I am Legend

“This is Ground Zero”.

I am Legend beruht auf dem gleichnamigen Roman
von Richard Matheson aus dem Jahre 1954, ist aber ganz eindeutig ebenso inspiriert von Danny Boyles Neo-Zombie Reißer “28 Days Later” aus dem Jahr 2000 (der mit 28 Weeks Later im letzten Jahr einen ebenso sehenswertes Sequel bekam).

Waren es bei 28 Days Later die klaustrophobischen Bilder eines entvölkerten London, ist es hier das ausgestorbene New York des Jahres 2012, dessen Plätze menschenleer sind, dessen Straßen schon von Unkraut überwuchert sind und wo der letzte Überlebende zwischen den Häuserschluchten eine Herde von wilden Hirschen jagt.

Der Film beginnt mit einem Kurzauftritt von Emma Thompson als Virusexpertin, die in einem Fernsehinterview optimistisch vom Sieg über den Krebs durch einen neuartigen umprogrammieren Virus spricht. In der nächsten Szene springen wir drei Jahre in die Zukunft und sehen ein verwüstetes und menschenleeres New York.

Robert Neville (Will Smith) hat es sich als letzter Überlebender sehr glaubwürdig in der menschenleeren Stadt eingerichtet: Versorgt mit einem Riesenvorrat an Konserven, Notstromaggregaten und Wassertanks lebt er mit seinem Hund in einer komfortablen Villa. Für frische Nahrung geht er in den Häuserschluchten von New York auf Wildjagd oder erntet frischen Mais im Central Park.

Aber die Idylle trügt. Der Virus stellte sich als eine tödliche Bedrohung heraus, der die Menschen nicht vom Krebs geheilt hat, sondern zu vampierartigen Wesen gemacht hat, die sich tagsüber verstecken, aber nachts fledermausartig über die Stadt herfallen. Nicht nur das Setting ist von 28 Days Later geklaut, auch die Auswirkung des Virus ist hier ganz ähnlich – die befallenen Lebewesen wirken wie Zombies auf Speed.

Über weite Strecken ist der Film erstaunlich still und ruhig. Für einen Hollywood Blockbuster untypisch wird auch nicht jede Szene in ein Soundtrack-Gewaber getaucht, sondern man sieht Will Smith minutenlang zu, wie er in seiner Wohnung mit seinem Hund auf dem Laufband trainiert oder Essen zubereitet, ohne dass gleich im Hintergrund ein Orchester einsetzt. Diese geradezu meditative Stille ist auch ein aus 28 Days Later übernommenes Stilmittel, das die die klaustrophobische Atmosphäre der entvölkerten Stadt unterstreicht. Beide Filme leben von quasi-dokumentarischen Szenen mit wackeliger Handkamera oder über pixelige Webcam.

Über Flashbacks, Zeitungsausrisse am Kühlschrank nebenbei laufende Nachrichtensendungen erfährt der Zuschauer immer mehr Details darüber, wie es zur Katastrophe kam. Sci-Fi mäßig üblich dürfen auch ein paar Anspielungen auf die nahe Zukunft nicht fehlen, wenn z.B. ein Kinoplakat den neuen Batman vs. Superman Film bewirbt.

Die Trickeffekte wie der fahrende Sportwagen im menschenleeren New York wirken für einen Blockbuster erstaunlich unecht und sehen eher nach einem (wenn auch zeitgemäßen) Computerspiel aus. Auch die Szenen, in denen Neville mit einem Maschinengewehr im dunklen Gebäuden gegen die Untoten kämpft, könnten 1:1 aus einem aktuellen Ego-Shooter stammen. Selbst die monsterähnlichen Wesen wirken wie aus Quake oder Doom geklaut.

Will Smith trägt den Film über weite Strecken ohne Unterstützung durch andere Darsteller und zeigt damit einmal mehr, dass er zu recht einer der höchstbezahlten Schauspieler ist. Er kann nicht nur tumbe Action-Szenen oder Comedies spielen, sondern auch die Verzweiflung eines von der Menschheit alleingelassenen Menschen rüberbringen, der zwischen Normalität und beginnendem Wahnsinn pendelt (auch wenn das einige ganz anders sehen).

