Love in the Time of Cholera (Die Liebe in den Zeiten der Cholera)

“Er ist kein Mensch – er ist ein Schatten” – Fermina, das Problem mit den Charakteren in diesem Film auf den Punkt bringend.

Die Verfilmung des Nobelpreis-gekrönten Werkes von Gabriel García Márquez sieht genau so aus, wie man sich das bei einer Literaturverfilmung a la Geisterhaus vorstellt: Ein großer Kostümfilm mit aufwändiger Ausstattung, zahlreichen Haupt- und Nebenfiguren und epischer Handlung, die mehrere Jahrzehnte durchschreitet.

Der Kern der Story wird bereits in der Eingangsszene erklärt: Florentino Ariza (Javier Bardem) ist seit seiner Jugend unsterblich in Fermina (Giovanna Mezzogiorno) verliebt. Doch die heiratet den Arzt Juvenal Urbino (Benjamin Bratt), der eher ihrem Stand entspricht. Und so wartet Florentino jahrzehnte darauf, dass Ferminas Mann stirbt, damit er doch noch zum Zug kommt.

Leider schafft es Regisseur Mike Newell nicht, die Motivation der Handelnden, sich im Verlauf der Geschichte für den einen oder den anderen Weg entscheiden, glaubwürdig rüberzubringen. Getragen von hölzernen, gestelzten Dialogen verlieben sich die Hauptdarsteller mal spontan ineinander, und überlegen es sich später abrupt anders, ohne das die Story die eine wie die andere Entwicklung glaubwürdig vor- oder nachgezeichnet hätte. Die Charaktere bleiben blass und blutleer, alles wirkt sehr beliebig und konstruiert.

Auch kann sich der Film nicht ganz entscheiden, ob er ernstes Melodrama oder leichtfüßige Liebesgeschichte sein will: Um sich das Warten auf Fermina zu verkürzen, schläft Florentino in den nächsten 50 Jahren mit über 600 Frauen. Die Darstellung dieser Affären Florentinos gleitet immer wieder ins Komödienhafte ab, wobei nicht ganz klar ist, ob das freiwillig oder unfreiwillig ist. In Verbindung mit der zugrundeliegenden eher tragischen Liebesgeschichte wirkt das alles sehr unausgegoren. Alles geschieht irgendwie aus heiterem Himmel ohne nachvollziehbaren Hintergrund oder Konsequenz.

Javier Bardem, gerade für seine Darstellung eines wahnsinnigen Killers in No Country for Old Men mit dem Oscar ausgezeichnet, bleibt hier deutlich unter seinen Möglichkeiten. Der junge Florentino wirkt wie die Parodie eines schüchternen verliebten Jünglings, und der alte Florentino erstickt unter zentnerschwerem Makeup. Überhaupt ist das Alter der Protagonisten sehr unglaubwürdig dargestellt: Der Vater von Fermina könnte genauso gut ihr Mann sein, Florentino altert von einer Szene zur anderen schlagartig, während seine Angebetete Fermina weiterhin jugendlich schön erstrahlt, und am Ende wirkt das ganze Ensemble wie eine Gruppe Jungschauspieler die mit Grauhaar-Perücken und krummen Gang ein Altersheim darzustellen versucht.

Ein Lichtblick ist Giovanna Mezzogiorno als bildhübsche Fermina, die ein wenig wie die junge Jodie Foster aussieht. Dafür hat die Mutter von Florentino (Fernanda Montenegro) frappierende Ähnlichkeit mit Inge Meysel – und spielt auch so.

Was bleibt sind wirklich schöne Bilder, Kostüme, Landschaften, wie es sich für eine große Literaturverfilmung gehört. Der koloniale Glanz Kolumbiens und seine beeindruckende Natur bilden eine standesgemäße Kulisse für die epische Geschichte. Das ganze natürlich auf über 130 Minuten aufgeblasen. Schade, dass die Story keinen wirklichen Spannungsbogen aufbaut. Die Geschichte mäandert vor sich hin, und weil man den Ausgang schon in der ersten Szene zu sehen bekommt, passiert in den folgenen zwei Stunden auch wenig überrraschendes. Der Shakira-lastige Soundtrack ist ganz stilecht, reißt aber auch nicht wirklich mit.

Vielleicht wäre doch die Verfilmung dieses Titels spannender geworden.

Love in the Time of Cholera (Die Liebe in den Zeiten der Cholera), USA 2007 – deutscher Kinostart: 21.02.2008
4/10 Punkte
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