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Stop-Loss

“With all due respect, sir, fuck the President!”

Der Irak-Krieg zieht sich mittlerweile schon so lange hin, dass er als Stoff für Verfilmungen dient, noch bevor er Geschichte geworden ist. Vergingen nach dem Vietnamkrieg noch einige Jahre, bis Hollywood den Krieg Ende der Siebziger mit The Deer Hunter oder Apocalypse Now als Thema entdeckte, gab es zum aktuellen Irak-Krieg bereits eine komplette Fernsehserie, und mehrere Spielfilme, zuletzt den sehenswerten In the Valley of Elah von Paul Haggis.

Stop-Loss beginnt mit Kampfszenen im Irak, die auch eine Folge der Irak-Kriegsserie Over There sein könnten. Wir begleiten eine Gruppe von US-Soldaten bei ihrer Routinearbeit, einen Checkpoint an einer Ausfallstraße zu bewachen. Urplötzlich eskaliert die angespannte Situation, und Sg. Brandon King (Ryan Phillipe) wird mit seiner Einheit in einen tödliche Häuserkampf verwickelt. Wie nahe Heroismus und Kriegsverbrechen beieinanderliegen, zeigt eine Szene, in der Brandon seinen verletzten Kameraden Steve (Channing Tatum) auf eigene Faust aus einem Haus rettet, dabei aber neben einigen feindlichen Kämpfern mit einer Granate auch eine ganze Familie auslöscht.

Die Kriegsoptik in staubig-blutigen Wackelkamera-Bildern ist aber nur der Auftakt zum eigentlichen Geschehen, dass an der Heimatfront spielt. Bei der Rückkehr der Soldaten in die USA beginnt zunächst alles wie im Bilderbuch der Armee: Die texanische Heimatstadt bereitet den Heimkehrern einen glorreichen Empfang mit Parade und feiert sie als Helden, die tapferen Soldaten werden mit Orden behängt, und die Gefallenen ehrfürchtig betrauert.

Aber dabei bleibt es natürlich nicht, die Schrecken der Kriegserlebnisse holen die Veteranen ein. Steve gräbt sich volltrunken nachts im Vorgarten ein, weil er sich noch im Krieg wähnt. Tom (Joseph Gordon-Levitt, aus The Lookout) fängt unprovoziert Schlägereien an und schießt Stück für Stück die Hochzeitsgeschenke mit einer Schrotflinte zu Schrot, weil seine Frau ihn rausgeschmissen hat. Einzig Brandon hat sich halbwegs im Griff, er hat seinen Ausstieg aus der Armee klar vor Augen. Als er am vermeintlich letzten Tag seine Papiere zurückgeben will, erhält er aber aus heiterem Himmel wieder einen Marschbefehl in den Irak, seine Kündigung ist aufgrund des laufenden Krieges widerrufen worden (”you’ve been stop-lossed”). Stop-Loss ist eine höchst umstrittene aber gängige Praxis der US-Armee, die seit 2002 bereits knapp 60.000 Soldaten betroffen hat.

Ab hier verläßt Stop-Loss die üblichen Pfade eines Heimkehrerdramas. Die psychischen und physischen Verletzungen der Kriegsveteranen bleiben zwar ein bestimmendes Thema, aber die Hauptfigur Brandon ist durch den Krieg keine explodierende Zeitbombe wie Vietnam-Heimkehrer John Rambo geworden. Bis hier ein patriotischer Kriegsheld, entschließt sich Brandon zu desertieren, weil er erkennt, dass die Armee ihm seinen Einsatz nicht dankt und sich nicht an die eigenen Abmachungen hält – er desertiert nicht aus mangelnder Vaterlandsliebe oder Angst vor dem Kriegsgrauen, sondern weil er sich betrogen fühlt (”I ain’t scared, i am pissed off”).

Das Kriegsgeschehen im Irak wird immer mal wieder in Form von Videoaufnahmen eingebaut, die die Soldaten selbst gemacht haben – ein zwar effektives aber mittlerweile etwas abgegriffenes Stilmittel moderner Kriegsfilme. Hier allerdings nochmal in der gesteigerten Form, dass die Soldaten ihre Videos MTV-gerecht schneiden und mit Gangsta-Rap unterlegen (Stop-Loss ist übrigens eine MTV-Films Coproduction).

Ryan Phillippe, der vor kurzem noch in Flags of Our Fathers eine sehr ähnliche Rolle als heimkehrender Kriegsheld – nur ein paar Kriege früher – gespielt hat, macht seine Sache sehr überzeugend. Der anfangs sehr schlichte Sg. King wird durch ihn eine differenzierten Figur mit einer nachvollziehbaren Entwicklung, die eher zufällig zum Helden wird und zwischen naivem Patriotismus und Widerstand gegen die Ungerechtigkeiten des Systems schwankt. Auch der übrige Cast ist gut besetzt, neben den männlichen Protagonisten überzeugt Abbie Cornish als etwas schlichte desillusionierte Soldatenbraut Michelle. In einer Nebenrolle ist mal wieder der überaus wandlungsfähige Timothy Olyphant als kumpelhafter aber kompromissloser Vorgesetzer Lt. Col. Miller zu sehen.

Der Aufhänger von Stop-Loss ist die amerikanische Rekrutierungspraxis, transportiert daneben aber eine ganz ähnliche Aussage wie In the Valley of Elah: Wie der Krieg aus unschuldigen jungen Männern psychische Wracks macht, die in der Realität nicht mehr zurecht kommen. Dies aber nicht als das 08-15 Heimkehrerdrama, als das es zwischenzeitlich scheint. Die Geschichte ist erstaundlich unpatriotisch, umso erstaunlicher, weil hier nicht, wie bei In the Valley of Elah ein Außenseiter (der Kanadier Paul Haggis) Regie geführt hat, sondern Stop-Loss eine durch und durch amerikanische Produktion ist. Der Film zeigt entlarvende Situationen, etwa wie im texanischen Bierzelt über den Irakkrieg philosophiert wird: Hier geht es nicht mehr um “Befreiung” des irakischen Volkes, sondern es werden einfache “Lösungen” gefordert, um den Konflikt zu lösen: Z.B. bei Gegenwehr einfach ganze Städte zu zerbomben, “to send them right back to bible times”.

