Atonement (Abbitte)

“The story can resume”

So blutleer und beliebig wie Die Liebe in Zeiten der Cholera war, so tief und emotional und glaubwürdig ist Atonement. Es geht um die ganz großen Gefühle und Dramen, um große Schuld und die Frage, ob man es wieder gut machen kann, wenn man das Leben zweier Personen absichtlich zerstört hat – das alles erzählt ohne kitschig oder unglaubwürdig zu werden.

Die Geschichte beginnt kurz vor dem zweiten Weltkrieg auf dem Landsitz einer wohlhabenden englischen Familie. Cecilia (Keiry Knightley) und ihre jüngere Schwester Briony (Saoirse Ronan) kämpfen mit den Problemen des Heranwachsens und der ersten Liebe. Cecilia hat eine heimliche Zuneigung zu Robert (James McAvoy), dem Sohn der Hausmeisterfamilie. Es scheint sich alles zum Guten zu wenden: Robert plant – unterstützt von Cecilias Familie – Medizin zu studieren und Karriere zu machen, und eines Abends gestehen sich die beiden ihre Liebe. Doch in diesem perfekten Augenblick bricht das Unheil ein. Durch unglückliche Umstände, vor allem aber durch eine Intrige der eifersüchtigen kleinen Schwester Briony wird von jetzt auf gleich alles zerstört. Robert wird wegen angeblicher Vergewaltigung ins Gefängnis gesperrt und die Zukunftsträume von Robert und Cecilia werden zunichte gemacht.

Die Geschichte, die als klassisches englisches Gentry Drama auf dem Lande im Stil einer Merchant/Ivory Produktion beginnt, verändert auf einmal komplett die Tonlage: Robert ist nach Ausbruch des 2. Weltkrieges aus dem Gefängnis entlassen worden, um als Soldat in Frankreich gegen die Deutschen zu kämpfen – auch Cecilia und Briony haben das englischen Landhaus-Idyll verlassen und arbeiten als Krankenschwestern im Lazarett. Wo es eben noch um jugendliche Liebeleien ging, sehen wir jetzt schmutzige Bilder aus dem Kriegsalltag, Verwundete, Tote.

James Mc Avoy, der schon in Last King of Scotland eine beeindruckende Performance ablieferte, ist perfekt besetzt. Keira Knightley ist süß wie immer. Erstklassig besetzt sind auch die Nebenrollen – dabei sind es gar nicht mal die großen Namen wie Vanessa Redgrave, auch die Besetzung der Kinder-Rollen ist on spot.

Regisseur Joe Wright erzählt die Geschichte in beeindruckend schönen Bilder zwischen englischer Landschaft und Kriegschaos in Dünkirchen, wundervoll arrangiert und mit beeindruckender Kameraarbeit eingefangen.
Der Film arbeitet immer wieder mit ein paar szenischen Tricks und Gimmicks, so sehen wir dieselbe Szene hintereinander aus verschiedenen Perspektiven, oder Realität und (Wahn-)Vorstellung gehen fließend ineinander über. Aber das wirkt alles passend und unaufgesetzt und fügt sich nahtlos in die Geschichte ein.

In einer Szene in Dünkirchen, wo die englischen Truppen im Chaos auf den Transport zurück nach England warten, gelingt eine absolut beeindruckend virtuose Einstellung, in der Robert und seine drei Kollegen sich durch die Wirren des Geländes schlagen, zwischen tausenden Soldaten am Strand, brennenden Ruinen, Soldaten auf Kirmeskarussels, einem Riesenrad im Hintergrund, Pferden, die den Gnadenschuß erhalten, einer Gruppe andächtig singender Soldaten im Strandpavillion – über der surrealen Umgebung kreist die Kamera in einer fünfminütigen Fahrt ohne Schnitt.

Unterstützt wird die Atmosphäre durch einen stimmungsvollen Soundtrack, der absolut zu den Bildern passt und dafür auch zu Recht einen Oscar bekommen hat. Und da ich zum Glück vorher weder das Buch kannte, noch verspoilerte Kritiken gelesen hatte, hat mich das Ende, in dem alles nochmal eine komplett andere Bedeutung bekommt, nicht nur überrascht sondern tief beeindruckt.

Ganz großes Kino.

