Seven Pounds (Sieben Leben)

“In seven days, God created the world. And in seven seconds, I shattered mine”. Und sieben Punkte bekommt dieser Film.

Will Smith wechselt immer wieder zwischen Blockbuster und “anspruchsvollem” Film, nach Men in Black und I Robot drehte er den oscar-nominierten The Pursuit of Happiness, nach Hancock und I am Legend jetzt das Melodram Seven Pounds. Leider nimmt er damit auch sein Men in Black Proll-Publikum mit in die leiseren Filme, was das Kinoerlebnis ein wenig schmälern kann.

Man sollte Sieben Leben am besten schauen, ohne etwas über die Geschichte zu kennen, weil der Film davon lebt, dass sich die Story langsam dem Zuschauer erschließt. Das ist leider etwas schwierig, wenn ein Laberkopf drei Plätze weiter die Pointe gleich zu Beginn seinem Kumpel lautstark ausplaudert. Daher sei hier nicht zuviel verraten, nur soviel: Ben Thomas (Will Smith) hat es in der Hand, sieben Leben zu retten, und macht sich auf die Suche nach den richtigen Personen, die eine Rettung verdient haben. Hintergrund ist eine große Schuld, die er auf sich geladen hat und damit tilgen will. Der deutsche Titel “Sieben Leben” verrät dabei schon fast zuviel, im Original heißt es deutlich mysteriöser “Seven Pounds” (was sich nur erschließt wenn man weiß, dass das eine Anspielung auf Shakespeares Kaufmann von Venedig sein soll).

Das etwas konstruierte Setting liefert Material für eine ganze Reihe von interessanten moralischen Fragen. Z.B. ob sich ein Mensch anmaßen darf, Gott zu spielen und zu entscheiden, wer weiterleben darf und wer nicht. Oder ob die vermeintliche Rettung eines Menschen tatsächlich alle Probleme löst, oder in Konsequenz viel größere Probleme nach sich ziehen kann. Sieben Leben konzentriert sich allerdings vor allem auf die schlichte Frage, wen man retten würde, wenn man entscheiden muss. Und was passiert, wenn der Retter sich in die ausgewählte Person verliebt, und zwischen Liebe und Rettung entscheiden muss. Damit ist das ganze eher Liebesgeschichte und persönliches Schulddrama als differenziertes moralisches Lehrstück.

Was der Film sehr gut macht, ist nicht alles todzuerklären, dabei aber genug Material zu liefern, um den Zuschauer selbst die Puzzlestücke zusammenfügen zu lassen. Die Story hat bei näherem Hinterfragen sicher ein paar kleine Ungereimheiten, ist aber letztlich eine schlüssige Geschichte.

Will Smith ist mal wieder sehr überzeugend. Faszinierend an Smith ist, dass er in so unterschiedlichen Settings wie I am Legend, Hitch, Men in Black oder Pursuit of Happiness glaubwürdig rüberkommt und diese sehr unterschiedlichen Rollen ausfüllen kann, er aber in jeder Rolle, sei es als charmanter Date-Doktor, letzter Erdbewohner oder cooler Alien-Jäger, immer im Kern klar als Will Smith erkennbar bleibt. Er läuft allerdings Gefahr, ein wenig zu oft mit traurigem Dackelblick in die Kamera zu schauen und damit in die Fußstapfen von Nicolas Cage zu treten, bei dem das mittlerweile nur noch nervt. Rosario Dawson harmoniert als weibliche Hauptrolle gut mit Smith, und sieht auch totkrank-blass geschminkt bezaubernd aus.

Amerikaner neigen in Melodramen nicht gerade zu europäischer Subtilität und teilen in die Emotionen auch gerne mit großer Kelle aus. Auch Seven Pounds drückt kräftig auf die Tränendrüse. Das kann man als unerträglich rührseligen Kitsch abtun. Man kann sich aber auch einfach drauf einlassen und den Film genießen. Was allerdings etwas schwer ist, wenn in derselben Kinoreihe zwei Laberköpfe jede Szene lautstark kommentieren müssen, weil Will Smith hier keine Aliens jagt und die Action zu kurz kommt.

Regisseur Gabriele Muccino wählt ein dem Thema sehr angemessenes ruhiges Erzähltempo ohne Knalleffekte. Allerdings hätte man zwischenzeitlich durchaus ein paar Minuten herauskürzen können. Nachdem im letzten Viertel immer noch nur fünf zu rettende Personen feststehen, hab ich mich bei der Frage ertappt, wann denn endlich die letzten beiden kommen, um dem Filmtitel gerecht zu werden, und unter 100 Minuten Spielzeit zu bleiben. Klärt sich aber zum Glück dann zeitnah auf.

Die Moral von der Geschichte: Keine Blackberries am Steuer benutzen, und ruhigere Will-Smith-Filme demnächst vielleicht doch lieber im Heimkino statt im großen Saal voller Laberköpfe schauen.

Seven Pounds (Sieben Leben), USA 2008 – deutscher Kinostart: 8.1.2009
7/10 Punkte
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