Nicht verwunderlich, dass ein Film mit einer solch unpatriotischen Botschaft beim US-Publikum gefloppt ist (wie übrigens auch In the Valley of Elah), und wohl deswegen bei uns gleich als DVD-Premiere erschienen ist.

Stop-Loss, USA 2008 – deutscher DVD-Start: 14. 08.2008
8/10 Punkte
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Vollidiot

Oliver Pocher hat mit Paris Hilton gemeinsam, dass keiner so genau weiss, was er eigentlich macht, aber jeder ihn kennt. Seine eigenen Shows waren nur mäßig erfolgreich, richtig bekannt wurde er eher als “Wetten Dass”-Außenreporter, ständiger Gast bei Raab & Co., und natürlich durch seine penetrante Mediamarkt Werbung (die übrigens durchaus ihre Höhepunkte hatte, z.B. der WM-Spot, in dem Pocher den Weltmeisterpokal in einen holländischen Wohnwagen hält und in Rudi Carell Manier “das wäre Ihr Preis gewesen” ausruft).

Und nun also Schauspieler. Die Geschichte ist als Buch seit einiger Zeit in den Bestsellerlisten: Tommy Jauds “Vollidiot” macht da weiter, wo Stuckrad-Barre mit Soloalbum vor fast zehn Jahren als Popliterat angefangen hat. Neue deutsche Beziehungskomödie, Popcorn-Literatur , nichts wirklich neues oder aufregendes. Und genauso fühlt sich der Film auch an. Irgendwie hat man das alles bei Popliteraturverfilmungen wie Soloalbum, Liegen Lernen oder Herr Lehmann schon gesehen: Simon geht auf die Dreissig zu, ist vor einem Jahr von seiner Freundin verlassen worden, und nun als frustrierter Single auf Beziehungssuche. Sein Job als Telefonverkäufer deprimiert ihn, der Gerichtsvollzieher droht mit Zwangsvollstreckung, und das einzige was ihn noch aufrecht hält ist, dass sein übergewichtiger Freund Flik noch weniger Chancen bei Frauen hat als er. Das Blatt scheint sich zu wenden, als er in einem Coffeeshop seine vermeintliche Traumfrau Marcia entdeckt. Doch jetzt beginnen die Probleme erst: wie kann er Marcia dazu bringen, ihn zu heiraten, mit ihm zahlreiche Kinder zu zeugen, und vor allem: ihn erstmal überhaupt zu bemerken…

Toby Baumann, der schon mit “Der Wixxer” gezeigt hat, dass er an den Kinokassen erfolgreiche Komödien drehen kann, schafft es, dem nicht gerade brandneuen Komödiensetting ein paar neue Ideen einzuhauchen. Ganz witzig z.B. die fiktiven n-tv-Nachrichten, die immer mal wieder hochoffizielles vermelden wie “Simon denkt für ein paar Sekunden nicht an sich”.
Andere Szenen wirken dann leider wieder ziemlich angestaubt: Witze über Pärchen bei Ikea oder Bestellorgien bei Starbucks hat Harald Schmidt schon vor zehn Jahren gemacht, vor fünf Jahren waren sie bei Thomas Hermanns schon nicht mehr lustig, aber mittlerweile, nachdem jeder Nachwuchscomedian diese Szenen schon mal in seinem Bühnenprogramm hatte, geht das gar nicht mehr. Ärgerlich auch das dreiste Product Placement – und zwar gar nicht mal die zur Geschichte gehörende Ikea-Dauereinblendung oder den echten Pocher-Mediamarkt-Spot, der einmal im Hintergrund im Fernsehen läuft. Aber dass Heineken, Easyjet und Co. das Produktionsbudget unterstützt haben, konnte man nicht erst im Abspann erkennen. Okay, bei James Bond ist das noch viel direkter, aber abgesehen davon dass es da schon wieder so professionell gemacht wird, dass es dazugehört, läßt sich James Bond auch nicht noch gleichzeitig von der deutschen Filmförderung sponsern.

Wie bei deutschen Komödien üblich wimmelt es von Gaststars und Cameos (Enttäuschend unlustig: Anke Engelke und Herbert Feuerstein), die Gagdichte ist hoch und – wenn man sich am Brachialhumor a la Pocher – nicht stört, ist das ganze durchaus unterhaltsam.

Vollidiot, Deutschland 2007 – Kinostart: 12.04.2007
7/10 Punkte
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You kill me

“Sie sind nicht schwanger, oder?” – “Nein, außer Sie hätten was in meine Frühlingsrolle getan”

Filme über Profikiller und ihre Probleme im Job haben eine lange Tradition (siehe z.B. Léon oder auch Pulp Fiction), und sind aktuell wieder sehr angesagt. Neben In Bruges, der sich um zwei gescheiterte Killer dreht, die in Belgien untertauchen müssen, handelt auch You Kill Me von einem Hitman, der nach einem gescheiterten Auftrag für eine Zeit seinen Job an den Nagel hängen muss.