Atonement (Abbitte), Großbritannien 2007 – deutscher Kinostart: 08.11.2007
10/10 Punkte

In the Valley of Elah (Im Tal von Elah)

“They shouldn’t send heroes to places like Iraq – everything there is fucked up”

Paul Haggis, den ich seit dem Meisterwerk L.A. Crash sehr schätze, hat auch in seinem neuen Film nicht nur Regie geführt und produziert, sondern auch das Drehbuch geschrieben. Die Geschichte basiert auf mehreren wahren Begebenheiten im Umfeld des Irak-Krieges, die Haggis geschickt zu einer Fabel von Verlust der Unschuld zusammenwebt.

Der junge Soldat Mike Deerfield ist von seinem Einsatz im Irak zurückgekehrt und dann plötzlich verschwunden. Sein Vater Hank (Tommy Lee Jones), ein alter Vietnam-Veteran, macht sich auf die Suche nach ihm. Hank ist ein Patriot, Ex-Militärpolizist, und hat bereits einen Sohn verloren, der während des Militärdienstes umgekommen ist. Zusammen mit der Polizistin Emily Sanders (Charlize Theron) versucht Hank das Verschwinden von Mike aufzuklären und stößt dabei auf Widerstände bei den Armeebehörden.

Die Geschichte erinnert zunächst stark an Eine Frage der Ehre und ähnliche Militär-Justizdramen: Auch hier geht es um ein vertuschtes Verbrechen unter Soldaten, auch hier versuchen die Protagonisten über weite Strecken des Films, die Mauer des Schweigens zu durchbrechen und die Wahrheit herauszufinden, auch hier werden sie scheinbar behindert durch eine Verschwörung bis in die oberen Ränge. Letzlich nimmt die Geschichte aber dann doch eine ganz andere Wendung.

Hank finded das Handy seines Sohnes in der Kaserne. Die Daten auf dem Handy sind weitgehend zerstört, aber Hank beauftragt einen Hacker, der die Fotos und Videos rekonstruieren soll. Passend für die Dramaturgie des Filmes kann der Hacker aber nur nach und nach die Videos wiederherstellen, so dass wir den Film über immer wieder einzelne Szenen aus dem Irak sehen, die mehr und mehr Licht ins Dunkel bringen. Das wirkt genauso konstruiert wie es sich anhört, hier hätte sich das Drehbuch besser einen nicht ganz so platten Kniff einfallen lassen.

Der Film hat ein sehr ruhiges Erzähltempo, einzig die pixeligen Videoszenen aus dem Irak haben ein wenig Action-Charakter. Haggis lässt sich und seinen Protagonisten viel Zeit, auf die Spur der Ereignisse im Irak und danach zu kommen. Streckenweise zu viel Zeit, die Geschichte hat ein paar Längen und Haggis läßt die Zuschauer sehr lange im Dunkeln tappen, während die Ermittlungen nur zäh vorangehen. Er schafft es jedoch, über weite Strecken eine sehr dichte Atmosphäre zu erhalten und seine Figuren äußerst authentisch wirken zu lassen. Das liegt nicht zuletzt and der hochkarätigen Besetzung: Neben Tommy Lee Jones (für seine Rolle Oscar-nominiert), und Charlize Theron (die ich mit dunklen Haaren kaum wiedererkannt habe) sieht man auch in den Nebenrollen bekannte Gesichter wie Susan Sarandon, James Franco oder Josh Brolin, der scheinbar nur noch prolligschmierige Typen mit Schnurrbart spielen darf.

In the Valley of Elah ist als einer der großen Anti-Irak-Filme angekündigt worden. Haggis beschäftigt sich aber weniger mit der Frage, ob der Irak-Krieg richtig oder falsch ist, sondern zeigt viel allgemeiner, was der brutale Kriegsalltag, der ganz anders ist als die saubere Propaganda mit wehenden Fahnen und heroischen Einsätzen, aus jungen unvorbereiteten Soldaten macht.

Das Tal von Elah ist nicht im Irak, sondern der biblische Ort, an dem David den Riesen Goliath besiegt hat. Die Parabel steht hier nicht für den Sieg des Kleinen über den Großen, sondern für den verantwortungslosen König, der den jungen unschuldigen David in eine viel zu große Rüstung steckt, und in einen Kampf gegen einen übermächtigen Gegner schickt.