Besser gut geklaut als schlecht selbst ausgedacht – I am Legend ist eine gelungene Neuauflage von 28 Days Later mit für einen großen Hollywood Blockbuster ungewöhnlich ruhigen Erzählweise, die sich nicht blind auf Special Effects verläßt. Erst gegen Ende überwiegt die (nicht wirklich überzeugende) CGI-Action und zerstört damit leider eine Menge der in der ersten Hälfte aufgebauten Atmosphäre. Wie schon Zombie-Altmeister George Romero in seinen letzten Filmen den Zombies einen Funken Intelligenz eingehaucht hat, sind auch hier die Infizierten keine tumben wankenden Gestalten sondern entwickeln sich zu gefährlichen Gegnern, die sogar Fallen stellen.

Wer hier letztlich von wem geklaut hat, sei mal dahingestellt, schließlich war 28 Days Later letztlich auch nur eine Weiterentwicklung von George Romeros Zombie-Filmen, und Romeros “Night of the Living Dead” wiederum stark von Mathesons “I am Legend” Roman inspiriert.

I am Legend, USA 2007 – deutscher Kinostart: 10.01.2008
8/10 Punkte
Advertisements

28 Weeks Later

“Welcome back to Britain”

Mit “28 Days Later” hat Regisseur Danny Boyle (Trainspotting, Sunrise) 2003 erfolgreich versucht, dem trashigen Zombie-Genre neue Impulse zu geben und einen “modernen” Genre-Thriller zu machen, der ohne halb verweste langsam rumtorkelnde Monster auskam. Die Zombies in diesem Film waren keine lahmen Untoten, sondern von einem Wut-Virus infizierte Menschen, die, einmal infiziert, wie auf Speed Jagd auf gesunde Menschen machten und innerhalb von 28 Tagen ganz London dahingerafft haben.

Teil 2 setzt nahtlos da an, wo Teil eins aufgehört hat: Wir sehen zu Beginn eine halbwegs friedliche Idylle einer Gruppe von Leuten, die sich in einem Cottage verschanzt und vor den Infizierten Schutz gefunden haben, darunter Don (Robert Carlyle, der Begbie aus Trainspotting) und seine Frau Alice (Catherine McCormack). Man wartet natürlich nur darauf, dass jeden Moment die Zombies Infizierten in diesen friedliche Rückzugsort einfallen, und genauso passiert es auch. Alle werden niedergemetzelt, alleine Don gelingt die Flucht vor der Zombiehorde, seine Frau läßt er zurück.

Was schon im ersten Teil fasziniert hat, waren die Szenen einer vom Virus entvölkerten Großstadt, und auch der Nachfolger 28 Weeks Later spielt mit diesem Szenario eines menschenleeren Landes: Großbritannien ist von Virus dahingerafft worden, die Infizierten verhungert, und Londons Wahrzeichen wie Tower Bridge, Wembley Stadion oder der Swiss-Re-Tower sind verlassen. Nach 28 Wochen beginnt eine von Amerikanern geleitete NATO-Truppe mit der Wiederansiedlung auf der Britischen Insel. Auf der Londoner Isle of Dogs hat das Militär den “District One” eingerichtet, in dem – abgetrennt vom Rest der Stadt und scharf bewacht von den US-Truppen – der Wiederaufbau der Zivilisation beginnen soll.

Don hat als einer der wenigen die vorangegangenen Wochen überlebt. In District One empfängt seine Kinder Tammy (Imogen Poots) und Andy (Mackintosh Muggleton), die während des Seuchenausbruchs im Ausland waren, und versucht, mit ihnen wieder ein normales Leben aufzubauen. Zunächst erscheint alles friedlich, doch – wie könnte es anders sein – der Virus ist noch nicht besiegt und beginnt plötzlich, sich mit rasender Geschwindigkeit im District One auszubreiten.