Frank Falenczyk (Ben Kingsley) erledigt nicht nur die blutigen Aufträge für die polnische Mafia, er ist auch Alkoholiker, was dazu führt, dass er in seinem Job immer wieder patzt. Als er den geplanten Mord an einem konkurrierenden irischen Mafia-Boss wegen Trunkenheit einfach verschläft, schickt ihn sein Chef aus dem verschneiten Buffalo nach San Francisco, um dort eine Entziehungskur bei den Anonymen Alkoholikern zu machen. Seine Mafia-Familie besorgt ihm eine Wohnung und einen Job bei einem Bestattungsunternehmen (”sogar fast deine Branche”, wie der Aufpasser süffisant feststellt).

Nach anfänglichen Widerständen gewinnt Frank Gefallen an der Vorstellung, sein Leben wieder in den Griff zu bekommen. Durch seinen Job als Bestatter lernt er die hübsche Laurel (Téa Leoni) kennen, und bei den Anonymen Alkoholikern freundet er sich mit dem biederen Dave (Bill Pullman, der US-Präsident aus Independence Day) an. Er erzählt den beiden (und seiner Selbsthilfegruppe) von seinem Job als Profikiller und erntet überraschenderweise Verständnis für seine Probleme. Franks Ziel ist es aber nicht, nun ein ganz anderer Mensch zu werden und neben dem Trinken auch mit dem Töten aufzuhören. Er will vielmehr vom Alkohol loskommen, um wieder in seinem alten Job erfolgreich zu werden. Auf dem Weg dorthin entdeckt er auch seine Killer-Ehre wieder. So verschickt er als Wiedergutmachung Geschenkgutscheine an die Hinterbliebenen seiner Opfer, die er wegen Trunkenheit nicht sauber umgebracht hat und die daher unnötig leiden mussten.

Der Gegensatz zwischen brutalen Killerhandwerk und banalen Alltags- und Beziehungsproblemen ist die Grundlage für viele Lacher und skurrile Situationen. Ben Kinsley als glatzköpfiger stoischer Killer, der sich widerwillig mit seinem neuen Leben in San Francisco anfreundet, spielt unprätentiös und sehr reduziert. Téa Leoni (die schon als zickige Hausfrau in Spanglish überzeugt hat) passt hervorragend an seine Seite und spielt ebenso spröde und mit trockenem Humor.

Für einen Film über Auftragskiller wird erstaunlich wenig geschossen, dafür umso mehr geredet. You Kill Me ist ein sehr leiser und ruhiger Film, dessen subtile Dialoge ein wenig mit dem teilweise etwas derben Humor über die Arbeit im Leichenschau oder bei den Anonymen Alkoholikern kollidieren. Aber die Story ist erfrischend unkonventionell und schafft es immer wieder, zu überraschend. Sehenswert.

You kill me, USA 2007 – deutscher Kinostart: 12.6.2008
7/10 Punkte
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Zusammen ist man weniger allein (Ensemble c’est tout)

“Zusammen ist man weniger allein” erzählt von vier ganz unterschiedlichen Personen, die sich in der Anonymität der Großstadt zusammenfinden, um… tja… weniger allein zu sein. In der Verfilmung des gleichnamigen Romans von Anna Gavalda macht Audrey Tautou wieder das, wofür sie sie seit “Amélie” berühmt ist: eine verhärmte, leicht dem Leben entrückte Frau zu spielen, die die meiste Zeit mit großen Rehaugen in die Kamera schaut. War der überschätzte Amélie aber wenigstens noch unterhaltsam und hatte ein paar witzige Ideen, ist der neue Film mit Fräulein Tautou nur noch eine Ansammlung von hohlen Klischees, verbunden durch endloses Gerede.

Da hätten wir zunächst die Oma (Françoise Bertin), die nicht ins Heim will, und eigentlich nur in Ruhe in ihrem eigenen Haus ihren Frieden finden will. Dann die vom Leben enttäuschte Camille (Audrey Tautou), die sich nicht traut, eine richtige Beziehung einzugehen, sondern lieber unverbindlichen Sex hat. Den selbstzerstörerischen motorradfahrenden Macho Franck (Guillaume Canet), der sich mit Drogen, Alkohol und schnellen Affären betäubt, um sein leeres Leben zu füllen, dabei aber natürlich eigentlich nur die große Liebe sucht. Und schließlich den stotternden und menschenscheuen Sonderling Philibert (Laurent Stocker), der sich nur seinen Ängsten stellen muss, um vom Postkartenverkäufer zum umjubelten Theaterschauspieler zu werden.

Das alles wäre schon schlimm genug, aber Regisseur und Drehbuchautor Claude Berri traute sich wohl nicht, diese Aneinanderkettung sentimentaler Belanglosigkeiten bis zum Ende vor sich hin plätschern zu lassen, sondern setzt dem ganzen am Schluß ein dermaßen zuckersüßes und vor Kitsch triefendes Ende auf, dass man Zahnschmerzen bekommt. Die Trennungs-/ Versöhnungsszene auf dem Bahnhof hatte man vermutlich bei “Schlaflos in Seattle” rausgeschnitten, weil sie zu cheesy war, und Berri hat sie dankend wieder aus dem Mülleimer geholt. Naja, aber warum nicht, auch die Tatsache, dass man schon in den ersten fünf Minuten weiß, wer da am Ende wen bekommt (magersüchtige Frau trifft auf Koch, zwinker, zwinker), hat man sich aus den plattesten romantic comedies Hollywoods abgeschaut. Neenee, wenn schon romantisch, dann lieber gleich Hugh Grant & Co, das ist wenigstens ehrlich, und nicht so eine verlogene Pseudo-Arthouse Geschichte.

Über 90 Minuten vor sich hin plätscherndere Belanglosigkeit, die in rührseligem Kitsch endet und wohl nur für Hardcore-Frankophile oder Audrey-Tatou-Verliebte erträglich ist.