Krieg ist die Hölle, und wer dort einmal war, kommt nicht mehr als normaler Mensch zurück. Diese Aussage ist zwar ein krasser Gegensatz zur amerikanischen Irak-Kriegspropaganda vom sauberen Krieg, aber ist nicht spezifisch gegen den Irak-Krieg gerichtet. Sie gilt letztlich für jeden Krieg, und sei er noch so gerechtfertigt. Denn in jedem Krieg sterben Unschuldige, ist die Kriegsführung auch auf Seiten der “Guten” nicht immer sauber und tun Soldaten Dinge, die sie später bereuen. Das ist zwar alles richtig, aber in dieser Verallgemeinerung dann auch wieder arg beliebig. Dennoch hat der Film in Amerika viel Wirbel verursacht, und sei es nur deswegen, weil der Kanadier Haggis zum Schluß das Sakrileg begeht, die amerikanische Flagge auf den Kopf zu stellen.

In the Valley of Elah (Im Tal von Elah), USA 2007 – deutscher Kinostart: 06.03.2008
7/10 Punkte

300

“Submission – now that’s a bit of a problem” – Leonidas

Schon mit Sin City wurde ein Frank Miller Comic in einem sensationell neuen visuellen Stil verfilmt, ähnliches ist mit 300 gelungen: Die Bildsprache ist eine artifizielle Mischung aus Max Payne, Troja, Sin City. In ihrer Kombination neu und beeindruckend, aber in ihren Stilelementen dann doch wieder auf ganz alte Vorbilder zurückgreifend, nennen wir es eine “leicht” faschistoide Riefenstahl Optik.

Die Story ist schnell erzählt: Die Persische Armee unter dem Gottkönig Xerxes droht, ganz Griechenland zu besetzen. Ganz Griechenland? Nein! Der unbeugsame Stamm der Gallier Spartiaten widersetzt sich der persischen Übermacht – Spartas König Leonidas (Gerard Butler) versucht mit seinen 300 besten Kriegern die übermächtigen Perser bei den Thermopylen (oder auch “hot gates” für unsere des alt-griechischen nicht mächtigen amerikanischen Kinofreunde) aufzuhalten. Wer es genauer wissen will, kanns bei Herodot nachlesen, aber ehrlich gesagt ist die Story nicht wirklich wichtig – bei 300 geht es vor allem um opulente Optik: Eine extrem stylisierte Darstellung – Slow-Motion, Regen-, Schnee- und Blutgestöber, wehende Fahnen, blitzende Schwerter, Licht und Schatten, perfekte Körper, schöne Frauen, edle Kämpfer, brutalste Kampfszenen und Massenschlachten. Wenn Leni Riefenstahl heute Hollywood-Filme produzieren würde, würde das vermutlich so aussehen.

Untermalt mit theatralischem Sound und bedeutungsschwangerer Off-Stimme wird die Geschichte dominiert von den ganz großen Motiven wie Heldentum, Ehre, Hybris, Verrat und Opfer – das alles ist dermaßen überhöht, dass es eigentlich ins Groteske abrutschen müsste. Aber Regisseur Zack Snyder schafft es, dass trotz triefendem Pathos das ganze extrem sehenswert und unterhaltsam bleibt, ohne allzu peinlich zu werden.

Viel ist über vermeintlichen Rassismus oder Parallelen zum Iran-Konflikt oder wahlweise Irak-Krieg geschrieben worden (sehr schön auch: 300 sei “anti-islamisch, obwohl es den Islam damals noch gar nicht gegeben hat”). Das meiste davon halte ich für völlig überinterpretiert. Der Film ist kriegsverherrlichend, keine Frage, ehrlich gesagt sogar so ziemlich das kriegsverherrlichenste, was ich seit sehr langem gesehen habe. Aber weder eignen sich die Spartiaten als Identifikationsfiguren für die USA (so militaristisch haben selbst die Neo-Cons die USA noch nicht umgekrempelt), noch kann man Persien als historischen Gegner Spartas einfach gegen einen Fantasiegegner a la “Elbonia” austauschen, nur um ja niemandem im Nahen Osten auf die Füße zu treten. Und ja, natürlich kommen die Perser schlecht weg, schließlich wird die Geschichte aus Sicht Spartas erzählt (bzw. aus der Sicht von Herodot, der als Grieche nicht gerade die ausgewogenste aller Geschichtsschreibungen abgeliefert hat, bzw. aus der Sicht von Frank Miller, der als Comickünstler auch nicht gerade zur feinsinnigen Differenzierung neigt). Der Vorwurf der Iran-Feindlichkeit ist geradezu grotesk. Eine Verfilmung von – sagen wir – Caesars Feldzug quer durch Europa würde auch nicht gerade ein menschenfreundliches Licht auf die römische Geschichte werfen, ohne dass jemand daraufhin gleich “Italienfeindlichkeit” schreien würde. Abgesehen davon wage ich zu bezweifeln, dass sehr viele Amerikaner wissen, was Persien und der Iran gemeinsam haben, schon von daher taugt 300 nicht gerade als Propagandawerk zum Feldzug gegen die Mullahs.