Danny Boyle hat diesmal nur produziert und die Regie dem Spanier Juan Carlos Fresnadillo überlassen. Während im ersten Teil die klaustrophobische Stille einer menschenleeren Großstadt weite Teile des Films prägte, hat Fresnadillo den zweiten Teil deutlich mehr auf Action ausgelegt: Wackelige Handkamera, harte Schnitte, hektische Verfolgungsjagden und Schießereien. Das ganze diesmal nicht in der B-Movie Optik des ersten Teils (der mit 5 Millionen Pfund eine echte low budget Produktion war), sondern durchaus auf Hollywood-Niveau. War allerdings in Boyles erstem Teil der Splatter-Faktor durch die schnellen Schnitte vergleichsweise gering und die Grusel-Atmosphäre auch ohne Blutorgien präsent, konnte sich Fresnadillo in Teil 2 einige sehr explizite Szenen nicht verkneifen. Schade, das wäre eigentlich unnötig gewesen, da der Film auch so über weite Strecken eine beklemmend finstere Stimmung erzeugt und bis zum Schluß ein rasantes Tempo hält.

Wie bei Romeros Land of the Dead kann man auch bei 28 Weeks Later eine Menge Gesellschaftskritik in das Blutgemetzel reininterpretieren. Die Bilder der amerikanischen Besatzungstruppen in Großbritannien, die vom allmächtigen Beschützer der Zivilbevölkerung zum Todeskommando degenerieren, drängen einen Vergleich mit dem aktuellem Weltgeschehen geradezu auf. Doch auch wenn einige Deutungsmuster sehr naheliegen, sollte man die Allegoriensuche nicht überstrapazieren. Letztlich ist das hier kein Autorenfilm, sondern ein düsterer Endzeit Grusel-Schocker, wenn auch ein sehr guter. Das Ende ist übrigens sehr stilecht und läßt viel Raum für Teil 3.

28 Weeks Later, Großbritannien 2007 – deutscher Kinostart: 30.08.2007
8/10 Punkte

Moon

“Helping you is what I do”.

In der nicht allzu fernen Zukunft hängt die Energieversorgung der Erde zum größten Teil von Helium-3 ab, das auf automatisierten Minen auf dem Mond abgebaut wird. Sam Bell (Sam Rockwell) ist einer der wenigen menschlichen Mondarbeiter, er überwacht alleine mit Hilfe von automatischen Erntemaschinen und Robotern eine komplette Rohstoffbasis. Er hat einen Dreijahresvertrag mit der Minengesellschaft abgeschlossen, und ist fast am Ende seiner Laufzeit angelangt. Die drei Jahre Einsamkeit haben ihn ein wenig schratig werden lassen, die Satellitenverbindung zur Erde ist gestört, so dass er nur zeitversetzte Videobotschaften mit seiner Frau austauschen kann. Sein einziger Gesprächspartner ist der Stationsroboter GERTY, der sich um sein Wohlbefinden kümmert.

Nachdem er bei einem verunglückten Reparatureinsatz in der Krankenstation wieder aufwacht, entdeckt Sam auf einmal eine weitere Person auf dem eigentlich menschenleeren Himmelskörper, die zu allem Überfluss wie er selbst aussieht. Zwischen Traum und Wahnvorstellungen hin- und herschwankend entdeckt Sam das dunkle Geheimnis der Mondstation.

Duncan Jones Erstlingswerk über den einsamen Mondarbeiter ist bedächtig und kammerspielartig inszeniert, eine sehr eindeutige Hommage an die großen Genrevorbilder wie 2001, Solaris oder Silent Running. Die Zitate werden geschickt zu einer ganz eigenen Story zusammengebaut. GERTY, der vermeintlich diabolische HAL-Klon, der Sam sanft aber bestimmt bevormundet, ist z.B. nicht so vorhersehbar wie anfangs zu befürchten.

Wirklich perfekt gelungen ist die Dopplung der Rolle des Sam, das Wechselspiel zwischen ein und derselben Person ist absolut stimmig, man hat in keiner Szene das Gefühl, dass hier getrickst wird. Was nicht zuletzt an der großartigen Leistung von Sam Rockwell liegt, der den Film vollständig trägt und es schafft, den Gegensatz zwischen den Protagonisten ohne jeden Zweifel rüberzubringen, auch wenn er den nach jahrelanger Einsamkeit schratig gewordenen Mondarbeiter ein wenig exaltiert spielt. Wunderschön ist auch Kevin Spacey Stimme des Stationsroboters GERTY, die ambivalent zwischen fürsorglich und diabolisch hin- und her schwankt.