Zusammen ist man weniger allein (Ensemble c’est tout), Frankreich 2007 – deutscher Kinostart: 16.08.2007
3/10 Punkte
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You don’t mess with the Zohan (Leg dich nicht mit Zohan an)

“You have caught so many terrorists – it’s an art. Like Rembrandt with a grenade”

Ich erwähnte bereits, dass ich Adam Sandler nicht besonders mag. Dennoch hat mich der Trailer zu seinem neuen Streifen neugierig gemacht. Nach dem sehr ernsten Drama “Reign over Me” ist er mit “You Don’t Mess with the Zohan” mal wieder ins Komödienfach gewechselt, diesmal aber in eine selbst für seine Verhältnisse überdrehte Version. Er spielt nicht nur die Hauptrolle, sondern hat auch zusammen mit Judd Apatow (40 Year old Virgin, Knocked up) und Saturday Night Live Autor Robert Smigel das Drehbuch geschrieben und produziert.

Zohan ist eine Mischung aus Borat, James Bond, Superman und Leslie Nielsen. Er ist der Topagent der Israelischen Armee, der immer wieder für gefährliche Spezialeinsätze gerufen wird. Aber Zohan hat genug davon Terroristen hinterherzujagen. Zuhause schaut er sich lieber Bildbände von Paul Mitchell an und träumt von einer Karriere als Friseur: “There is other things I can do besides war”. Er geht nach New York, und da ihn im Paul Mitchell Flagship Store niemand beschäftigen will, fängt er in einem schäbigen palestinensischen Friseurladen in einem israelisch-arabischen Viertel in Lower Manhattan an. Dort beglückt er die älteren Damen nicht nur mit 80er Jahre Haarschnitten, sondern nebenbei auch noch mit erotischen Dienstleistungen. Und verliebt sich natürlich in die schöne Salonbesitzerin (Emmanuelle Chriqui). Die Lovestory des Undercover-Einwanderers auf Freiersfüßen in New York hat ein bisschen was von Prinz aus Zamunda. Aber, Zohan ist kein Prinz, sondern Agent, und diese Vergangenheit holt ihn natürlich auch in New York ein, als sein alter palestinensischer Widersacher Phantom ihn findet.

Die absurd-komischen Szenen erinnern an Naked Gun und andere Spoof Movies, auch hier bewegt sich der Humor zwischen brillant komisch und überdreht albern. Da wird auch schon mal mit einer Granate Beachball gespielt, beim “Hisbollah Customer Service” angerufen oder es werden unorthodoxe Liebeserklärungen gemacht (”I will only be stiff for you”). Zohan ist nicht nur angehender Friseur, sondern auch noch sexbesessen, so dass sich ein Großteil der Jokes um Anzüglichkeiten und Obzönitäten dreht – hier schlägt der Albernheitsfaktor oft ein wenig über die Stränge.

Deutlich unterhaltsamer ist der erfrischend respektlose Umgang mit dem Nahostkonflikt, jüdischen Bräuchen und arabischen Terroristen-Klischees. So diskutiert Zohan in einer überdrehten Actionszene mit einem arabischen Terroristen mal eben die Komplexität der Israel-Frage (”So we are the bad ones? Come on, it’s not so cut and dry”). So amüsant hat man das zuletzt in der zu unrecht gefloppte Satire American Dreamz gesehen, wo es ein Araber war, der vom Terror genug hatte und lieber Musical-Star in Amerika werden wollte (oder, deutlich schlechter, auch in Postal).

Natürlich will Don’t mess with the Zohan neben all dem Klamauk auch eine einfach Botschaft vermitteln: Dass Araber und Israelis auch nur Menschen sind und sich vertragen können, so wie sie es in der New Yorker Nachbarschaft bereits tun. Und dort nur noch darüber streiten, ob Hillary Clinton, Cindy McCain oder Michelle Obama die heißere Frau ist. Und alle zusammen lieben Maria Carey.

Zohan ist die große Adam Sandler Show. John Turturro als Gegenspieler Phantom oder Emmanuelle Chriqui als bildhübsche palestinensische Salonbesitzerin sind nur schmückendes Beiwerk. Wie in solchen Filmen üblich, gibt es natürlich auch eine Menge Cameos, von Maria Carey über John McEnroe bis hin zu George “Mr. Sulu” Takei (der sein Coming Out noch mal sehr öffentlich macht). Der zugrundeliegende Joke des Topagenten, der nur Friseur sein will, wirkt zum Ende hin ein bisschen ermüdend, aber man merkt dem Team an, wieviel Spaß es an seinem respektlosen Treiben gehabt hat.

You don’t mess with the Zohan (Leg dich nicht mit Zohan an), USA 2008 – deutscher Kinostart: 14.08.2008
7/10 Punkte
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Valkyrie (Operation Walküre)

“Any problem on Earth can be solved with the careful application of high explosives.”

Widerstand ist zwecklos – kann aber ganz unterhaltsam sein. So etwa läßt sich Tom Cruises Stauffenberg Drama Valkyrie auf den Punkt bringen. Was ist nicht alles im Vorfeld des Films gemutmaßt worden: ein trivialer Action-Reißer, der das Dritte Reich als Kulisse mißbraucht; ein bahnbrechendes Werk, das das Bild der Deutschen in den USA auf Jahre positiv beeinflussen wird; oder krude Scientology Propaganda, mit der Tom Cruise den Glanz der heroischen Widerstandskämpfer auf seine Sekte übertragen wolle.

Was daraus tatsächlich geworden ist, war bei der Besetzung aber eigentlich naheliegend: Blockbuster-Spezialist Bryan Singer (X-Men, Superman Returns) hat aus der zugrundeliegenden filmreifen Geschichte ein solides spannungsgeladenes Actiondrama auf Hochglanzniveau gemacht, das professionell und technisch einwandfrei produziert ist. Dabei schafft es Singer erstaunlicherweise sogar, trotz bekanntem Ausgang (soviel sei verraten: Hitler überlebt, Stauffenberg nicht) einen Spannungsbogen aufzubauen und die Geschichte fesselnd zu erzählen.

