8/10 Punkte
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