Fleisch ist mein Gemüse

“Swing time is good time, good time is better time!”

Deprimierende Geschichte mit bemitleidenswerten Figuren in trister Szenerie. Die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Heinz Strunk erzählt die halb-autobiographische Geschichte vom Heranwachsen in der norddeutschen Provinz. Der Protagonist hat fiese Akne, wohnt mit seiner psychisch kranken Mutter auf der falschen Seite der Elbe in Hamburg-Harburg in einem finsteren Reihenhaus und hat kein Glück bei Frauen. Einziger Lichtblick sind seine Auftritte mit der drittklassigen Tanzband “Tiffany’s”, die auf Schützenfesten und Dorffeiern in der Region auftritt.

Mit viel Liebe zum Detail ist das Setting in der norddeutschen Provinz der Achziger Jahre umgesetzt worden. Die Bilder von Schützenfesten oder Hochzeiten wirken deprimierend authentisch. Selten scheint die Sonne, man bewegt sich durch nasskaltes Wetter von einem trostlosen Dorfgasthof zum nächsten, um abgestandene Schlager und Schunkelmusik vor einem alkoholisierten Publikum zu spielen.

Die Romanvorlage schwankt zwischen Tragik, Komik und Skurrilität, und erspart dem Leser auch kein deprimierendes Ende. Ganz so niedergeschlagen wollte man die Kinozuschauer wohl nicht aus dem Saal gehen lassen, und so hat der Film ein fiktives Happy End, an dem sich doch alles zum Guten zu wenden scheint.

Was als Buch ganz gut funktioniert, wirkt im Kino etwas unausgegoren: Für eine Komödie sind die Gags zu dezent gesetzt, für eine mitreissende Geschichte passiert zu wenig. Die Besetzung ist gelungen: Maxim Mehmet als stoischer Protagonist, der sich seinem Schicksal fügt und nur halbherzig von einer Karriere als echter Musiker mit eigener Band träumt, verkörpert gut die Mischung aus Gelassenheit und Resignation. Und Andreas Schmidt als schmieriger Bandleader Gurki, der das Dorfpublikum mit abgestandenen Sprüchen und aufgesetzter guter Laune anzuheizen versucht, hat die komödiantisch dankbarste Rolle, die er auch sehr überzeugend ausfüllt. Sehr bemüht wirken hingegen Einfälle wie die Einbindung des Autors Heinz Strunk als Erzähler, der sich immer wieder mit einem ausgestopften Hirschen unterhält.

Was bleibt ist eine feine und authentisch wirkende Charakterzeichnung von Leuten, die man so genau gar nicht unbedingt kennenlernen wollte. Und für Zuschauer, die in einem ähnlichen Setting in den Achzigern großgeworden sind, der leichte Grusel, dass man dem (hoffentlich) entfliehen konnte.

Fleisch ist mein Gemüse, Deutschland 2008 – deutscher Kinostart: 17.04.2008
5/10 Punkte
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