Das Nazi-Setting dient dabei keineswegs nur als Kulisse einer banalen Action-Story, man merkt dem Film aber an, dass er diese Kulisse zumindest bereitwillig auskostet. Die Kamera saugt sich geradezu fest an den Naziuniformen, schwarzen Stiefeln, leuchtend roten Hakenkreuzfahnen und militärischen Aufmärschen. Wenn Major Remer in einem riesigen Schwimmbad mit Hakenkreuz-Intarsien gezeigt wird, oder die Kamera vor dem SS-Hauptquartier durch ein rotes Fahnenmeer taucht, ist der Film durchaus nicht weit entfernt von der vielzitierten Riefenstahl-Optik. Auch die Szenen, in denen Adolf Hitler himself dämonisch von unten gefilmt auf der Leinwand erscheint, lassen die ganze Inszenierung sehr nahe an “nazi porn” rücken (o Gott, was mir das jetzt wieder für Google-traffic einbringt), der unbekümmert auf die Sensationslust und Faszination der Anglo-Amerikaner mit dem Dritten Reich abzielt.

Natürlich ist das kein Guido Knopp Doku-Drama, und in seiner Hollywood-Sprache auch weit entfernt von penibel um Authentizität bemühten deutschen Geschichtsverfilmungen. Bryan Singer neigt erwartungsgemäß nicht zu Subtilität und Differenzierung, sondern teilt mit der groben Kelle aus, es wird recht schamlos trivialisiert und emotionalisiert, zugespitzt und dramatisiert. Und das ist auch ok so, schließlich geht es hier nur in zweiter Linie um Aufklärung und historische Aufarbeitung, in erster Linie aber um Unterhaltung. Dennoch merkt man dem Film an, dass er bei den historischen Fakten halbwegs sauber sein wollte, auch auf Kosten einer nicht ganz so leichtverdaulichen Actionkost: Die Zahl der Protagonisten ist für einen Blockbuster verwirrend hoch, die Story um Einsatzbefehle, Ersatzheer, konkurrierende NS-Organisationen und Befehlsränge für einen historisch völlig unbelasteten Kinogänger durchaus komplex, und man verzichtet auch weitgehend auf die sonst üblichen Standardzutaten eines Blockbusters wie einer reingedichteten Love Story des Helden mit einem attraktiven weiblichen Co-Star (wobei Carice van Houten als Nina von Stauffenberg durchaus hübsch anzusehen ist).

Ganz so trivial hat Singer die Geschichte denn eben nicht heruntergebrochen. Er ist sich der Besonderheit der Stauffenberg’schen Verschwörertruppe sehr bewußt und thematisiert den Konflikt, dass es sich hier nicht um “natürliche” Regimegegner wie Kommunisten oder (Sozial-)Demokraten handelte, sondern um nationalkonservative Kreise, die durchaus nicht zu den Verlierern des Regimes gehörten, sondern es bis in die oberen Führungskreise gebracht hatten. Stauffenberg war kein tadelloser Demokrat, sondern zunächst durchaus ein Unterstützer des Systems mit aus heutiger Sicht nicht gerade politisch korrekten Ansichten. Aber gerade das macht die Faszination aus: Für Stauffenberg und seine Mitstreiter war es keine Trivialität, den geleisteten Eid auf Land und “Führer” zu brechen und etwas zu tun, was auch aus ihrer Perspektive Hochverrat war. Diesem Zwiespalt trägt der Film Rechnung und spricht den inneren Konflikt deutlich an.

Was der Film gut macht, ist trotz naheliegender Glorifizierung Stauffenbergs die Guten und Bösen in dieser Geschichte nicht nur schwarz/weiss zu zeichnen. Beispielsweise wird Otto Ernst Remer, ein überzeugter Nazi, der eine entscheidende Rolle bei der Niederschlagung des Aufstandes spielte, nicht als böses Monster gezeigt, sondern hat sogar einige der wenigen Lacher des Films auf seiner Seite. Friedrich Olbricht hingegen, einer der Drahtzieher des Zwanzigsten Juli, erscheint zeitweilig als ängstlicher Zauderer, der den Erfolg der ganzen Aktion gefährdet.

Die differenzierten Figuren leben natürlich auch von der erstklassige Besetzung, und damit meine ich in erster Linie nicht Tom Cruise, der seine Sache zwar routiniert, aber nicht überragend macht. Es sind vor allem die zwielichtigen Gestalten wie Bill Nighy, der den zögerlichen General Olbricht spielt, Tom Wilkinson als opportunistischer General Fromm, oder auch Thomas Kretschmann als dem Regime treu ergebener Major Remer, die schauspielerisch herausragen. Auch Kenneth Branagh und der auf Nazi-Rollen abonnierte Christian Berkel (Der Untergang, Flammen&Citronen, Black Book) sind gut besetzt. Darüber hinaus gibts in kleinen Nebenrollen noch diverse deutsche Nachwuchsstars wie Matthias “Roter Baron” Schweighöfer und Wotan Wilke Möhring zu entdecken.

Ob Valkyrie über die Kinosaison hinaus irgendeinen Einfluß haben wird, und gar das Deutschlandbild im Ausland nachhaltig positiv beeinflußt, sei mal dahingestellt (wobei man die gesellschaftlichen Auswirkungen vermeintlich trivialer Popkultur nicht unterschätzen sollte). Was bleibt sind in jedem Fall zwei Stunden gut gemachte Unterhaltung, die die zugrundeliegenden historischen Fakten mit dem notwendigen Respekt behandelt.