Selbstverständlich kann man Aussagen wie “Freedom is’nt free at all. It comes with the highest of cost, the cost of blood” als Ansage für den Krieg gegen den Terror verstehen. Andererseits – in ein vor Symbolik strotzendes Machwerk wie 300 kann man vermutlich so ziemlich alles reininterpretieren, Rassismus, Faschismus, Freiheitskampf, Heldentum, whatever, alles eine Frage der Perspektive und weniger der tatsächlichen Botschaft des Films. Letztendlich ist 300 wohl weder das eine noch das andere, sondern vor allem eine opulente Schlachtplatte, nicht mehr und nicht weniger.

Was mir sonst noch so auffiel:

  • Ferengi in Alt-Griechenland: Die korrupten Ephoren wirken in Optik und Mimik wie aus Star Trek nach Sparta gebeamte Ferengis. Und die Spartaner haben auch das eine oder andere von den Klingonen abgeschaut (oder Gene Roddenberry von Herodot, whatever).
  • Speaking of Star Trek: Xerxes (Rodrigo Santoro) könnte ein Bruder von Nemesis-Bösewicht Shinzon sein. Mit ein paar Piercings mehr wäre er aber auch als Hellraiser durchgegangen.
  • “Rated R for graphic battle sequences throughout, some sexuality and nudity.” Äh, ja, graphic battle scenes, kann man wohl sagen: abgeschlagene Köpfe und Gliedmaßen, Schwerter im Auge, Berge aus Leichen, das is wohl richtig. Aber mindestens genauso schlimm sind natürlich die entblößten weiblichen Brüste, die in einigen Szenen prominent in Szene gesetzt werden, schon klar (by the way: hübsche Frauen hats in Sparta, z.B. Lena Headey).
  • So amüsant es auch ist, das Leonidas erklärt, er könne gerade nicht vor Xerxes niederknien, weil sein Knie von den vormittäglichen Kämpfen etwas steif geworden ist, oder das er zu den Friedensverhandlungen geht mit den Worten “We can be civil, can’t we?”, während seine Männer um ihn rum die verletzten Perser abstechen – diese humorigen one-liner, ohne die kein Action-Reißer mehr auskommt, wirken hier etwas deplatziert. Naja, zumindest hat er Xerxes nicht mit “Yippie-Ya-Yeah, Schweinebacke” oder “Hasta la vista, Baby” begrüßt.
  • Der Soundtrack war mal eine innovative Mischung aus klassischem theatralischem Orchestergetöse und harten Gitarrenriffs, hat man in dieser Form noch nicht so oft gehört.
  • Nachdem ich den ganzen Film über einen endlosen Schlußkampf à la Troja oder Matrix Reloaded befürchtet hatte, der CGI-mäßig ins unerträgliche gezogen wird, war der Showdown dann doch überraschend prägnant und kurz. Von dieser Schlacht könnten sich (oha, Metaphern-Alarm) einige Hollywood-Schinken eine Scheibe abschneiden.
300, USA 2007 – deutscher DVD Start: 10. August 2007
6/10 Punkte

Flyboys

“This guy sure knows how to make friends” –
“All his friends are dead”

Flyboys ist eine Art Top Gun im Ersten Weltkrieg. Die angeblich auf wahren Begebenheiten beruhende Geschichte handelt von einer Gruppe amerikanischer Freiwilliger, die sich 1916 der französischen Fliegerstaffel Lafayette Escadrille anschließen, um gegen die Deutschen zu kämpfen. Alle sind vor ihrem alten Leben geflohen (dem einen drohte zuhause Gefängnis, der nächste ist frisch aus Havard geflogen, wieder einer entflieht dem Bankrott der Familie) um sich in Frankreich ins Abenteuer zu stürzen: Fliegen war damals gerade erst erfunden und ein Job für Wagemutige, die Lebenserwartung der Kampfpiloten in der Kompanie lag im Schnitt bei nur wenigen Wochen.