Ausstattung und Kulissen sind perfekt, was gerade in Anbetracht des überschaubaren Budgets von 5 Mio Dollar beeindruckend ist. Auch die Außenaufnahmen und Trickeffekte sind zwar nicht atemberaubend, aber absolut passend. Einzig die Gestalt von Roboter GERTY wirkt ein wenig plumb für die moderne Sci-Fi-Technik. Die Idee, GERTYs Emotionen durch einen simplen Smiley auf einem Mini-Bildschirm zu simulieren, ist allerdings sehr nett.

Regisseur und Drehbuchautor Jones ist manchmal ein bisschen zu selbstverliebt in die eigene Inszenierung und gefällt sich deutlich in den Zitaten von Mondlandungsbildern oder Sci-Fi-Klassikern. Ganz nett ist, dass der Film die Pointe nicht erst am Ende verrät, sondern die Zusammenhänge schon nach dem ersten Drittel klar werden, und man den Rest der Zeit nicht mehr mit rumrätseln verbringen muss, sondern die Story bei der wirklich intelligenten Weiterentwicklung verfolgen kann. Ein schönes Gedankenexperiment, ohne Knalleffekte und Action inszeniert, schön zuende gedacht. Dennoch hat das ganze leider ein paar Längen, was vermutlich nur eine Hommage an den Langeweiler 2001 sein soll, aber trotzdem ein wenig ermüdend wirkt.

Der spärliche aber passend-atmosphärische Soundtrack wartet mit der netten Pointe auf , “I am the one and only” von Chesney Hawkes als wake-up call zu verwenden (und durch die Credits weiß ich jetzt auch, dass Nik Kershaw den Song geschrieben hat).

 

Moon, Großbritannien 2009
8/10 Punkte

Westworld

“The vacation of the future – today!”

Sich an die filmischen Ikonen seiner Jugend zu erinnern, kann bisweilen schwere Enttäuschungen mit sich bringen – echte  KIassiker bewahren aber auch noch nach Jahrzehnten ihre Attraktivität.

Michael Crichtons frühes Meisterwerk „Westworld“ ist einer der gruseligsten Filme, die ich aus meiner frühen Jugend in Erinnerung habe. Für den Sci-Fi-Klassiker hatte Crichton nicht nur das Drehbuch geschrieben, sondern auch selbst Regie geführt.

Szenen wie das säurezerfressene Gesicht von Yul Brunner, oder die gespenstisch pixelige Perspektive der Roboter, durch deren Augen immer wieder Einstellungen gezeigt wurden, haben sich für lange Zeit ins Gedächtnis gebrannt. Umso spannender zu erfahren, ob Crichtons Frühwerk auch heute noch die gleiche Faszination ausüben kann.

Wie in Jurassic Park zehn Jahre später entwirft Michael Crichton in Westworld 1973 eine absolut glaubwürdige Vision eines futuristischen Freizeitparks: Der Freizeitkonzern Delos hat mit Medieval World, Roman World, Western World drei Theme Parks für Erwachsene erschaffen, in denen die jeweiligen historischen Epochen zum Leben erweckt werden. Die Parkbesucher können an mittelalterlichen Ritterspielen oder römischen Gelagen teilnehmen. Westworld bietet im Wild West Setting alles, was das Cowboy-Herz begehrt: Sex, Alkohol, Saloon-Schlägereien und blutige Schießereien. Täuschend echt in Szene gesetzt durch authentische Kulissen und lebensechte Roboter, so dass den Gästen trotz aller Spannung nichts ernsthaft passieren kann – “It may look rough, but it’s still just a resort”. Bis das System aus dem Ruder läuft, und die Roboter ein brutales Eigenleben entwickeln…

Westworld beginnt in bewußt entspannten Erzähltempo. Wir sehen die beiden Protagonisten Peter (Richard Benjamin) und John (James Brolin) auf dem Weg in die Ferienanlage, durch futuristische Korridore und Transportmittel. Und werden gemächlich eingeführt in die fantastische Welt von Delos, vor allem der Western World, die einer alten Westernstadt des 19. Jahrhunderts nachempfunden ist, nur das hier die Bewohner durch lebensechte Roboter repräsentiert werden. Peter und John amüsieren sich im Saloon oder im Bordell, planen Gefängnisausbrüche und werden immer mal wieder in Schießereien verwickelt mit dem düsteren Gunslinger (Yul Brunner), der aber auch nach erfolgreichem Niederstrecken am nächsten Morgen wieder als Gegner bereitsteht, weil er über Nacht vom Delos-Team wiederhergestellt wurde.