Valkyrie (Operation Walküre), USA 2008, deutscher Kinostart: 22.1.09
8/10 Punkte
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Premonition (Die Vorahnung)

“Something is seriously fucked up!”

Das beschauliche Leben der Hausfrau und Mutter Linda Hanson (Sandra Bullock) wird schlagartig aus der Bahn geworfen, als ein Polizist vor ihrer Tür steht und ihr mitteilt, dass ihr Mann Jim (Julian McMahon) bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen ist. Sie hat die Nachricht vom Tod ihres Mannes noch kaum verarbeitet, als sie am nächsten Morgen aufwacht und Jim auf einmal wieder quicklebendig am Frühstückstisch steht, und niemand etwas von einem Unfall weiss. Zunächst glaubt Linda, das alles nur ein böser Traum gewesen sei, aber am folgenden Tag wacht sie auf und findet sich inmitten der Trauervorbereitungen für die Beerdigung ihres Mannes wieder.

Premonition läßt einem längere Zeit im Dunkeln darüber, ob wir hier einer Wahnvorstellung oder einem Alptraum zusehen, welche Momente real oder nur fantasiert sind, und ob es hier um Aliens, Drogenrausch oder Risse im Raum-Zeit Kontinuum geht. Nachdem das Springen zwischen den verschiedenen Zeiten/Realitäten zur Mitte des Films hin langsam anstrengend wird und man sich eher genervt als gespannt fragt, wann/wo Linda denn das nächste Mal aufwacht, bekommt die Story den entscheidenden Dreh, indem Linda durchschaut, was die Hintergründe ihrer “Vorahnungen” sind. Damit es auch der letzte Zuschauer versteht, der die Puzzlestücke noch nicht selbst zusammenbauen konnte, malt die Protagonistin nochmal alles ordentlich auf ein Flipchart auf, dass sie dann immer mit sich rumträgt und ergänzt, sobald ein weiteres Puzzlestück bekannt wird. Ab diesem Zeitpunkt gewinnt der Film wieder an Fahrt, weil Linda nun nicht mehr die verstörte Getriebene ist, sondern selbst in den weiteren Verlauf eingreift und zur handelnden Person wird.

Der deutsche Regisseur Mennan Yapo hat sein US-Regiedebüt fast kammerspielartig inszeniert – 90% des Films spielen im Haus der Familie Hanson. Da weder bei Drehorten und Effekten, noch bei den Schauspielern viel Geld in die Hand genommen wurde (Sandra Bullock ist der einzige echte Star weit und breit), war Premonition wohl eine ziemliche low budget produktion. Das merkt man dem Film zumindest auf den ersten Blick aber nicht an. Der Film kommt fast vollständig ohne Gewalt, Splatter und Effekte aus, schafft es aber durchaus, durch Inszenierung und stimmige Musikuntermalung Spannung aufzubauen und zu halten.

Ein ganz kluger Schachzug der Drehbuchautoren ist es, immer wieder vermeintliche Hinweise zu geben, mit scheinbar symbolhaften Figuren und Bildern, die bedeutungsschwanger auftauchen, aber letztlich mit der Story gar nichts zu tun haben. So taucht in allen Fantasien von Linda immer wieder eine Person auf, die dazu auch noch scheinbar zweideutige Dinge sagt, letztendlich aber für den Ausgang keine entscheidende Rolle spielt. Dadurch hat man als Zuschauer zunächst eindeutig zu viele Puzzlestücke in der Hand, um das Bild einfach zusammensetzen zu können.

Sandra Bullock spiel sehr souverän die blasse Hausfrau, die sich vom willenlosen Objekt der Story zum entschieden handelnen Akteur mausert. Ihr Partner Julian McMahon (bekannt als Dr. Doom aus den Fantastischen Vier) wirkt dagegen arg blutleer. Der restliche Cast ist fast jenseits der Wahrnehmungsschwelle, getragen wird der Film eindeutig von Sandra Bullock.

Auf der Positivliste ist das mutige Ende, das die Geschichte sinnvoll zuende führt, ohne in zuckersüßem Hollywood Kitsch zu versinken. Auf den Weg dorthin werden eine Menge grundsätzliche Fragen darüber aufgeworfen, ob man sein Schicksal beeinflussen darf bzw. ob man es überhaupt kann. Der Film bietet eine halbgare metaphysische Erklärung für das zugrundeliegende story device, das man allerdings nicht allzusehr belasten sollte (und der Film auch nicht tut). Wenn man sich auf die Grundregeln der Story einläßt, macht das Ganze durchaus Sinn.

Der Film ist bei den US-Kritikern glatt durchgefallen (8% auf dem Tomatometer von Rotten Tomatoes ist schon beeindruckend schlecht), bietet aber eine solide Suspense-Geschichte, die über 100 Minuten durchaus unterhalten kann, wenn man nicht zu sehr nach Logiklöchern und Unstimmigkeiten sucht.

Premonition (Die Vorahnung), USA 2007 – deutscher Kinostart: 11.10.2007
6/10 Punkte
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Irina Palm

“Ich bin Irina Palm. Ich bin die Beste”

Der Ausgangspunkt von Irina Palm klingt nach kitschigem Rührstück: Der kleine Olli ist totkrank und nur eine teure Operation im fernen Australien kann ihn retten. Da die Eltern kein Geld haben und die Oma schon ihr Haus zur Finanzierung früherer Behandlungen verkauft hat, entschließt sich die Oma, im Rotlichtviertel Geld zu verdienen, um die Flugtickets nach Australien zu bezahlen.