Die Ausbildung beginnt als Erlebnis, nicht wie in den üblichen Vietnam-Filmen mit hartem Drill in der Kaserne, sondern mit lustigen Flugübungen. Die Nachwuchssoldaten residieren in einer schloßähnlichen Villa, und die Truppe hat einen echten lebendem Löwen als Maskottchen. Krieg ist ein großer Spaß. Das endet natürlich mit dem ersten echten Einsatz, als die ersten Rekruten vom Himmel fallen. Aber dennoch bleibt der Krieg vor allem ein Abenteuer für die Protagonisten: James Franco (gerade erst als Harry in Spiderman 3 zu sehen) spielt Blaine Rawlings, der schnell vom Nachwuchspiloten zum Hot Shot der Truppe wird. Cassidy (Martin Henderson) ist der unvermeidliche zynische “seen it all” Veteran, der den jungen Nachwuchspiloten zeigt, wie der Hase fliegt läuft. Den netten Ausbilder Thenault spielt derjenige, der immer den Franzosen in amerikanischen Filmen gibt – genau: Gerard Depardieu Jean Reno (der hier mit Schnurrbart aussieht wie Magnums Higgins). War Reno nicht früher mal in eher anspruchsvolleren Rollen zu sehen? Mittlerweile scheint er alles anzunehmen, was Geld bringt. Schade eigentlich.

Natürlich gibt es auch einen “Endgegner”, den Schwarzen Falken, einen bösen deutschen Elitepiloten mit schwarzlackierter Maschine, der gerne auch wehrlose amerikanische Soldaten am Boden abschießt. Und natürlich kommt es zum Schluß zum großen Showdown zwischen unseren Helden und dem Falken (wer mag da wohl gewinnen? Da will ich mal lieber nicht zuviel verraten, um die Spannung nicht zu verderben …)

Das ganze ist angereichert mit allen Standard-Klischees: hübsche laszive Französinnen, heldenhafte Amerikaner, böse Deutsche, die auf unschuldige Zivilisten schießen (aber dafür natürlich umgehend von den heroischen amerikanischen Fliegern abgeschossen werden). Das ist streckenweise so platt und pathetisch, das es weh tut. Da landet Held Blaine auch gerne mal mitten zwischen den feindlichen Schützengräben, um seinen abgeschossenen Freund zu retten (wtf?), oder er rettet zwischendurch auf eigene Faust Freundin und Kinder in einer Privatmission vor den vorrückenden Deutschen. Die hölzernen Dialoge machen das ganze auch nicht wirklich besser. Das ganze erinnert mit dem kitschigem Krieg-Pathos sehr stark an Pearl Habor.

Was den Film – ähnlich wie Pearl Habor – trotz der dünnen Story streckenweise sehenswert macht, ist die visuelle Umsetzung. Durch die fantastischen Bilder der Luftkämpfe über der französischen Landschaft ist der Krieg ist in höchstem Maße ästhetisiert: Großes Ausstattungskino, rasante Jagdszenen unter glänzender Sonne, brennende Flugzeuge, explodierende Zeppeline, viel zu gucken.
Doch trotz aller imposanter Tricktechnik wirkt das ganze auf merkwürdige Art altbacken – die Großaufnahmen der tollkühnen Helden in den fliegenden Kisten mit Fliegerbrille und Lederhaube erinnern dann irgendwie doch wieder an alte Heinz Rühmann Filme in schwarzweiss.

Anders als Pearl Harbor ist Flyboys in den USA übrigens ziemlich gefloppt und hat mit 13 Mio Dollar Einspielergebnis nur einen Bruchteil der Kosten eingespielt. Trifft aber keinen Armen, angeblich hat Oracle Gründer Larry Ellison die Hälfte der 60 Millionen Dollar Produktion aus eigener Tasche bezahlt, damit sein Sohn David mitspielen darf.

Flyboys, USA 2006 – deutscher Kinostart: 10.05.2007
3/10 Punkte