Von den Delos-Werbespots über die futuristische Anreise mit einem Luftkissenboot bis zur unterirdischen Administrationsebene, in der die Roboter repariert werden, ist die Inszenierung dieses Sci-Fi-Parks konsequent und äußerst glaubwürdig umgesetzt. Für damalige Verhältnisse revolutionär ist der Einsatz digitaler Effekte, wie die eingangs erwähnten Szenen aus Robotersicht, in der das Bild grobpixelig aufgelöst ist. Natürlich wirken viele der Sci-Fi Elemente aus heutiger Perspektive etwas altbacken: wild blinkende Kontroll-Lampen, dicke Röhrenmonitore, rotierende Magnetbänder, etc. , aber diese Retro-Sci-Fi Optik ist sehr stylish und konsistent, und hat aus heutiger Sicht ja schon wieder einen ganz eigenen Appeal.

Crichton schafft es geschickt, die anfangs locker-entspannte Atmosphäre immer bedrohlicher wirken zu lassen – der comic relief, der zu Beginn noch durch spleenige Parkbesucher oder klamaukig übersteigerte Saloon-Schlägereien eingesetzt wird, verschwindet zusehends in der düsteren Atmosphäre eines von Robotern kontrollierten Geschehens, in dem die menschlichen Besucher zu Gejagten werden. Auch wenn die Special Effects, etwa das eingangs erwähnte säurezerfressene Gesicht des Gunslinger, aus heutiger Perspektive nicht mehr ganz so beeindruckend sind, schafft es Westworld auch heute noch, die Spannung und Atmosphäre aufrechtzuerhalten. Die gruselige Stimmung wird unterstützt durch einen düstereren und sehr reduzierten Soundtrack.

Yul Brunner als schwarz gekleideter Gunslinger ist brillant. Mit leuchtend kalten Augen und reduzierter Mimik läuft er wie ein unaufhaltsames Uhrwerk seiner tödlichen Bestimmung entgegen. Gunslinger ist ein fortgeschrittenes Modell, das kaum zu besiegen ist und auch nach scheinbarer Zerstörung immer wieder aufzuerstehen scheint. Diese Figur, optisch angelehnt an Brunners Rolle im Western The Magnificent Seven, war u.a. die Vorlage für John Carpenters Michael Myers in Halloween, läßt sich aber auch in der Dramaturgie der Terminator-Filme wiederfinden.

Das von Crichton erdachte Tunnelsystem unter dem Freizeitpark, durch das vom Parkbesucher unbemerkt die Logistik des Freizeitparks abgewickelt wird, defekte Roboter repariert werden und das Geschehen gesteuert wird, ist in Ansätzen übrigens tatsächlich in Disney World realisiert worden. Crichton wiederum bekam die Idee zu Westworld angeblich nach einem Besuch von Disneyland, wo er von den dortigen lebensechten Animatronic-Figuren begeistert war. Die Ironie daran ist, dass ich diese animierten Puppen in Disney World, die eigentlich kitschig-familienorientierte Disney-Unterhaltung sein sollen, ziemlich gruselig fand, weil sie mich zu sehr an die wildgewordene Roboter aus Westworld erinnerten.

Westworld ist auch heute noch großes Kino. Der Stellenwert in der Filmgeschichte wird nicht zuletzt dadurch deutlich, dass es ein Sequel (Futureworld, mit Peter Fonda und Yul Brunner) und eine (mäßig erfolgreiche) Fernsehserie (Beyond Westworld) als Spin-Off gab. Ein seit 2007 angekündigtes Remake, für das Arnold Schwartzenegger im Gespräch war, ist bislang nicht umgesetzt worden. Mittlerweile plant HBO eine von J.J. Abrams produzierte TV-Serie auf Basis von Westworld.  Crichton selbst hatte eine Beteiligung an einem Remake angeblich abgelehnt mit den Worten: “I already remade that movie; the remake was called Jurassic Park”.

Westworld, USA 1973
10/10 Punkte