Glücklicherweise handelt Irina Palm nicht primär vom tränenrührigen Schicksal des totkranken Kindes, sondern von Oma Maggies Erfahrungen im Sexgewerbe: Was als Verzweiflungstat beginnt, entwickelt sich in der Folge zu mehr als nur einer reinen Geldbeschaffung. Maggie, die nichts gelernt hat und für normale Jobs zu alt ist, macht ihre Sache gut, und gewinnt durch ihre erfolgreiche Arbeit als Irina Palm, die Männer mit der Hand befriedigt, auch im “richtigen” Leben mehr Selbstbewußtsein.

An ein paar Stellen sieht es so aus, als wenn die Geschichte eine allzu platte “milieutypische” Wendung nehmen würde: Es kommt zum Streit zweier Bordellbesitzer um die Dienste von Irina, und schließlich erfährt auch Maggies Familie von ihrer heimlichen Tätigkeit. Aber Regisseur Sam Garbarski nimmt dann doch nicht die naheliegenden Wendungen sondern entscheidet sich für eine nicht auf Knalleffekte angelegte Erzählweise, was dem Film sehr gut tut.

Der Soundtrack beschränkt sich auf ein bis zwei Motive, die immer wieder eingesetzt werden – anfangs ganz nett und passend, aber etwas mehr Bandbreite hätte man sich gegen Ende doch gewünscht.

Kameraführung, Licht und Ausstattung haben den Independent-Charme einer europäischen Koproduktion. Hochglanzbilder hätten allerdings auch nicht zum tristen Setting in der englischen Vorstadt oder im heruntergekommenen Rotlichtviertel gepasst.

Marianne Faithfull als Maggie trägt den Film über weite Strecken ganz alleine und verkörpert glaubwürdig die Entwicklung der braven Hausfrau und Witwe aus der Vorstadt, die sich im Rotlichtmilieu durchschlägt. Sie verzichtet auf große Gesten oder dramatische Gefühlsausbrüche, und spielt die Maggie mit einer Ruhe und Reduziertheit, die absolut authentisch wirkt.

Irina Palm, Belgien,Luxemburg,UK,Deutschland,Frankreich 2007 – deutscher Kinostart: 14.07.2007
8/10 Punkte
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Fool’s Gold (Ein Schatz zum Verlieben)

“Sie haben einen geheiratet der gut im Bett war und erwartet, dass er auch intelligent ist?”

Die Prämisse für Fool’s Gold war wohl, eine Story zusammenzuschustern, die möglichst viele Gelegenheiten bietet, Matthew McConaughey mit nacktem Oberkörper unter karibischer Sonne zu zeigen. Herausgekommen ist belangloses Filmchen der Kategorie Schatzsucher-Abenteurer-Gangster-Romantic-Comedy – ein wenig National Treasure, etwas Indiana Jones, und ein Schuß Six Days Seven Nights, fertig ist der leicht verdauliche Brei:

Benjamin Finnegan (Matthew McConaughey), ein chaotischer und chronisch verschuldeter Schatzsucher, ist auf der Suche nach einem sagenhaften spanischen Goldschatz, der in der Karibik vor ein paar Jahrhunderten versunken ist. Seine Ex-Frau Tess (Kate Hudson) hat sich von ihm getrennt, weil er so unzuverlässig ist und seit Jahren erfolglos dem Schatz hinterherjagt, insgeheim ist sie aber auch vom Schatzfieber besessen, und natürlich nach wie vor in Benjamin verliebt. Weitere Figuren in diesem Spiel: ein freundlicher älterer Herr mit weißer Yacht und viel Geld (Donald Sutherland), seine nervige Tochter, die wohl als Paris-Hilton-Parodie gedacht ist, ein klischee-schwules Schiffskoch-Pärchen, und ein gefährlicher Gangsterboss namens Biggs Bunny, samt zugehörigem Schlägertrupp.

Alles verläuft schön vorhersehbar und belanglos. Warum sich Donald Sutherland für so ein seichtes Filmchen hergegeben hat, wird ein Rätsel bleiben, vermutlich hat die Aussicht auf ein paar sonnige Drehtage in Florida und auf den Bahamas den Aussschlag gegeben.

Zwei Punkte für die sehr hübschen Bilder unter karibischer Sonne, mit klaren blauen Wasser, Stränden wie aus der Bacardi-Werbung und schneeweißen Luxusyachten. Ein Punkt für eine gut aufgelegte Kate Hudson. Und einen Punkt für ein paar erstaunlich locker-leicht inszenierte Momente, wie die Eröffnungszene, in der zu karibischen Rhythmen im stahlblauen Meer ein Boot langsam abfackelt und sinkt, während die Protagonisten unbekümmert auf dem Meeresgrund tauchen. Der Rest schwankt zwischen unspektakulär und dümmlich.

Fool’s Gold (Ein Schatz zum Verlieben), USA 2007 – deutscher Kinostart: 24.04.2008
4/10 Punkte
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The Dark Knight

„Man stirbt als Held oder man lebt so lange, bis man selbst der Böse wird“

Von den Batman-Filmen der Neuzeit habe ich bewußt nur die erste Verfilmung von Tim Burton in Erinnerung. Alles was danach in Form von Robin, Clooney, Kilmer, Catwoman oder Batgirl kam, hab ich entweder nicht gesehen oder schnell wieder verdrängt. Umso merkwürdiger fand ich, dass im x-ten Teil des Franchise auf einmal wieder der Joker auftaucht, der doch eigentlich schon in Tim Burtons Erstling das Zeitliche gesegnet hat. Nun ist statt Nicholson auf einmal Heath Ledger der Joker, aber der ist ja auch schon tot, insofern passt das ja irgendwie.

Christopher Nolan betont in seiner Version der Fledermaus-Saga die Komponente, die mir bei Batman am sympathischten ist: Batman ist kein krypton-gestählter Superman oder genmanipulierter Spinnenmensch mit übernatürlichen Kräften, sondern nur ein sehr reicher Mann, der sich eine eigene Forschungsabteilung für Batmobile, kugelsichere Latex-Anzüge und sonstige Gimmicks leistet, um so gestärkt auf Verbrecherjagd zu gehen (und als Superreicher, der in der Freizeit Kriminelle jagt, somit eher ein Kollege von Jonathan Hart ist als von Superman). Batman ist quasi der James Bond der Superhelden, und die Szenen im Labor, in denen Lucius Fox (Morgan Freeman) ihn mit den neuentwickelten Superwaffen vertraut macht, sehen denn auch so aus wie zwischen Bond und Q.

Der Cast ist großartig. Christian Bale als Bruce Wayne/Batman ist überzeugend, auch wenn er für die Szenen im Batman-Ganzkörperanzug eher wenig schauspielerisches Talent benötigt. Perfekt besetzt ist Aaron Eckhardt als strahlend-heldenhafter Staatsanwalt Harvey Dent. Die Besetzung der Nebenrollen mit großen Stars wie Michael Caine oder Morgan Freeman spricht für sich selbst. Und auch wenn ich den ganzen Hype um Heath Ledger nach seinem Ableben nicht so richtig nachvollziehen konnte, muss ich zugeben, dass er als Bösewicht Joker überragend ist und der Figur einen ganz eigenen Charakter jenseits von Nicholsons Joker im ersten Batman Film verleiht.

Das Setting ist ein radikal anderes als das früherer Filme: Das Gotham City von Chris Nolan ist nicht die Fantasy-Welt von Tim Burton, ist kein düster-buntes Comicland, sondern ein sehr modernes, reales New York – das auch nicht in einem Paralleluniverum existiert, sondern von dieser Welt ist: Batman darf diesmal sogar bis nach Hong Kong reisen, um einen Neben-Bösewicht zu verfolgen. Nachteil des realistischen Settings: Hier wirkt ein Mann im Fledermauskostüm mit Spitzohren ein wenig deplaziert. Auch wenn man den Latexanzug noch als Panzerung verkaufen kann, spätestens das schwarze Cape und die Fledermausohren sehen in diesem Rahmen oft so lächerlich aus, als habe sich ein Teilnehmer des benachbarten Faschingsballs auf das Set verirrt (ganz davon abgesehen, dass wir seit The Incredibles wissen, dass Capes denkbar unpraktisch sind für Superhelden). Ganz im Gegenteil übrigens zum Joker, den Heath Ledger mit strähnigem Haar und verwischten Make-up so eindringlich spielt, dass er nicht wie eine Comicfigur wirkt, sondern als Bösewicht in diese reale Welt passt. Erstaunlich gut gelungen ist auch die deutsche Synchronisation von Ledger, die den zwischen Wahnsinn, Witz und Bedrohung schwankenden Joker, schmatzend und lechzend, eine Stimme verleiht, ohne ins Alberne abzurutschen.

Die düstere Geschichte reißt viele Themen an und wirft grundlegende Fragen auf: Über das Wesen und die Motivation des Bösen, die Grenzen und Prinzipien, denen die Guten unterliegen, über den Überwachungsstaat, der nicht einfach durch Verbrechensbekämpfung legitimiert werden kann, über das Gute oder Abgründige im Menschen und was in der Bevölkerung überwiegt, über Angst und Panik, die durch Terror erzeugt und instrumentalisiert werden kann und die Probleme eines Rechtsstaates, darauf zu reagieren. In einer arg konstruierten aber dennoch sehr gut gemachten Szene muss eine Gruppe unbescholtener Bürger und eine Gruppe Schwerkrimineller entscheiden, ob sie auf Kosten der jeweils anderen überleben will. Selbst in diesen plakativen Storyelementen schafft es The Dark Knight, ein differenziertes Bild zu zeichnen und keine einfachen Antworten zu wählen (wer die Szene etwas detaillierter beschrieben haben will, kann das beim um Spoiler nie verlegenen, aber wie immer lesenswerten Psycho-Rajko nachlesen ;) ).

Kameraarbeit und Trickeffekte sind auf sehr hohem Niveau, der Bilderrausch ist immer wieder beeindruckend arrangiert. Die teilweise stark an die 9/11 Ikonographie angelehnten Szenen von rauchenden Trümmern eingestürzter Häuser in der Großstadt wirken allerdings ein wenig aufgesetzt und pathetisch, und sind zudem nicht gerade neu. Gruseliges Highlight der Trickeffekte ist das Gesicht von Two-Face, das deutlich von Terminator 2 inspiriert zu sein scheint. Insgesamt sieht man dem Film in jeder Sekunde seine Produktionskosten an – alles ist auf Hochglanz produziert und perfekt inszeniert. Hans Zimmer unterlegt das Spektakel mit gewohnt bombastischem Orchestersound. Nicht revolutionär, aber sehr passend.

Wenn man bei The Dark Knight etwas kritisieren kann, dann die Länge. Nolan schafft es zwar, über die gesamten 150 Minuten zu unterhalten, aber auf Dauer wirken die ab der zweiten Hälfte des Films Schlag auf Schlag folgenden Showdowns etwas ermüdend. Es gehört zwar zum Genre, dass Bösewichter immer mindestens zweimal zur Strecke gebracht werden müssen, bevor sie endgültig besiegt sind, aber die Storywendungen von The Dark Knight hätten auch locker für zwei Spielfilme gereicht. Durch die Fülle an Figuren, Haupt- und Nebenhandlungen verliert das düstere Treiben ab und an den roten Faden. Hier wäre weniger eindeutig mehr gewesen. Aber dann hätte man schließlich auf den Überlängenzuschlag verzichten müssen.

The Dark Knight, USA 2008 – deutscher Kinostart: 21.08.2007
8/10 Punkte